Fair-Trade-Tag mit SONNE International – “Afar”

Sep 28th, 2010 | By | Category: Events, Interessantes
30. September 2010

Schwerpunkt: „Afar“ – Themenschwerpunkt Afrika
in der Grazer Burg

Wichtiger Beitrag zu Armutsbekämpfung und sozialer Ausgrenzung
Der Fairtrade-Tag, der am Donnerstag, 30. September in der Grazer Burg stattfindet, trägt den Themenschwerpunkt Afrika. SONNE International ist seit vielen Jahren im Bereich Bildung und Gesundheit vor allem in der Afar-Region
tätig und bietet Einblicke und Impressionen einer unentdeckten Kultur und ihren Menschen – eine Reise in die heißeste Wüste der Erde!

Die Afar-Region: 50 Grad Hitze statt Pensionsvorsorge
Das Bild von Afrika ist in der westlichen Öffentlichkeit häufig geprägt von Vorurteilen. Die negativen Bilder und Nachrichten zeigen aber nur einen Teilausschnitt der Wirklichkeit. Doch Afrika bietet eine große regionale, kulturelle und ethnische Vielfalt. Diese Vielfalt zeigt sich in Völkern und Regionen, die dem Westen oft unbekannt und fremd sind. Sie leben in einem tief gelegenen, vulkanisch aktiven Gebiet mit sehr hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen. Die Afar-Nomaden führen ein Leben geprägt von Dürre, Hunger und Malaria, aber auch von Gemeinschaft und Solidarität.

Klimawandel hautnah – Wasser bedeutet Leben!
Generell sind die Afar jedoch mit immer härteren Lebensbedingungen konfrontiert. Die Dürreperioden häufen sich, viele Tiere sind verendet. Zudem sind wegen der galoppierenden Inflation die Preise für Grundnahrungsmittel massiv gestiegen. Die Konsequenz: Der Hunger breitet sich aus. „In den letzten Jahren kam es immer häufiger zum Aussetzen von Regenzeiten und daraus resultierenden Dürren. Diese führen in großen Teilen der Region dazu, dass große Teile des Viehbestandes verenden, was den Afar die Lebensgrundlage entzieht“, weiß Dr. Susanne Prügger, Vorstandsmitglied und medizinische Projektleiterin von SONNE International. Während wir in Europa im Durchschnitt täglich 200 Liter Wasser verbrauchen, haben Menschen in Entwicklungsländern oft nicht mehr als 20 Teetassen pro Tag zum Trinken, Kochen und Waschen.

Rettende Solidarität
Deshalb forciert SONNE International seit mehreren Jahren die Versorgung mit Trinkwasser in den Projektregionen ebenso wie die sanitäre Sicherheit. Seit dem vergangenen Jahr verfügt SONNE International auch über eine eigene Arbeitsgruppe „Wasser und Sanitäres“. So konnten in Äthiopien bisher mehr als 20.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser– der wichtigsten Ressource des Lebens – versorgt werden. Die Projekte von SONNE International in der Afar-Region decken jedoch ein weites Spektrum ab: So werden Wasserspeicher gegraben, der Viehbestand nach Dürreperioden gezielt aufgestockt oder Gesundheitsbeauftragte ausgebildet, die Impfaktionen durchführen oder bei Geburten helfen. “Das Wichtigste an unserer Arbeit ist, den Afar die Möglichkeit zu geben, ihre Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen”, betont Prügger.

Was die Moderne so mit sich bringt, sollen die Afar derart einsetzen können, dass es ihren Lebensumständen am besten entspricht. Von außen aufgepropfte Projekte, bei denen Entwicklungshelfer nicht mit der Kultur vertraut sind und nach ein paar Monaten wieder verschwinden, seien ohnehin zum Scheitern verurteilt, ist Prügger überzeugt. So kommunizieren die Afar etwa viel über Sprichwörter – wer das nicht weiß, dringt nicht zu ihnen nicht vor.


Offene Diskussion über brutale Praxis

Ein wichtiges Anliegen von SONNE International ist auch der Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) – eine brutale Praxis, die bei den Afar weit verbreitet ist und für die Opfer fatale Konsequenzen hat. “Die Frauen haben Angst vor der Heirat und dem Geschlechtsverkehr. Bei der Regelblutung haben sie oft starke Schmerzen“, weiß
Prügger. Deshalb werden Sozialarbeiterinnen ausgebildet, die für Bewusstseinsbildung sorgen. Und auch diese kommen direkt aus den Afar-Gemeinschaften. Sie stehen in engem Kontakt mit den religiösen Führern. Die  Genitalverstümmelung gehe dadurch stark zurück, freut sich Prügger. “In den Gemeinschaften, wo dieses Projekt durchgeführt wird, gibt es nun einen offenen Dialog unter Einbeziehung der religiösen Führer, die bestätigen, dass diese Praxis der Genitalverstümmelung nicht im Islam verankert ist, die Frauen verletzt und ihre Gesundheit gefährdet “, schließt Prügger.

Background – Kultur, Gemeinschaft, Tradition

Die Afar sind ein nomadisches Volk von etwa 1,6 Millionen, dessen Verbreitung sich über den Süden Eritreas, den Osten Äthiopiens und Dschibuti erstreckt, die sich aber von jeher wenig um Staatlichkeiten kümmern. In Äthiopien, haben die Afar einen eigenen Bundesstaat Afar. In Dschibuti stellen sie 40 Prozent der Bevölkerung. Die kleinste soziale und kulturelle Einheit bildet der Clan. Die Afar üben eine mit animistisch-traditionellen Elementen vermischte Form des Islam aus. Die Sprache der Afar gehört zur kuschitischen Sprachfamilie. Da die meisten von ihnen als Nomaden leben, ist die Alphabetisierungsrate äußerst gering. Die Schrift wurde erst 1971 entwickelt (lateinische Buchstaben). Wirtschaftliche Grundlage bildet auch heute noch der Nomadismus, die Aufzucht von Kamelen und Ziegen.

www.SONNE-INTERNATIONAL.org



Tags: , ,

is
Email this author | All posts by

Leave Comment