Deutscher Krieg gegen Herero und Nama, revisited

24 January 2018 | By | Category: Allgemein, Interessantes

Sind die PostbotInnen Herero, dann ist Deutschland nicht zu Hause

Günther Lanier, Ouagadougou 24.1.2018, Artikelende ergänzt am 29.1.2018

Herero, Nama u.v.a.m. sind während des Urlaubs gern gesehene Objekte touristischer Begierden. Früher wurde auf sie deutscherseits nicht nur mit Kameras geschossen.

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1884/85 hatte Bismarck die Berliner Konferenz ausrichten lassen, an der die Modalitäten der Aufteilung Afrikas unter den europäischen Mächten beraten und beschlossen wurden. Zehn, zwanzig Jahre später waren die Bemühungen des Spätkommers Deutschlands um ein Teilhaben am kolonialen Plündern des schwarzen Kontinents in vollem Schwung. Das deutsche Reich war mittels Überseebesitzungen in Sachen Diversität und auch flächenmäßig beträchtlich gewachsen. Anfang des 20. Jahrhunderts umfasste das Kolonialreich 87.200 km2 Togo, 750.000 km2 Kamerun, 995.000 km2 Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda, Burundi), 835.100 km2 Deutsch-Südwestafrika (Namibia), 501 km2 Kiautschou (China), 179.000 km2 Kaiser-Wilhelms-Land (Nordost-Papua-Neuguinea), 61.000 km2 Bismarck-Archipel (heute ebenfalls Papua-Neuguinea) und 4.203 km2 weitere Inseln im Stillen Ozean[2].

Dass sich der Aufwand nicht recht lohnte, dass das deutsche Mutterland seiner Überseegebiete wegen des Ersten Weltkriegs schon allzu bald wieder verlustig gehen würde, war damals nicht abzusehen.

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Kuber Schlacht, eine von vielen

Was war da schiefgegangen? Wir wissen doch: “Die deutsche Kolonialzeit hat Namibia bis heute geprägt. Von 1884 bis 1915 entstanden zahlreiche Fernstraßen, Eisenbahnlinien (…). Das abgelegene Südwestafrika wandelte sich zur Musterkolonie nach deutschem Vorbild“[4]. Waren die Einheimischen nicht glücklich, endlich in den Genuss der Vorteile der Zivilisation der Weißen zu kommen?

24° südliche Breite, 17° östliche Länge. Vor 113 Jahren war, was auf dem Foto oben zu sehen ist, Schlachtfeld. Heute ist es eine 212 km-Autofahrt, wenig über zwei Stunden von der Landeshauptstadt Windhoek entfernt, in deren Süden, fast die ganze Fahrt auf der B1, der wichtigsten Straße des Landes. Bei Kalkrand heißt es abbiegen Richtung Maltahöhe, ab da sind es noch etwas über 20 km auf der C21.

Deutsche Marinefeldkompanie 1904 Herero [5]

Am 22. November 1904 fand auf dem Gelände der Voigtskub-Farm eine der vielen Schlachten oder Gefechte statt, die die deutsche “Schutztruppe“ gegen Herero und Nama veranstaltete[6]. Deutscherseits scheint es dabei ein Todesopfer gegeben zu haben[7] und es wurde ein Denkmal errichtet, eine “beeindruckende“ steinerne Pyramide, der inzwischen aber der krönende kaiserliche Adler abhandengekommen ist[8]. In Berlin gab es im und nach dem Ersten Weltkrieg zur Erinnerung eine Kuber Straße[9].

Kub war 1904 ein florierender kleiner Ort, mit Hotel und Polizeikommissariat inklusive einem Gefängnis mit zwei Zellen. 1903 war in Kub die erste Schule des Landes für Afrikaans[10]-SprecherInnen eröffnet worden[11].

Landnahme – Krieg – Genozid

Adolf Lüderitz, Bremer Tabakhändler und Kaufmann, und sein Kollege Heinrich Vogelsang konnten sich 1883 in der späteren Lüderitzbucht durch Verhandlungen und Betrug[12] große Ländereien der Nama sichern, die bei der Berliner Konferenz Basis der Zuteilung “Namibias“ an Deutschland waren. Die 1885 gegründete Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika holte in der Folge deutsche Siedler ins Land. Dabei wurde wenig Rücksicht auf die vorher dort Lebenden genommen – es waren ja keine Weißen. Überraschenderweise wehrten sich die aber, auch wenn sie waffentechnologisch weit im Hintertreffen waren.

Herero-Kleinfamilie Ende 19. Jhdt c [13]

1889 begann die systematische Unterwerfung Zentral- und Süd“namibias“ durch die deutschen Schutztruppen. Zwei Jahre später, 1891, wurde das auf 1.650 m Seehöhe gelegene Windhoek – auf Afrikaans bedeutet das “windige Ecke“ – Verwaltungssitz der Kolonie. Es lag zentral und strategisch günstig, in einer Art Pufferzone zwischen den verfeindeten Nama und Herero.

