Afrikas Streit um den Stoßzahn

Mrz 12th, 2010 | By | Category: NEWS

Afrikas Elefanten-Bestände haben sich in den vergangenen Jahren erholt. Jetzt fordern einige afrikanische Staaten die Lockerung des Handelsverbots für Elfenbein. Auf der internationalen Artenschutzkonferenz in Katar könnte der Streit um den Stoßzahn eskalieren.

 Julius Kipngetich hätte sich keinen symbolträchtigeren Ort aussuchen können, um für ein weltweites Verkaufsverbot von Elfenbein zu werben. Auf dem Platz, an dem die damalige Regierung 1979 insgesamt zehn Tonnen beschlagnahmtes Elfenbein verbrennen ließ, warnte der Direktor der kenianischen Naturschutzbehörde vor der weiteren Freigabe des Handels mit Elefanten-Stoßzähnen. Der Streit um das Elfenbein ist eines der zentralen Themen der internationalen Artenschutzkonferenz, die am Samstag (13. März) in Katars Hauptstadt Doha beginnt.

„Die Wilderer werden sich Ländern wie Kenia zuwenden“, sagte Kipngetich und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich dem Kampf des ostafrikanischen Landes für den Schutz der größten Landsäugetiere der Welt anzuschließen. Dem steht das Interesse anderer afrikanischer Staaten gegenüber, die den Verkauf von Elfenbein aus Lagerbeständen genehmigt bekommen möchten. Das bedeutet zwar noch keine Abschussgenehmigung. Doch der Kipngetich fürchtet wie viele Naturschützer, dass illegales Elfenbein gewilderter Elefanten dann leichter als angeblich legale Ware geschmuggelt wird.

Strenge Auflagen
Kenia hat sich an die Spitze einer Gruppe afrikanischer Staaten gestellt, die jeglichen Verkauf von Elfenbein auch in der Zukunft verbieten lassen möchte. Tansania und Sambia dagegen haben Genehmigungen für den Verkauf von Elfenbein aus Regierungsbeständen beantragt. Dieses Elfenbein stammt von den Stoßzähnen verendeter Elefanten, und die Einnahmen aus dem Verkauf sollen in den Naturschutz zurückfließen.

Schon bei der letzten Artenschutzkonferenz 2007 in Den Haag war das bis dahin geltende totale Verkaufsverbot gelockert worden. Südafrika, Namibia, Botsuana und Simbabwe durften Elfenbeinvorräte verkaufen, die sie bis 31. Januar 2007 angesammelt hatten. Zu den strengen Auflagen, unter denen der Handel seinerzeit genehmigt wurde, gehört auch die Festlegung, dass nur Japan und China Elfenbein einführen dürfen.

Dass nun ausgerechnet das Nachbarland Tansania Handel mit Elfenbein beantragt, bereitet kenianischen Wildhütern Sorgen. „Die Elefanten in Kenia und Tansania wandern zwischen den Nationalparks, sie kennen keine Grenzen“, sagt Paul Udoto, ein Sprecher der Naturschutzbehörde. „Umso wichtiger wäre es, wenn wir mit den tansanischen Kollegen an einem Strang ziehen könnten, aber in dieser Frage haben wir leider total gegensätzliche Positionen.“

Zwischen Serengeti und Massai Mara, Amboseli und dem Kilimandscharo-Gebiet trennt kein Stacheldraht und kein Grenzbaum die alten Wanderwege der Elefanten. Kipngetich erinnerte nun an die Folgen der sogenannten „Wildererkriege“ im kenianischen Nationalpark Tsavo und in anderen Naturreservaten in den 80er Jahren.

20-jähriges Handelsverbot
Rund 700 000 afrikanische Elefanten waren bis 1989 wegen ihres Elfenbeins getötet worden. Allein Kenia verlor innerhalb von 15 Jahren 85 Prozent seiner Elefantenpopulation. Erst das internationale Handelsverbot für Elfenbein führte wieder zu einem langsamen Anstieg der Zahl der Elefanten von 19 000 im Jahr 1989 auf derzeit mehr als 35 000. In ganz Afrika leben etwa 400 000 Elefanten.

Doch trotz des Handelsverbots besteht vor allem in Südostasien Nachfrage nach dem Elfenbein. In den vergangenen Jahren nahmen Wilderei und Schmuggel deutlich zu. Naturschützer aus Kenia, Ghana, Kongo, Ruanda und anderen Staaten befürchten, dass die von Tansania und Sambia beantragte beschränkte Öffnung eines legalen Marktes für Elfenbein zu einem weiteren Anstieg der Wilderei führt. Als Reaktion auf die zwei Anträge verlangen sieben afrikanische Länder bei der Artenschutzkonferenz in Doha ein 20-jähriges weltweites Verbot des Elfenbeinhandels.

Autor: Eva Krafczyk

Quelle: handelsblatt.com



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