ANC feiert 100. Geburtstag
Jan 9th, 2012 | By Florian | Category: NEWSPretoria – In Südafrika hat der Präsident des regierenden African Nation Congress (ANC), Jacob Zuma, am Sonntag bei einer Feier zum hundertjährigen Bestehen der Partei in Bloemfontein eilige und «praxisorientierte» Schritte zur weiteren Entwicklung der jungen Demokratie angekündigt. Über 100.000 ANC Anhänger waren in die Provinzstadt Bloemfontein gekommen um der Zeremonie im Rugby Stadion beizuwohnen. Zuma rief alle alle Südafrikaner zu einer Debatte auf, wie sich die Armut im Land wirksam reduzieren lasse.
Bei einer Gala am Samstagabend hatten unter anderem die Präsidenten aus Moçambique, Namibia und Uganda Reden gehalten und die Rolle der ältesten Befreiungsbewegung des Kontinents im Kampf gegen den Kolonialismus gelobt. Mahnende Worte kamen von der 86 Jahre alten Ruth Mompati, die zu den wichtigsten Frauenrechtlerinnen des Landes zählt und auch Botschafterin in der Schweiz war.
Die Partei trifft sich im Juni zu einer Konferenz um über neue Schwerpunkte ihrer Politik zu diskutieren. Themen sind unter anderem eine Landreform und die Verstaatlichung der Minen. Im Dezember soll ein neues Parteiprogramm verabschiedet werden, dann wird sich Zuma voraussichtlich auch zur Wiederwahl als Parteichef stellen. Bevor Zuma in Abwesenheit des zunehmend gebrechlichen Nelson Mandela eine Torte von der Grösse eines Handball-Tores anschnitt, erinnerte er an Tausende von Südafrikanern, die bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften des Apartheidregimes getötet worden waren. Er würdigte auch die Leistung weisser Aktivisten. Der ANC habe ihre Verdienste immer gewürdigt und werde das auch weiterhin tun.
Die ANC Vorgängerorganisation South African Native National Congress wurde am 8. Jänner 1912 in der nur wenige Kilometer entfernten Waaihoek-Kriche gegründet. Seinen heutigenNamen bekam der ANC erst 1923. Am Samstag fand vor der Waaihoek Kirche eine traditionelle Zeremonie statt, bei der zu Ehren verstorbener ANC Aktivisten eine Kuh geschlachtet wurde. In der Nacht zum Sonntag zündete Zuma kurz nach Mitternacht vor der Kirche eine Flamme an, die während der kommenden Monate bei Jubiläumsfeiern in den neun Provinzen des Landes brennen soll.
Die ehemalige Sekretärin von Mandela sagte, wichtiger als dieses Datum sei, dass man endlich aus dem Schlaf aufwache. Die Partei müsse künftig wieder geschlossen auftreten, wenn sie die anstehenden Herausforderungen bewältigen wolle. In den vergangenen Jahren machte der ANC mehr mit internen Auseinandersetzungen, Korruptionsskandalen sowie Eingriffen in die Unabhängigkeit von Justiz und Medien auf sich aufmerksam, als dass er wirksame Schritte gegen Massenarbeitslosigkeit und wachsende soziale Unterschiede gefunden hätte. Der ehemalige ANC-Abgeordnete Andrew Feinstein sagte, enttäuschend sei, wie schnell der ANC von einer Politik des Unmöglichen zu einer Politik übergegangen sei, wie sie überall auf der Welt ausgeübt werde.
Lesen Sie den vollständigen Beitrag von Christian Putsch auf nzz.ch.
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