Afrika Hautnah im 15. Bezirk – Kommentar der Bezirksvertretung

Dez 1st, 2008 | By | Category: Afrika Hautnah

Integration ohne Vorurteile
Der 15. Wiener Gemeindebezirk ist ethnisch gesehen sehr bunt. Ein Potpourri von Menschen unterschiedlichster Herkunft, denn in Rudolfsheim-Fünfhaus – österreichweit der Bezirk mit dem höchsten MigrantInnenanteil – leben, wohnen, spielen und arbeiten über 100 Nationalitäten großteils friedlich miteinander. Trotz des – im Regelfall – guten Zusammenlebens, sind integrative Maßnahmen notwendig, um nicht zuletzt auch gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Zweiseitiger Prozess
Integration soll in meinen Augen in erster Linie eine Basis schaffen, dass MigrantInnen eine gleichberechtigte Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen, sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Leben in Österreich haben. Integration ist ein zweiseitiger Prozess. Gegenseitige Toleranz und Akzeptanz sind Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Integration. Daher versuchen wir im 15. Bezirk in erster Linie auf den Dialog zu setzen, um Ängste abzubauen, denn nur wer den anderen besser kennt, wird auch seine Vorurteile verlieren. Durch Einrichtungen wie dem „Interreligiösen Forum“ und der „Plattform ausländischer Kulturvereine“ forcieren wir das „Kennen lernen anderer Kulturen“ in Rudolfsheim-Fünfhaus seit einigen Jahren.

Alltagsintegration
Aber nicht nur das Kennen lernen ist wichtig, sondern auch die Integration im Alltag. Vor allem was den Zugang zu medizinischen Einrichtungen betrifft, nehmen wir dabei als 15. Bezirk eine Vorreiterrolle ein: Als Beispiel dafür möchte ich die muttersprachlichen Gesundenuntersuchungen für türkische Frauen in der Sorbaitgasse anführen, ein Projekt das sehr gut angenommen wird. Überhaupt versuchen wir im Sozialbereich Akzente zu setzen, um die Integration zu verbessern wie etwa durch unsere Parkbetreuungen Juvivo und Zeit!Raum oder durch die Eingliederung eines migrantischen SeniorInnenklubs in den SeniorInnentreff in der Sperrgasse. Zentral hinsichtlich aller Integrationsbestrebungen ist das Erlernen der deutschen Sprache, öffnet es doch viele Türen. Daher freut es mich, dass besonders unsere Volkshochschule in der Schwendergasse mit einer Vielzahl an Deutsch- und anderen Sprachkursen dabei hilft, das gegenseitige Verständnis buchstäblich zu verbessern.

Musterlose Integration
Was mir in diesem Zusammenhang noch wichtig erscheint: Integration darf auf keinen Fall mit „Assimilation“ gleichgesetzt bzw. verwechselt werden. Das Ziel der Integration ist daher nicht die Erziehung der Zuwanderer zu „Muster-ÖsterreicherInnen“, die es ohnehin nicht gibt, denn wir leben in einer Gesellschaft, in der eine Vielzahl von Lebensstilen und Lebensentwürfen nebeneinander existieren – unabhängig von ihrer Herkunft. Daher ist es für uns auch wichtig, anderen Kulturen die Möglichkeit zu bieten, sich präsentieren zu können. Bestes Beispiel dafür ist unser Wasserweltfest am Meiselmarkt, bei dem viele migrantische und österreichische Kulturvereine einen Einblick in ihre jeweilige Heimat gewähren. Mit großem Erfolg, denn alljährlich darf sich das Fest über hunderte BesucherInnen freuen. Sie sehen, der 15. Wiener Gemeindebezirk ist ethnisch gesehen sehr bunt. Und das ist gut so, denn Vielfalt ist immer besser als Einfalt.

Gerhard Zatlokal, Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus

Aus der Druckausgabe Tribüne Afrikas Nr.5/2008



is Claudia Apfelthaler.
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