Afrika-Tage Wien 2008: Im Klischee ertrunken

Dez 2nd, 2008 | By | Category: Interessantes

Zum vierten Mal gingen im vergangenen Sommer die Afrika-Tage in Wien über die Bühne der Wiener Donauinsel. Viele Chancen wurden vertan. Leider.

„Afrika-Tage Wien 2008! Für zehn Tage wird der Esprit und die Lebensfreude Afrikas zum Mitfeiern und Genießen einladen. Herzstück ist wieder der große Bazar, mit Kunsthandwerk aus Afrika, Trommel- und Tanzworkshops und einem informativen und spannenden Kinderprogramm. Heiße Rhythmen erwarten die Afrikaliebhaber bei den Open-Air-Konzerten mit traditioneller und moderner afrikanischer Musik. Für das leibliche Wohl der Besucher ist gesorgt: Bars mit afrikanischen Speisen, Cocktails und Getränken.“ – So lautet der Einleitungstext auf der Website der Afrika-Tage (www.afrika-tage.de).
Diese Afrika-Tage gab’s vergangenen Sommer zum vierten Mal. Auf der Wiener Donauinsel. Zehn Tage lang. Von 25. Juli bis 3. August.
Was könnte man sich unter Afrika-Tage vorstellen?
Zum Beispiel eine Gelegenheit, ein wenig Einblick in den – von Mitteleuropa aus gesehen – fernen, exotischen und vielfältigen Kontinent zu gewinnen.
Zum Beispiel eine Möglichkeit, Menschen, die von „dort“ kommen zu begegnen & kennen zu lernen, zu erfahren, wie man „dort“ lebt und denkt.
Oder zum Beispiel eine Chance, das Anders- und auch Fremdsein zu erfahren und zu erfühlen – von beiden Seiten –, es akzeptieren und verstehen zu lernen.
Oder zum Beispiel einfach ein mulitkulturelles Fest für alle, für Eingeborene (ÖsterreicherInnen), Zugewanderte und Gäste sowie deren Familien und Freunde.
Der eingangs zitierte Website-Einleitungstext scheint alle dies zu versprechen. Auch wenn der „Lebensfreude“ in Zusammenhang mit Afrika schon längst mehr als nur Klischeehaftigkeit anhaftet. Als ob es etwas charakteristisch Afrikanisches wäre, sich seines Lebens zu freuen (auch wenn dieses nicht immer leicht ist).
Das Resumée nach zehn Tagen Afrika-Tagen: „Na ja, es war nicht so schlecht.“
Dieses Fazit wirft eine Reihe von Fragen auf:
Warum fanden die Afrika-Tage fast unter Ausschluss der Wiener Szene statt?
Warum ähnelt der Afrika-Bazar zum Teil einem lieblos zusammen gewürfelten Ramschladen?
Warum gibt es so viel Ware, die mit Afrika gar nichts zu tun hat.
Warum dauert es einen halben Tag, bis etwas gegen eine Teil-Überflutung des Festival-Geländes unternommen wird?
Warum gibt es keine nachvollziehbare Tarifgestaltung bei den Eintrittspreisen? Warum kostet ein halber Liter Mineralwasser genauso viel wie ein Krügel Bier?
Warum wird an sieben von zehn Tagen Reggae gespielt?
Warum haben so viele Leute nichts von den Afrika-Tagen gewusst?
Warum klebten die Ankündigungsplakate an teils „unsichtbaren“ Stellen?
Warum haben offenbar so wenige Interessenten gewusst, dass man die Donauinsel auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichen kann?
Warum war die mediale Berichterstattung so schwach beziehungsweise gar nicht vorhanden?
Warum wurde die Chance, das Zusammentreffen Europas und Afrikas einmal abseits der abgegriffenen Klischees darzustellen so gut wie gar nicht genützt?
Warum steht am Ende der Afrika-Tage Wien auf der Website der Veranstalter ein einfallslos zusammengeschustertes Video, auf dem außer Konzertszenen, tanzenden Kindern und trommelnden Gästen nicht viel zu sehen ist?
Warum sind im abschließenden großen Fotoreport wiederum nur Klischee-Bilder zu sehen?

Echtes afrikanisches Kunsthandwerk, Treffpunkt für Eingeborene (ÖsterreicherInnen) und Zugewanderte.

Echtes afrikanisches Kunsthandwerk, Treffpunkt für Eingeborene (ÖsterreicherInnen) und Zugewanderte.

Plattform für Begegnungen mit den vielen Facetten afrikanischer Kultur – der traditionellen und der aktuellen.

Plattform für Begegnungen mit den vielen Facetten afrikanischer Kultur – der traditionellen und der aktuellen.

Neben den Facetten afrikanischer Kultur – der traditionellen und der aktuellen – gab es auch Anbieter jenseits von Massenware und Ramsch aus Massenproduktion.

Neben den Facetten afrikanischer Kultur – der traditionellen und der aktuellen – gab es auch Anbieter jenseits von Massenware und Ramsch aus Massenproduktion.

Aus der Druckausgabe Tribüne Afrikas Nr.5/2008



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is Claudia Apfelthaler.
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One comment
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  1. Liebe leute,
    es war doch ein wunderschönes Fest. Bin froh, dass es in Wien so ein Fest gibt, also lasst uns lieber darauf freuen statt es schlecht zu machen.
    glg
    Nadine

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