Der beispiellose Aufstieg des Mobilfunks in Afrika

Sep 22nd, 2009 | By | Category: NEWS

Afrika ist der am schnellsten wachsende Mobilfunkmarkt der Welt: Ob Bankgeschäfte oder Lotto spielen – alles wird über das Handy abgewickelt. Seit 2000 stieg die Zahl der Handynutzer von 20 auf 400 Millionen. Und es vergeht kaum ein Monat ohne neue, aufregendere Funktionen. Der Westen staunt.

Neun von zehn Südafrikanern haben inzwischen ein Handy, aber nur jeder zehnte einen Internetzugang. Banken bieten deshalb gemeinsam mit den Netzbetreibern jede nur erdenkliche Handy-Funktion an. Zum Beispiel Geldüberweisungen und mobile Kontoführung.

“Wir erleben dadurch die größte Wachstumsphase unserer Geschichte”, schwärmt der Chef für Mobilfunkanwendungen des Bankriesen ABSA, Adrian Vermeuten: “Im Jahr 2000 haben wir mit Mobilfunk-Kontenführung angefangen, bis 2008 hatten wir 470.000 Kunden. Im Januar 2009 waren es eine Million. Das ist eine Verdopplung in nur einem Jahr. Und in diesem Jahr werden wir erneut eine Verdopplung haben”, fügt er hinzu.

Auskunft über jede Kontobewegung
Längst kann man nicht nur Kontostand und Umsätze per Handy erfahren, sondern mit einem einfachen Menü auch Überweisungen erledigen. ABSA wächst vor allem bei den Schwachverdienern. Sie schätzen vor allem den SMS-Alarm, den ABSA inzwischen 60 Millionen Mal im Monat verschickt. Jede Kontobewegung wird innerhalb von drei Sekunden gemeldet. Wer klamm ist, weiß sofort Bescheid. Wer kriminelle Aktivitäten vermutet, kann eingreifen. Wer seiner Ehefrau misstraut, erfährt sofort, wie viel sie ausgegeben hat, noch während sie an der Kasse steht.

Neuerdings bietet die Barclays-Tochter ABSA sogar Geldtransfers an Kunden ohne Konto an. Sie müssen nur einen ABSA-Bankautomaten finden. Sie brauchen keine Karte, nur auf dem Bildschirm die Funktion “Cash send” drücken, wir schicken ihnen dann per SMS einen zehnstelligen Code, der ihnen den Zugang verschafft. Dann geben sie den Betrag ein, den sie erwarten, und einen sechsstelligen Geheimcode, den nur der Absender kennt und ihnen als SMS schickt. So bekommen sie dann ihr Geld.

Die Kontolosen erreichen
Ein ähnliches System hat dem Mobilfunkanbieter Safaricom in Kenia binnen kürzester Zeit fast sechs Millionen Kunden beschert. MTN, mit rund 100 Millionen Kunden Afrikas größter Mobilfunkanbieter, testet das System in Uganda. Die MTN-Generalmanagerin für neue Produkte, Sharoda Rapeti, ist noch etwas skeptisch, was die Distributionskosten angeht, aber: “Kein Zweifel, dass so ein Produkt überfällig ist. Es hilft, die Stadt-Land-Lücke zu überbrücken, die Kontolosen zu erreichen. Ich sehe großes Potenzial dafür.”

Kein Monat ohne neue Funktionen
Viele Anwendungen setzen auf die Prepaid-Prozedur auf, sogenannte USSD-Dialogfunktionen mit der Tastatur, die Europäern fremd sind, für Millionen Afrikaner aber tägliche Routine. Es gibt keinen Monat ohne neue Funktionen: In Südafrika kann man neuerdings auf dem Handy Lotto spielen. Die ABSA Bank will noch dieses Jahr via Western Union weltweite Geldtransfers per Handy ermöglichen. Auch Kleinkredite will die Bank so vergeben, oder Sterbe- und Beerdigungsversicherungen mit der Prepaid-Sprechzeit verkaufen. Nicht alles, meint Sharoda Rapeti von MTN, sei vorbildhaft für europäische Mobilfunkfirmen. “Unsere unterschiedlichen Technologien und Herangehensweisen werden sich immer gegenseitig befruchten. Aber eines, was für uns spricht, ist immer die Einfachheit der Anwendungen.”

Die Trennung kommt per SMS
Kritisch testet MTN gerade eine MMS-Anwendung aus Amerika, die per fotografierter Blutprobe AIDS- und Malaria-Ferndiagnosen ermöglichen soll. Es gibt aber auch humorige Dienstleistungen per SMS: einen Trennungsservice zum Beispiel. Der ungeliebte Partner muss dabei nur in eine SMS-Rückruf-Falle tappen, dann bekommt er die bittere Wahrheit aufgetischt: Die Beziehung mit ihr wird nie funktionieren: Thats why?, Please, please piss off!

Quelle: tagesschau.de



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