Kritischer UN-Bericht: Ruanda droht mit Rückzug aus Sudan

Sep 2nd, 2010 | By | Category: NEWS

Im Streit um die Veröffentlichung eines kritischen UN-Berichts hat Ruanda seine Drohungen verschärft. Die ruandische Armee kündigte an, ihre Blauhelmtruppen aus dem Sudan zurückzuziehen, sollten die Vereinten Nationen den kritischen Bericht zum Umgang mit der Volksgruppe der Hutu veröffentlichen. Ruanda stellt bei der Friedensmission in der westsudanesischen Krisenregion Darfur (UNAMID) mehr als 3200 Soldaten.

Armeesprecher Jill Rutaremara drohte mit dem “schnellstmöglichen Abzug” der ruandischen Truppen aus dem Sudan, sollten die Vereinten Nationen ihren “übertriebenen und schädlichen” Bericht veröffentlichen. Alle Mittel für einen schnellen Abzug seien vor Ort.

Bereits am Samstag hatte die Regierung in Kigali der UNO mit Konsequenzen gedroht. Laut vorab bekannt gewordenen Passagen rügt der 600 Seiten starke UN-Bericht die “systematische, methodische und vorsätzliche Weise der Angriffe” gegen die Hutu. Das Dossier soll kommenden Monat offiziell veröffentlicht werden.

Unterdessen sorgte ein Zeitungsbericht bei den Vereinten Nationen für Unruhe, demzufolge UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das UN-Menschenrechtskommissariat wegen bestimmter Formulierungen in dem Bericht unter Druck gesetzt haben soll. Die französische Zeitung “Le Monde” hatte am Donnerstag unter Berufung auf UN-Kreise berichtet, Ban habe versucht, Menschenrechtskommissarin Navanethem Pillay davor zu warnen, in der Endfassung im Zusammenhang mit ruandischen Verbrechen in der Region das Wort “Völkermord” zu verwenden.

Ein Sprecher Pillays wies diese Darstellung zurück: “Der Generalsekretär hat niemals Druck auf das Hohe (Menschenrechts-)Kommissariat ausgeübt”, sagte Rupert Colville. “Ich will absolut deutlich sein in diesem Punkt: Das ist absolut falsch”, sagte Pillays Sprecher.

Der Bericht Pillays beleuchtet in den Jahren 1993 bis 2003 begangene Verbrechen in Zentralafrika. Dabei geht es auch um mutmaßliche Vergehen der Patriotischen Ruandischen Armee (APR) während des Kriegs von 1996 bis 1998 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratische Republik Kongo, sowie der mit ihr verbündeten Allianz Demokratischer Kräfte zur Befreiung Kongos (AFDL).

Konkret sollen ruandische Tutsi-Anführer gemeinsam mit AFDL-Rebellen systematisch Angriffe auf Angehörige der Hutu unternommen haben. Diese Angriffe sollen Ähnlichkeiten mit dem Völkermord der Hutu an Angehörigen der Tutsi-Minderheit und gemäßigten Hutu in Ruanda gehabt haben, bei dem 1994 etwa 800.000 Menschen getötet wurden.

Quelle: YahooNews,AFP



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