Alaba: “Ich bin ein echter Wiener”.

12 October 2009 | By | Category: Interessantes

Der Jung-Bayer ist drauf und dran, mit 17 Jahren jüngster Teamspieler zu werden. Ein Hausbesuch.  Wenn er am Mittwoch in Paris zum Einsatz kommt, wird David Alaba mit 17 Jahren, drei Monaten und 21 Tagen der jüngste Teamspieler sein. Noch ist das Hans Buzek, der bei seinem Debüt am 30. Oktober 1955 gegen Jugoslawien 17 Jahre, fünf Monate und acht Tage jung war.

Dass er ein bisschen Fußball-Geschichte schreiben kann, ehrt Alaba. Dass es Teamchef Didi Constantini aber tun will, um ein Abwerben von Nigeria, dem Land, aus dem Alabas Vater vor 24 Jahren nach Österreich kam, zu verhindern, verwundert ihn. “I bin a echter Wiener”, sagt Alaba.

Am Sonntag bezog Alaba in Seefeld Quartier. Tauschte das karge Zimmer in Baku, wo er mit dem U-21-Team spielte, gegen eines im mondänen Hotel “Lamm”.

Wobei er ohnehin keine großen Ansprüche stellt – wie ein KURIER-Hausbesuch in München zeigte.

Keine 30 Quadratmeter groß ist sein Appartement in der Säbenerstraße 51-57. Dort, wo Franck Ribéry und Luca Toni tagtäglich zum Training ein und aus gehen, dort wohnt er. “Ich hab’ hier alles, was ich brauch'”, sagt David Alaba über sein kleines Zimmer im Jugendhaus des FC Bayern. Ein Badezimmer, eine im Vorraum eingebaute Miniküche und ein Wohnzimmer mit Bett und herrlichem Ausblick auf den Trainingsplatz der Kampfmannschaft.

“Hier bekomm’ ich immer was zu Essen, auch meine Wäsche wird gewaschen. Aber in einem Jahr ist das vorbei.” Im Sommer, wenn er seinen 18. Geburtstag feiert, wird Alaba aus eigenem Willen ausziehen und in München eine Wohnung beziehen. “Dann bin ich auf mich gestellt.

Karrierist

Wohnzimmer mit Bayern-Schal und Austria-Leiberl.Noch fühlt sich Alaba sehr wohl in seinen vier Wänden an der Säbenerstraße. Hier kann er sich ganz auf sein Karriereziel konzentrieren. Bei einem Klub, der eine Top-Adresse ist auf dem Fußball-Globus und der zu 100 Prozent auf ihn vertraut.

Dabei hatten die Bayern im Sommer 2008 hart zu kämpfen, um den jungen Austrianer von der Stronach-Akademie in Hollabrunn loszueisen. Zwei Mal hat er das Angebot abgelehnt. “Ich hab’ die Bayern gehasst. Die sind immer mit dem feinsten Trainingszwirn und dem schönsten Bus zu den Nachwuchsturnieren gekommen und haben sich feiern lassen.”

Doch seine Meinung über den FC Hollywood hat der Linksfuß längst geändert. “Jetzt kenn’ ich den Klub von innen. Das ist wie eine große Familie, ein super Verein.” Die Tugenden, die beim FC Bayern an erster Stelle stehen, hat man auch ihm mitgegeben. “Bayern München hat diese gewisse Arroganz, die man im Fußball braucht. Schon die Trainer im Nachwuchs stellen dich vor jeder Partie so ein, dass du den Gegner einfach weghauen willst.”

Die Schule hat Alaba nach seinem Wechsel zu den Bayern abgebrochen. “Ich war kein guter Schüler. Aber ich hab’ reingebissen. Durchgefallen bin ich nie.” Nun konzentriert er sich voll auf die große Fußballer-Karriere, die ihm seine Trainer vorhersagen.

Lobeshymne

Werner Kern, der Jugendleiter der Bayern, weiß, dass Alaba im Dezember in den Kader der Kampfmannschaft aufsteigen wird. “Louis van Gaal hat ihn zuletzt bei den Amateuren gesehen”, erzählt Kern. Und was sagte der niederländische Trainer-Fuchs über Alaba? “Er ist nicht gut, der ist sehr gut.”

Dennoch bleibt bei Alaba ein Rest Zweifel. Manchmal, wenn er am Abend in seinem Bett liegt, sagt er, schießen Gedanken durch seinen Kopf. Wie: “Wird’ ich es wirklich schaffen?” Oder: “Was muss ich noch alles tun, um wirklich ganz hinauf zu kommen?” Die Antwort ist immer die gleiche: “Vollgas und Disziplin.” Das ist sein Motto auf dem Fußballplatz. Diese Einstellung und seine Reife sind es auch, die man beim deutschen Rekordmeister so an ihm schätzt. “Gerade dann, wenn man einmal nicht so gut aufgelegt ist, muss man sich überwinden”, meint Alaba.

Die Kraft und die Energie für die harten Trainingseinheiten in München holt sich Alaba zu Hause in Wien. “Wenn ich nur ein, zwei Tage frei hab’, steig ich sofort in den Flieger. Bei der Familie und den Freunden ist es am schönsten. Und wenn ich dann zurück nach München komm, bin ich voll gestärkt.”

Artikel vom 11.10.2009 18:08 | KURIER | Andreas Heidenreich

 

 



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