Michèle Francillon im Porträt
Dez 2nd, 2008 | By admin | Category: InteressantesStück für Stück ein Meisterstück
Michèle stammt aus Haiti, lebt mit ihrer Familie seit knapp drei Jahren in Wien und lebt ihre Passion für Stoffe, Farben und Kunst(handwerk) in Form von phantasievollen und ausdrucksstarken Quilts und Patchwork-Kreationen.
Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Haiti, die Insel der leuchtenden Farben, blühenden Pflanzen und frischen Früchte, der Sonne & der Wärme. Wien, momentan, da der Winter vor der Türe steht, die Stadt der gedämpften Farben, der schlafenden Pflanzen, der getrockneten Früchte, des Nebels & der Kälte.
In diesen Gegensätzen ist Michèle Francillon zu Hause: Geboren in Haiti, zum ersten Mal mit Europa in Kontakt gekommen in Belgien, lebte sie rund ein Jahrzehnt in Westafrika – Burkina Faso, Benin, Tschad, Ghana, Mali und Togo. Seit zwei Jahren ist sie in Wien, mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Michèle: „Ich bin gerne hier. Ich könnte mir durchaus vorstellen, länger oder überhaupt hier zu bleiben.“ Und auch ihre Familie fühlt sich in Wien heimisch.

Michèle Francillon, geboren in der Karibik, lebte zwei Jahre in Belgien, mehr als zehn Jahre in mehreren Staaten Westafrikas und jetzt in Wien.
Der Weg Michèles von der Südsee nach Mitteleuropa war nicht nur in Bezug auf die Entfernung weit, er spannt den Boden zwischen gegensätzlichen Welten. Ihr Weg vom Top-Model (2001 bis 2005) zur Künstlerin war im Vergleich dazu nicht ganz so weit. Immer schon war sie fasziniert von Farben und Materialien, vor allem von Textilien. Eine Passion, die durch ihren Job gefördert wurde. Sie absolvierte folglich eine Ausbildung zur Stylistin. Und ihr handwerkliches Talent perfektionierte sie, als sie 2001 ihre erste Mode-Kollektion für vier- bis zwölfjährige Kinder zusammenstellte und in einer Modeschau präsentierte. Mit großem Erfolg. 2003 knüpfte sie daran mit einer zweiten Show an, diesmal mit Modellen auch für Teenager. 2004 ging sie bei Paula Benjaminson in die Näh-„Lehre“ und begann, Quilts zu kreieren.
Dem Handwerk des Patchwork haftet häufig das abfällig eingefärbte Flair von Flickwerk, Fleckerlteppich an. Was nicht zutrifft, auch wenn – aus der Not geboren – vielfach tatsächlich Stoff- und Wollreste zu Teppichen, Decken oder Bildern verarbeitet werden.
Der Zugang der Kunsthandwerkerin und Künstlerin Michèle ist jedoch ein anderer. Sie verwendet keine Stoffreste, sondern ausgesuchte Materialien für ihre Kreationen: „Überall, wo ich hinkomme, stöbere ich nach neuen Stoffen.“ Die verarbeiteten Textilien sind von ausgesuchter Qualität: „Meine Arbeiten müssen ihre Formen und Farben behalten.“
Dabei geht Michèles Passion längst weit über Teppiche, textile Bilder und Überwürfe hinaus. Ihre Leidenschaft umfasst alle Bereiche der Dekoration, von Möbeln bis zur kompletten Wohnungseinrichtung.
Ob Quilt, Patchwork oder Drapierung, jedes Stück ist ein Einzelstück. Eines, in dem sich die Lebensstationen Michèles widerspiegeln, in Schnitten, Mustern, Formen, Symbolen, Farben und Nähtechniken.
Der Öffentlichkeit vorgestellt hat die Wahl-Wienerin ihre Kreationen bisher unter anderem im American Cultural Center, Ouagadougou/Burkina Faso (Mai 2005) und in der Mizrahi Fine Arts Gallery in Wien (Mai 2007). Michèles Ziel ist es, alle drei bis sechs Monate eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Derzeit ist eine Auswahl ihrer Werke in der Galerie Panna e Fragole in Waidhofen/ Ybbs zu sehen (bis 31. 12). Eine kleine Werkschau ist auch auf ihrer Website – mf-art.com – zu sehen.
Aus der Druckausgabe Tribüne Afrikas Nr.5/2008
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