Austo-afrikanische Politiker wollen mitreden und sich selbst organisieren

Mrz 11th, 2009 | By | Category: Afrika Hautnah

Afrika Hautnah in Kooperation mit Cafe Melange

Am 17. September 2009 bildete die von Radio Afrika TV in Kooperation mit Cafe Melange organisierte Diskussionsrunde mit österreichischen Politikern afrikanischer Herkunft am Urban-Loritz-Platz den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Afrika Hautnah – Partizipationsmöglichkeiten sichtbarer MigrantInnen“.

Einleitend erläutert Deutsch von Projekt Cafe Melange, dass es hier um Mitsprache und Selfimpowerment gehe, und hebt die Zeiten vor den Wahlen hervor. Moderator Christophe Adjassoho hinterfragt die allgemeine Bezeichnung „AfrikanerIn“, da sich viele nicht mehr als AfrikanerInnen allein sondern auch als ÖsterreicherInnen betrachten. „Wie nehmen Austro-AfrikanerInnen am Leben teil und wie können sie auf Ebene der Landespolitik und der staatlichen Politik mitreden?“, will Adjossoho von den austro-afrikanischen Politikern Neuberg, Ofoedu und Agbogbe wissen. Alexis Neuberg, Vertreter der Demokratischen Diversität Österreichs (DDÖ), beschreibt das Ziel der jungen politischen Bewegung: „Wir wollen die MigrantInnen mobilisieren, wählen zu gehen, und gleichzeitig Themen der Migration und Integration an die Öffentlichkeit bringen.“ Damit betont Neuberg, dass MigrantInnen auch Wähler sind. Fernand Agbogbe ist Vize-vorsitzender des Panafrica-Forums, einer Plattform für sozial, kulturell, wirtschaftliche und politische Kommunikation in Österreich. Für ihn ist Engagement und Mitsprache wichtig, „denn was in der Politik für Gesetze gemacht werden, beeinflusst unser Leben“. Als Mitglied des Liberalen Forums (LIF) befasst sich Agbogbe mit der Migrationspolitik (Entwicklungszusammenarbeit, Asylrecht, Integrationsarbeit). Der Schriftsteller und Künstler Charles Ofoedu ist Obmann der Bunten Demokratie für Alle (BDFA). Der Verein BDFA hat nicht nur einen Platz in der Arbeiterkammer sondern auch ein Mandat. „Wir wollen, dass sie für sich selbst sprechen können und nicht dass die Leute für die Migranten sprechen“, betont Ofoedu, bekennendes Mitglied der Grünen.

AfrikanerInnen und andere MigrantInnen sind nicht sichtbar
Neuberg sieht das Problem darin, dass „wir uns selbst nicht vertrauen“. Radio Afrika TV organisiert deshalb eine Diskussion zwischen PolitikerInnen und AfrikanerInnen in den Bezirken. Den PolitikerInnen zufolge stehen die Türen offen, aber die AfrikanerInnen fühlen sich nicht willkommen, wenn sie hineinkommen. Sind MigrantInnen in Parteien, stehen sie nicht an sichtbaren Positionen. Moderator Adjossoho fragt sich, ob die AfrikanerInnen reif genug sind, in die Politik einzusteigen. Dem widersprechen alle DiskutanInnen. Einzelne Menschen sind bereit, aber Organisationen oder die Gesellschaft teilweise noch nicht. Agbogbe begründet die Unsichtbarkeit der MigrantInnen auch damit, dass manche aus persönlichen Gründen eine sichtbare Position ablehnen. Die Wurzel des Bösen sind also nicht immer die Parteien. Agbogbe sieht das persönliche Engagement wichtiger als die Sichtbarkeit in den Parteien. Dabei hebt er das eigene Wirken und den Einfluss in den jeweiligen Parteien hervor. AfrikanerInnen auf Listen oder Plakaten haben Signalwirkung. Ofoedu korrigiert, dass AfrikanerInnen durchaus sichtbar sind. Damien Agbogbe war beispielsweise auf den Plakaten der Grünen. Wichtiger sei eine wählbare Position, jedoch fehle den AfrikanerInnen die Lobby. Ofoedu sieht das Problem darin, dass man in einer politischen Partei gepuscht werden muss. Agbogbe geht weg von der Differenzierung zwischen Weißen und Schwarzen Österreichern. Er ist Österreicher und wird auch als solcher angehört. Publikumsgast Joe Tylor ergänzt zwei weitere Probleme, „die Machtfrage innerhalb der Afrikanischen Community und die Frage, wie wir uns positionieren können.“ Die Afrikanische Community ist keine Einheit, weil sie aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen politischen Gesinnungen kommen. Er spricht sich gegen die Quotenregelung aus und die Affirmative Action als Möglichkeit neue Leute in einer Organisation zu fördern.

