“Die Türen sind offen” – Warum gehen Sie nicht hinein?

Mrz 30th, 2009 | By Lady-Soul | Category: Afrika Hautnah, Interessantes

Diskussionsergebnisse der Veranstaltungsreihe AFRIKA HAUTNAH 2008

Im Projekt AFRIKA HAUTNAH diskutierten im Herbst 2008 PolitikerInnen und AfrikanerInnen über die Möglichkeiten zur Teilnahme in den 3., 7., 15., 16. und 17. Bezirken. Die fruchtbaren Dialoge erlauben einen Schritt aufeinander zu zugehen. Gemeinsam suchen sie nach Lösungen die Türen mehr als nur formal zu öffnen.

Den Auftakt zu AFRIKA HAUTNAH 2008 macht die bezirksübergreifende Veranstaltung im Cafe Melange am Urban-Loritz-Platz. Österreichische PolitikerInnen afrikanischer Herkunft diskutieren über das Engagement und das Mitspracherecht der MigrantInnen, vor allem der Afro-ÖsterreicherInnen.
Die nächste Station ist der 7. Bezirk. Die Veranstaltung steht unter dem Thema „Diversitäten und Lebensqualitäten“. Wie in beinahe allen anderen Bezirken mangelt es auch hier an der Diversität im Bezirksrat. Allerdings bemüht man sich AfrikanerInnen nicht als Bedrohung, sondern als interkulturellen Reichtum, als Input zu sehen.

Warum nicht mitmachen?

Im 16.Bezirk will man ein Miteinander statt ein Gegeneinander forcieren. Dafür wurden bereits einige Projekte, wie die Brunnenpassage und „Soho in Ottakring“ initiiert. Als Gründe für das Nicht-Mitmachen werden hier, wie auch in den meisten anderen Bezirken, unter anderem die Desinformation, Kontaktängste und die sprachliche Barriere aufgezählt. Auch die Abneigung die AfrikanerInnen oft entgegengebracht wird und die Rassismen, mit denen sie konfrontiert sind, führen zu dem „Nicht-Willkommenfühlen“, welches sich auf den Integrationswillen auswirkt. Aus diesem Grund ist ein Dialog zu fördern und zu suchen. Die Themen der Diskussionsveranstaltung in Wien Hernals sind mit „Hernals: Bezirk mit Vielfalt, Offenheit, Traditionen und Fortschritt“, „Partizipationsmöglichkeiten auf Bezirksebene“, „Drogenproblematik als Angstmache und Hürde der menschlichen Begegnungen“ breit gefächert. Positive Beispiele für die Partizipation von Afrikanern und Afrikanerinnen sind das Nachbarschaftszentrum und das Projekt „Lebendige Straße“.

Sprachliche Barrieren

Auch das Dilemma, in dem sich viele AfrikanerInnen in Österreich befinden wird thematisiert: Aufgrund mangelnder beruflicher Chancen fühlen sie sich in Österreich nicht zuhause und lernen die Sprache nicht, weil sie hier keine Zukunft sehen. Bezirksvorsteherin Dr. Ilse Pfeffer fasst zusammen, dass AfrikanerInnen oftmals im Transit (nach England) sind und daher die Notwendigkeit nicht sehen, die Sprache zu lernen.
Im 15. Bezirk kommt es ebenfalls zu einer fruchtbaren und zielführenden Diskussion. Viele bereits bestehende Projekte, wie der „Dorfplatz“, „Weltenreise“, nichtpolitische Plattformen wie Rebas, Wasserweltenfest oder Nachschulunterricht für MigrantInnenkinder von der ÖVP werden präsentiert. Die politische Partizipation fehlt auch in Rudolfsheim – Fünfhaus. Politisches Desinteresse sei nicht der Grund, sondern das Sich nicht gehört fühlen. Dies führt zu Unzufriedenheit und folglich zur Demotivation für weiteres Engagement. Einstimmigkeit herrscht darüber, dass die Hautfarbe nicht das einzige Kriterium und Eintrittskarte für AfrikanerInnen in die Politik sein soll, sondern das persönliche Engagement und das grundlegende Element der Chancengleichheit.

Afrikanische Taxifahrer

Den krönenden Abschluss bietet die Veranstaltung im 3. Bezirk. Es entsteht eine sehr intensive Diskussion rund um das thematisch dominierende Problem der afrikanischen Taxifahrer. Diese gründeten die African Taxi Drivers Association, um sich selbst einen Rahmen für ihre Arbeit und Sicherheit zu schaffen, da sie dies in österreichischen Unternehmen nicht fanden. Doch trotz der gängigen Regel „first come, first go“, welche vom Publikum angesprochen und praktiziert wird, steigen österreichischen Fahrgäste nur ungern in ein Taxi mit afrikanischen Fahrer. Für dieses und alle anderen Probleme werden Lösungsvorschläge gesucht und Kontakte ausgetauscht.
Im Allgemeinen sieht man im 3.Bezirk die Kinder als beste Möglichkeit Vorurteile abzubauen. Durch das Miteinander Großwerden, würde es in Zukunft keine, oder zumindest weniger Vorurteile geben.

Sichtbarmachen

Für die Gegenwart zeigt sich in allen Bezirken als wichtiger Aspekt, dass die afrikanischen MigrantInnen an sichtbaren und vor allem auch ihrer Kompetenz entsprechenden Stellen arbeiten sollen. Dies sei eine Möglichkeit die Einstellung der Menschen zu ändern und Berührungsängste abzubauen. Weiters werden von Seiten der BezirkspolitikerInnen und vielen Vereinen Angebote zur Mitarbeit – wenn auch zum Teil nur als Basismitarbeiter – gemacht. Im Gegenzug dazu wird von den Afrikanern und AfrikanerInnen ein kulturelles Angebot gefordert, um so einen kulturellen Austausch zu ermöglichen und zu intensivieren.

Die Türen sind offen

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in allen Bezirken den PolitikerInnen zufolge die Türen offen stehen. Die AfrikanerInnen fühlen sich jedoch nicht willkommen, wenn sie hineinkommen.
Da sich dieses Problem der gegenseitigen Berührungsängste nicht von alleine auflöst, bedarf es weiterhin Plattformen zur Zusammenkunft und Kommunikation. Darum freut sich Radio Afrika TV das Projekt „AFRIKA HAUTNAH – Partizipation sichtbarer MigrantInnen auf Bezirksebene“ im Jahr 2009 weiterzuführen.

Jana Frühauf



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