Diskussionsergebnisse 7. Bezirk

Dez 22nd, 2008 | By | Category: Afrika Hautnah

Am 29. Oktober 2008 wurde im afrikanischen Lokal „Videos and Snacks Paradise“ eifrig diskutiert über die Partizipationsmöglichkeiten von sichtbaren MigrantInnen auf der Bezirksebene. Durch die Bank gestehen alle Parteien (Grüne, SPÖ, ÖVP und FPÖ), dass sie keinen afrikanischen Bezirksrat bzw. –rätin zu ihren Reihen zählen dürfen. „Unsere Türen sind offen“, fordert Kommanda (SPÖ) die AfrikanerInnen auf, dem die anderen Parteien sich anschließen. Rösch (FPÖ) gibt dem ausländerfeindlichen Bild über die FPÖ die Schuld für die Nicht-Teilnahme von AfrikanerInnen in der Partei. Er möchte durch sein Erscheinen ein Zeichen setzen. Fürnkranz-Markus (ÖVP) erklärt dies damit, dass es zu wenige engagierte Menschen gibt und wenige deutsch sprechen. Ist das wirklich der Grund? Ist das nicht eine Pauschalisierung?

Warum engagieren sich AfrikanerInnen nicht?
Gatien Gnagora (Afronet – Kommunikations- und Kooperationsplattform) spricht sehr gut Deutsch und begründet den Mangel an Partizipation mit fehlendem Vertrauen. „Wir haben kein Vertrauen zu einer Partei – egal zu welcher. Parteien versprechen vieles und fünf Jahre danach ist nichts mehr davon wahr.“ Obwohl er sich als SPÖ Genosse zugehörig fühlt, nimmt er nicht teil, weil seine Meinung nicht von Bedeutung sei, so Gnagora. Die PolitikerInnen appellieren, sich dann erst recht zu engagieren und bekunden, dass sie selbst auch häufig gegen Widerstand aus den eigenen Reihen stoßen. Dorothea Hagen aka Lady Soul (Obfrau von Human by Nature) hat selbst nordafrikanische Wurzeln und konnte die Entwicklung der afrikanischen Communities sehr gut mitverfolgen. Sie fordert die PolitikerInnen auf, direkt zur Basis zu gehen, zu den unterschiedlichen afrikanischen Communites. „Es muss das Bewusstsein geschaffen werden, AfrikanerInnen nicht als Bedrohung sondern als interkulturellen Reichtum, als Input, zu sehen“, so Hagen und wünscht sich Menschen afrikanischer Herkunft an sichtbare Stellen im Berufsleben.

Diversitäten und Lebensqualitäten
Gnagora bringt die Bedeutung dieser beiden Wörter auf den Punkt: „Unterschiede sind für mich Reichtum. Durch die Bereichung an den anderen kann Lebensqualität erzielt werden.“ Chawki Maamoun (Geschäftsführer des Multikulturellen Netzwerkes) stimmt dem zu, dass Vielfalt weiter gefördert werden müsse und wir stolz darauf sein müssten. Dass die Vielfalt für den Bezirk Neubau einen Reichtum birgt, darüber sind sich alle einig und dies spiegelt auch der präsentierte Kurzfilm über die afrikanischen UnternehmerInnen im Bezirk wider.

Zukunftsvisionen

Dennoch muss weiter an der Kommunikation gearbeitet werden und es werden Ideen gesammelt, wie man die interkulturelle Begegnung vorantreiben kann. Ist das Amerlinghaus als Ort der Begegnung ausreichend oder wird die Idee von Hagen, ein interkulturelles Begegnungszentrum einzurichten, aufgenommen? Ein wiederholtes Zusammenkommen hält nicht nur Rösch (FPÖ) für sinnvoll und es wird die Idee eine Stammtischrunde, die durch die afrikanischen Lokale führt geboren. So erhofft man sich den Anliegen und Problemen der AfrikanerInnen widmen zu können. Ein Anfang ist sicher das Angebot von Berner (Grüne), den afrikanischen Communities eine Kolumne in der Neubauer Rundschau zu ermöglichen. Abschließend fordert Gabriel Osuji (Unternehmer, Brookly’s Jam) die Parteien auf, einen Blick auf unsere deutschen Nachbarn zu werfen, denn seine Erfahrungen haben gezeigt, dass die Menschen in Berlin lockerer sind und keine Probleme mit Integration haben.
Lasst uns hoffen, dass diese Diskussionsveranstaltung über einen Denkanstoß hinaus zum Handeln anleitet. Die Türen der Parteien wie der afrikanischen UnternehmerInnen stehen offen, PolitikerInnen wie AfrikanerInnen sind daher aufgefordert Schritte zu setzen.



is Claudia Apfelthaler.
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