Afrikanische Politikerinnen
Ein Publikumsgast vermisst die afrikanischen Politikerinnen und erwähnt dabei den Verein Black Women Community. Neuberg entschuldigt die geladenen Politikerinnen Beatrice Acheleke, verhindert wegen eines Termins in Salzburg, und Ilunga Kabedi, Grüne Bezirksrätin im 10. Bezirk, verhindert aus persönlichen oder zeitlichen Gründen. Tylor wertet die rare politische Teilnahme von afrikanischen Frauen nicht als afrikanisches Spezifikum. Hier bedarf es allgemein andere Maßnahmen, so Tylor. Moderator Adjossoho sähe es als guten Anfang, „wenn die Frauen nicht nur hinter sondern auch neben oder sogar vor den Männern stehen, das ist ein Prozess.“ Wo die afrikanische Jugend und die Jugend von MigrantInnen ist, die ebenso ab 16 Jahren wählen darf, bleibt unbeantwortet.

AfrikanerIn oder Austro-AfrikanerIn?
Ist man nach 20 Jahren in Österreich noch AfrikanerIn oder Austro-AfrikanerIn? Ofoedu sieht sich zwar als echten Wiener, weil er schon lange hier lebt, im Herzen, Blut und in seiner Hautfarbe ist und bleibt er aber Afrikaner. Für Neuberg ist Österreich Diversität, die auch wahrgenommen werden muss. Er sieht das Problem im Verständnis des Begriffs Integration – die kleine Gruppe soll sich in die Große integrieren. Aus diesem Grund spricht er sich für den Begriff Diversität aus. Auch Agbobge stimmt sich dafür, dass Diversität zur Normalität Österreichs werden soll. Positive Diskriminierung und Signalwirkung kann motivierend für andere sein. Ofoedu sieht die Schwierigkeit an der politischen Teilhabe an der geschlossenen Gesellschaft Österreichs. In Vorarlberg habe „einer“, so Ofoedu, probiert in den Landtag zu kommen, Beatrice Acheleke versuchte es in den Nationalrat. Obgleich es Versuche waren, darf nicht aufgegeben werden. Agbogbe sieht die Schwierigkeit darin, AfrikanerInnen für die Politik zu interessieren, da sie nicht erkenne, dass die Politik sie betrifft. Die einen haben Probleme und können nicht bleiben, die anderen haben die österreichische Staatsbürgerschaft und gehen nach England, so Ofoedu.

Konkretes machen
Neubergs Ziel ist es, die afrikanische Community sichtbarer zu machen. So habe die DDÖ eine Abmachungen mit Parteien gemacht: Das Liberale Forum stellt bei der nächsten Wiener Wahl eineN MigrantIn auf die Wahlliste, die SPÖ stellt für die Nationalratswahlen eine wählbare Position zur Verfügung. MigrantInnen sollen nicht nur in den Institutionen von MigrantInnen arbeiten, fordert Neuberg und zeigt auf, dass nur einer von den 60.000 Mitarbeitern der Stadt Wien afrikanischer Herkunft ist. Tylor stimmt Neuberg zu und positioniert sich als nächster Wissenschaftsminister, sollten die Grünen in die Regierung kommen. Wir müssen einander nicht lieben, um politisch gemeinsam handeln zu können, so Tylor. Moderator Adjossoho betont abschließend, dass alle Anwesenden Multiplikatoren sind und das Wissen nicht auf heute beschränkt sondern weiterverteilt werden soll.



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