Kadero Ray
Feb 14th, 2012 | By Lady-Soul | Category: UnkategorisiertDie Zukunft des Rai hat einen Namen: Kadero.
Sehnsucht, Leidenschaft, bedingungsloser Groove und viel Gefühl. Zu Rai, der unwiderstehlichen Popmusik des Maghreb, braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Die üblichen Namen vielleicht noch, die von Paris aus die Weltmusikwohnzimmer genauso erobern wie die Dancefloors einer längst multikulturell durchmischten Szene zwischen Los Angeles und Paris, London und Moskau. Khaled, Faudel, Rachid Taha, Cheb Mami. Und, das macht die Sache spannend: Kadero. Denn, wie ein britisches Musikmagazin euphorisch feststellte: „Kadero präsentiert eine neue Vision des Rai!“

Und sie haben Recht, die Engländer. Kaderos Musik ist anders. Aufregend anders. Vielleicht ja auch, weil er sich im Gegensatz zu seinen Kollegen Wien und nicht das naheliegende Paris als Wahlheimat ausgesucht hat. Natürlich, mit dieser Wahl hat er es sich selbst schwerer gemacht. Französisch? Damit kommt man in der Stadt an der blauen Donau nicht weit. Eine etablierte nordafrikanische Tradition oder gar Musiker-Comunity? Nicht die Spur! Dafür: eine brodelnde Jazz- und Crossover-Szene, hier an der Schnittstelle zwischen Bavaria und Balkan, der Drehscheibe zwischen Orient und Okzident. Mit hoch talentierten Musikern aus aller Welt, dem bulgarischen Zauber-Trompeter Sascha Wladigeroff etwa, der ebenso wie der Wiener Gitarren-Exzentriker Karl Ritter bald zu den Könnern zählte, die intensiv mit Kadero zusammenarbeiteten.
Klar, dass ein anderer Ausnahmekönner, nämlich der unumstrittene Akkordeon-King Otto Lechner, als erster auf den in Wien neuen Musiker aufmerksam wurde. Gemeinsam gründeten sie 2001 das „Vienna Rai Orchestra“. Kaum zwei Jahre später „entdeckte“ ein weiterer international gefeierter österreichischer Musiker den Mann aus Marokko: Joe Zawinul. 2003 spielte der große und leider viel zu früh verstorbene Erdberger mit Kadero am Wiener Jazzfest. Unzählige Auftritte folgten, jedes Konzert, egal ob im kleinen Rahmen oder auf den großen Open-Air-Bühnen, ein absolutes Fest.
2005 die erste CD: „perdu“. Ein Hit, nicht nur in Deutschland und Österreich, vor allem die Single Vienna wird von Marrakesch bis in den Libanon in sämtlichen Radiostationen rauf und runter gespielt. Und nein, „perdu“ ist keine Anbiederung, kein Buhlen um Vertrautheit, sondern französisch für „verloren sein“. Ein Gefühl, das der Künstler wohl nie ganz ablegen wird, und das vielleicht gerade den Zauber seiner Songs ausmacht. Aber: Die Sprache seiner Songs wird auch hier verstanden. Seine Heimat ist die Musik, seine Familie die unglaublichen Musiker, mit denen er in den letzten zehn Jahren in Wien zusammengespielt hat und spielt. Und sein jedes Mal aufs Neue begeistertes Publikum.
Autor: Andreas Russ
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