„Um Afrikaner zu integrieren müssen wir alle mitmachen“
Jan 5th, 2009 | By Lady-Soul | Category: Afrika HautnahAfrika Hautnah im 3. Bezirk
Als krönender Abschluss der Veranstaltungsreihe AFRIKA HAUTNAH kann die Diskussion am 11.12.2008 im Bezirk Landstraße gesehen werden. Dass alle Beteiligten voller Herz und Motivation einander näher kommen, verstehen und Lösungen finden wollten, zeigt die außergewöhnlich lange und intensive Diskussion.
An Projekten mangelt es auch im 3. Bezirk nicht. Aziz Miran, Integrationsbeauftragter der SPÖ3 zählt u.a. die Parkbetreuung Juvivo, die Agenda21 und den österreichischen Integrationsfond auf. Irene Wenicke nutzt die Gelegenheit als Publikumsgast und fordert die AfrikanerInnen auf, ihre Geschichte im Bezirksmuseum einzubringen. Hans Emrich erläutert die Agenda21 näher, die Bürgerbeteiligung durch Initiativen wie die Parkumgestaltung Kloppsteinplatz, Mahnmale für Naziopfer bei den Aspanggründen oder die Weltenreise sichtlich ermöglicht. AfrikanerInnen arbeiten allerdings noch keine in der Agenda21. Zur Gebietsbetreuung Stadterneuerung kommen zwar AfrikanerInnen, aber als KlientInnen. Simone Delivuk stellt die große Frage, wie die Unerreichbaren erreicht werden können. Damit sind nicht nur AfrikanerInnen sondern auch Türken, Slawen etc. gemeint. Im 3. Bezirk hat die KPÖ keine afrikanischen Mitglieder, in anderen schon, laut Susanne Empacher. Die Grünen sind offen für alle. Der altbekannte Spruch „die Türen sind offen“. Delivuk will aber nicht wissen, warum sie nicht hineingehen sondern stellt die Gegenfrage: „Was wollen die Afrikaner, um sich eingeladen zu fühlen?
Integrationsbestrebungen
Felix Omorodion, Pastor des Vienna Christian Centers, weiß von seinen „Schäfchen“, dass viele AfrikanerInnen versucht haben, sich zu integrieren und wegen der negativen Erfahrungen keine Energie mehr dafür haben. Miran begründet die Barrieren mit der Angst vor etwas Fremden und appelliert darauf, nicht aufzugeben und so lange zu versuchen, bis es funktioniert. Efosa Osagie, Obmann der African Taxi Drivers Association (ATDA) sieht die Barrieren im Herzen, die abgebaut werden müssen. Er weiß nicht, wie er sich integrieren soll, wenn Menschen nicht zu ihm ins Taxi steigen wollen, weil er Afrikaner ist, oder wenn sogar bei den Grünen in der Lindenstraße die Leute aufstehen und sich von ihm wegsetzen. Stanley Omoregie (ATDA), gelernter Informatiker und Netzwerktechniker, hebt hervor, dass Integration von beiden Seiten kommen muss und es nicht ausreicht, nur zu behaupten, dass es Möglichkeiten gibt, und er aber nicht das Gefühl hat, gewollt zu sein. Osagie wie Omoregie haben beide 1000e Bewerbungen geschrieben und keine Arbeit in ihren Fachgebieten gefunden. „Die Türen sind nur formal offen“, dem stimmt auch das Publikum zu, da es ein Nebeneinanderleben der Kulturen ist. Auch in Gegenden wo sich viele AfrikanerInnen aufhalten wegen beispielsweise einer afrikanischen Kirche, gibt es keinen Kontakt, obgleich sie als Bereicherung gesehen werden. Hofbauer sieht das Problem im tief verwurzelten Rassismus bei den ÖsterreicherInnen, dem keine interkulturellen Feste entgegenwirken können sondern nur gegenseitiges Kennenlernen. Ein Publikumsgast führt als Beispiel für die Auswirkungen von Vorurteilen die Folgen von Negativwerbungen seitens Medien und bestimmten Parteien wie der FPÖ. So habe die FPÖ eine Unterschriftensammlung gegen ein ghanesisches Lokal gestartet mit anschließendem Artikel in der Bezirkszeitung. Erst durch die FPÖ-Kampagne blieben die normalen Besucher aus und Drogensüchtige vom Karlsplatz kamen in der Annahme, es gäbe hier Drogen zu kaufen. Weder SPÖ noch Grüne setzten sich für den Besitzer ein.
„Um Afrikaner zu integrieren müssen wir alle mitmachen.“
Ein afrikanischer Gast, der in Österreich zur Schule gegangen und beim Bundesheer gewesen ist, betont, dass sich nichts von heute auf morgen verändern kann. Es gibt SPÖ-Werbungen mit TürkInnen, Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien, aber nicht mit AfrikanerInnen. Möglichkeiten Integration zu fördern, werden in den Bezirkswochen, in Multikulti-Festen, im Wahlrecht für MigrantInnen, in Projekten wie das SOHO in Ottakring gesehen. Manhart hofft mit der Kulturförderung das Miteinander verändern zu können und erwähnt als positives vorbildhaftes Beispiel das Integrationsfest am Erdberg. „Wer, Wo, Wann soll, muss integrieren werden?“, fragt sich Empacher. Sie zweifelt an der Wirksamkeit von unterzeichneten Diskriminierungspaketen, will Probleme erkennen und wegschaffen. Manhart überlegt weiter, wo man etwas tun kann. Sie hebt die Notwendigkeit des Kontakts mit dem Arbeitsmarkt und die Kritik an Journalismus und Werbung hervor.
