Afrika Paradis

Dez 1st, 2008 | By | Category: Filme

oder wenn verarmte EuropäerInnen in die reichen Vereinigten Staaten Afrikas auswandern müssen.

Kann das wirklich sein? Im Kino ist alles möglich. Stellen Sie sich vor: im Jahr 2033 ist Europa infolge einer Weltwirtschafts- oder internationalen Finanzkrise zu Grunde gegangen. Afrika hingegen ist, dank seiner Bodenschätze reich, wohlhabend und vereinigt geworden. Den armen EuropäerInnen, die unter der Armutsschwelle leben, bleibt nichts anderes übrig, als illegal nach Afrika auszuwandern, um dort ihr Glück zu finden. Das ist aber schwer zu schaffen, denn die illegalen EinwandererInnen aus Europa sind in den Vereinigten Staaten Afrikas nicht willkommen. Dort warten auf sie Flüchtlingslager, Schubhaft, niedrigste Arbeitsbedingungen, Rassismus und rechtsradikale Parteien. All das werden der französische Informatiker Olivier und seine Freundin erleben und das wird ihre Beziehung prägen.

Was für eine schockierende Geschichte! Sie bringt aber zum Nachdenken. Darin liegt eigentlich der größte Wert dieses Filmes, den der Regisseur Sylvestre Amoussou aus Benin schon 2006 gedreht hat. Niemand, der ihn gesehen hat, hat den Kinosaal verlassen, ohne von der Botschaft des „Africa Paradis“ beeindruckt zu werden. Die Kritiken, die nach seiner Uraufführung in Paris am 28. Februar 2007 erschienen sind, mussten ihn loben. Sie haben sich aber auch bemüht, ihn als dilettantisch abzuwerten. Man mied es ebenfalls, ihm zu viel Publizität zu geben. Wahrscheinlich aus einem Grund, der nicht unbedingt mit der Kunst zu tun hat…

Da man schon die ideologische Botschaft eines Kunstwerkes nicht bestreiten konnte, beschäftigten sich manche Kritiker mit der Evaluierung der Regie, der Handlung, der Darsteller und der psychologischen Bearbeitung des Profils der Protagonisten. Es gab Meinungen, dass die Regie ungeschickt war, dass in den Büros der Behörden der Vereinigten Staaten Afrikas alte PCs zu sehen waren, dass der Saal des Parlaments der Vereinigten Staaten Afrikas eher an eine Schulklasse erinnert, dass die Szenen klischeehaft sind und die SchauspielerInnen – afrikanische vor allem – zwar gut sind, aber dass die Charaktere, die sie darstellten, psychologisch mangelhaft sind. Einwände kann man immer finden, stören sie aber der Dynamik der Handlung oder die Botschaft. Überhaupt nicht. Hingegen verstärken sie den Wert dieses Filmes und einen guten Film kann man auch dadurch erkennen, dass man ihn auf der Bühne eines Theaters ausführen könnte. Mit „Africa Paradis“ war das gerade der Fall. Dadurch wurde die Kraft seiner Botschaft nur verstärkt.

Am 22. Oktober 2008 konnte man die Aufführung des Films „Africa Paradis“ auch in Wien erleben. Dafür ist seinen Organisatoren „Francultures – Plattform Frankophoner Kultur“, der Diplomatischen Akademie und Radio Afrika International zu verdanken. Das Interesse des Publikums war sehr groß. Vor allem junge Leute füllten den Saal. Nach der Vorstellung gab es auch Gelegenheit, an eine Podiumsdiskussion über die Fragen, die „Africa Paradis“ eröffnete, beizuwohnen. Die Diskussion wurde durch Professor Michel Cullin von der Diplomatischen Akademie geleitet und seine Gäste waren neben des Direktors von Radio Afrika International Alexis Nshimyimana Neuberg und des Professors Clément Mutombo aus der Universität Innsbruck, auch einige afrikanische StudentInnen der Diplomatischen Akademie. Bei der Diskussion dominierten die Fragen der Identität und der Integration. Doch wie sollte diese Integration erfolgen? Durch mechanische Annahme der Kultur des Gast- bzw. neuen Heimatlandes? Durch Duldung von verschiedenen kulturellen Erben? Oder durch ein gemeinsames Engagement, um ein System, das wegen eines inhumanen, materialistischen Wirtschaftskonzeptes, die Ungleichheit und soziale Segregation erzeugt, mit gemeinsamen Kräften zu bekämpfen, um ihn durch eine humane und gerechte Gesellschaft zu ersetzen? Diese Frage blieb beim Panel offen. Der Film hat aber Ansätze gegeben, darüber nachzudenken. Daher muss man „Afrika Paradis“ unbedingt sehen.

Vladislav Marjanović, Radio Afrika TV
Aus der Druckausgabe Tribüne Afrikas Nr.5/2008



is Claudia Apfelthaler.
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