Politische Partizipation
Ein Weg der Integration ist die politische Partizipation. Es wird auf den Wandel der Zeit gehofft, auf die junge Generation. Sprachliche Probleme werden als Inkompetenz interpretiert. Ein afrikanischer Publikumsgast bekennt sich als SPÖ-Mitglied, zeigt sich aber nach einer angenommen Einladung enttäuscht: „Keiner hat mich etwas gefragt, niemand hat mit mir gesprochen.“ Weiters wird von einem Publikumsgast ein Vorfall geschildert, wo SPÖ intern die Verbindung zu AfrikanerInnen als schadhaft angesehen wird. Dies wird von Miran negiert und klargestellt, dass sehr wohl auch NationalratskandidatInnen mit AfrikanerInnen auf Wahlplakaten abgebildet wurden. Osagie stellt fest, dass die Thematik über afrikanischen Drogendealer für Politiker immer noch die beliebteste, und vor allem fruchtbarste Angstmache ist, um Wahlen zu gewinnen. Dies wirkt sich, laut Omoregie unmittelbar auf das Leben der Austro-AfrikanerInnen aus, welche oftmals nur durch die Angst keine Anstellung finden.
Affirmativ Aktion
Die große Frage der affirmativen Aktion steht auch bei dieser Diskussion im Raum. Neuberg fordert die Parteien auf, Ideen einzubringen, um AfrikanerInnen einzubinden. Manhart ist offen für jegliche Kommunikation, jedoch gibt es meist zuwenig Mandate für die vielen Leute, die mitarbeiten wollen. Für Empacher wäre es gut vorstellbar, wenn AfrikanerInnen mitarbeiten würden, da dies ihrem Programm gegen Diskriminierung entspräche. Und auch bei den Grünen und der SPÖ stehen die Türen für aktive Mitarbeit offen.
Die Leiden der afrikanischen Taxifahrer
Omoregie ist Ingenieur und Netzwerktechniker, arbeitet aber als Taxifahrer. Es gibt viele afrikanische Taxifahrer in Wien. Mit ihren Problemen können sie sich oft nicht an die Polizei wenden, da das Problem zwischen Afrikaner und Polizei in den Vordergrund gestellt wird. Deshalb gründeten sie 2003 den Verein African Taxi Drivers Association, um sich die eigene Sicherheit zu schaffen. So scheinen afrikanische Taxifahrer mehr Strafen zu bekommen als normal sei. Nach Osagie, gehen die Leute an einem vorbei und steigen in das letzte Auto. Das Problem sehen die Taxifahrer in den Köpfen und in der Erziehung, vor Fremden Angst haben zu müssen. Von der Taxifahrervereinigung fühlen sie sich nicht vertreten, werden zwar eingeladen hinsichtlich Kleinigkeiten, aber erhalten keine Rückendeckung für die Diskriminierungen. Entgegen den Erfahrungen „first come, first go“ des Publikums, zeigen die Erlebnisse der Taxifahrer, dass sich Fahrgäste das Taxi aussuchen. Öffentlichkeitsarbeit, eine Kampagne und eine Regelung werden gefordert. Ein weiterer afrikanischer Taxifahrer aus dem Publikum betont die Gemeinsamkeit der Taxifahrer mit der Polizei – beide sorgen für Sicherheit, da sie die Menschen (nachts) sicher nach Hause bringen. Gemeinsam werden Lösungen gesammelt, die in der Bezirkspolitik verwirklicht werden können: Diskussion in der Sozialkommission, Artikel in den eigenen Medien veröffentlichen, Öffentlichkeitsarbeit in der Bezirkszeitung, Aktionismus (z.B. Forum Theater), Aufklärung aber keine Verbote.
Lösungsvorschläge
Lösungsvorschläge für das Zusammenleben im 3.Bezirk wurden viele eingebracht: Ein nigerianischer Publikumsgast, der an der BOKU studiert hat, schlägt eine Kontaktliste vor, als Plattform zur Kommunikation. Dadurch könnten Sprachbarrieren durchbrochen werden und MigrantInnen besser in Berufe und Veranstaltungen miteinbezogen werden. Manhart sieht eine Möglichkeit darin, positive Beispiele, wie zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit der Exekutive hervorzuheben. Omorodion, wie auch der Publikumsgast und DJ, Zipflo sind der Ansicht, man müsse bei den Kindern anfangen, um Barrieren abzubauen. Delivuk schlägt einen ersten Landstraßer – Antidiskriminierungsaward vor. Dafür bräuchte sie jedoch mehr Kontakt zur African Community. Emrich erwähnt noch einmal das Projekt der Lokalagenda 21 Weltenreisen. Sie seien offen für alle die sich beteiligen wollen und auch für neue Projekte, die ein Zusammenleben verbessern. Wichtig für alle DiskutantInnen, wie auch dem Publikum ist, dass AfrikanerInnen in Bereichen arbeiten, für die sie eine Ausbildung haben und nicht automatisch als Putzfrau oder Gastronomiehilfe arbeiten müssen. Weiters sollen AfrikanerInnen an sichtbaren Stellen arbeiten dürfen. So könne man die Einstellung der Menschen ändern.
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In letzter Zeit fahre ich öfters mit dem Taxi. Die Fahrten mit Schwarzafrikanern sind immer ein besonders Vergnügen, weil die Fahrer extrem höflich und hilfsbereit und ihre Autos auch besonders sauber und gepflegt sind. Vielen Dank!