Herero-Gruppe in DSWA c [14]

Gegen die deutsche Landnahme, gegen sexuelle Übergriffe, Missionierung, Unterdrückung und Ausbeutung gab es freilich Widerstand. Zunächst, eineinhalb Jahrzehnte lang, vor allem vereinzelt. Und ab Jänner 1904 führten die Herero gegen die Deutschen Krieg. Von Okahandja[15], 70 km nördlich von Windhoek, breitete sich der “Aufstand“ schnell aus und konnte anfangs gegen die Besatzer beträchtliche Erfolge einfahren. Doch dann schickte Berlin Verstärkung. Mit der Schlacht von Ohamakari[16] am 11. August 1904 und der Flucht der überlebenden Herero in die Omaheke[17] im Osten Namibias, die Ausläufer der Kalahari-Wüste, war dieser Krieg im September 1904 relativ schnell wieder vorbei.

Deutsch-Südwestafrika, Herero-Aufstand [18]

Doch in der Folge versuchten die Nama, die gegen die Herero noch auf deutscher Seite gekämpft hatten, ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Unter der Führung von Hendrik Witbooi und Jakob Morenga führten sie einen Guerillakrieg – sie hatten aus dem Herero-Krieg gelernt, dass es gegen die Deutschen offene Schlachten zu vermeiden galt. Die Schutztruppe der Kolonialherren tat sich schwer, der Nama Herr zu werden. Über die hohen Kosten dieses Kriegs in Deutsch-Südwestafrika[19] stürzte in Berlin eine Regierung – die Neuwahlen zum Reichstag am 25. Jänner 1907 wurden daher als “Hottentottenwahlen“ bezeichnet.

Am 31.3.1907 wurde dann der Nama-Krieg offiziell als beendet erklärt, auch wenn Morenga den Guerillakrieg bis zu seinem Tod am 19.9.1907 noch weiterführte. Auch nachher fanden noch Kämpfe mit Aufständischen statt, die sich teilweise in die britische Kalahari zurückgezogen hatten: Bei der entscheidenden Schlacht am 16.3.1908 wurden die Nama besiegt, der Kommandant der deutschen Truppen, Friedrich von Erckert, fiel, währen der Nama-Führer Simon Kooper entkam und sich erst im Februar 1909 ergab.

 

Herero in Ketten 1904 [20]

Mit der Niederlage im Krieg war das Elend der Herero und Nama nicht vorüber. Auf die Besiegten warteten nun Konzentrationslager[21]. Die ersten wurden noch 1904 in Windhoek, Okahandja und Swakopmund eingerichtet, in der Folge kamen Lager in fast allen Orten der Kolonie dazu. Weniger als die Hälfte der Gefangenen überlebte diese Konzentrationslager.

Die Gesamtzahl der Toten auf Seiten der Herero und Nama wird auf 80.000, “womöglich über 100.000” geschätzt[22].

Deutsch-Südwestafrika, Herero-Aufstand [23]

Mit Lothar von Trotha war am 3. Mai 1904 ein deutscher Offizier zum Oberkommandierenden von Deutsch-Südwest-Afrika bestellt worden, der schon Jahre zuvor in Deutsch-Ostafrika Erfahrungen im brutalsten Umgang mit unbotmäßigen Einheimischen hatte sammeln können. Als Oberkommandierender der dortigen Schutztruppe war er 1895-97[24] für “Strafexpeditionen“ insbesondere für die eigentlich schon unterworfenen Hehe (auch Wahehe) verantwortlich, die wenige Jahre später in den Maji-Maji-Krieg übergehen und in Südost-“Tansania“ zu Massensterben und Genozid führen würden[25]. Der brutale Ruf, den sich Trotha in Ostafrika erworben hatte, verursachte jedenfalls sogar innerhalb der “namibischen“ Schutztruppe erhebliche Widerstände gegen seine Ernennung.

Gibt es Verbindungslinien zwischen den kolonialen Völkermorden in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika zum Holocaust der Nationalsozialisten?[26]

“So hatte Kaiser Wilhelm II. seinen bereits in Deutsch-Ostafrika erprobten General mit dem Auftrag nach Deutsch-Südwest geschickt, er solle ‘mit allen Mitteln’ gegen die Herero vorgehen. Das Werk des Großen Generalstabs von 1906/07 über den Krieg räumt ein, dass die Führung des Militärs erwartete, die Wüste werde vollenden, ‘was die deutschen Waffen begonnen hatten: die Vernichtung des Hererovolkes’. Und Generalstabschef von Schlieffen schrieb nach Aufhebung des Trotha’schen Schießbefehls an Reichkanzler von Bülow, der ‘Rassenkampf’ sei nur ‘durch Vernichtung oder vollständige Knechtung der einen Partei abzuschließen’. Doch ‘bei den jetzt gültigen Anschauungen’ sei dies ‘auf Dauer nicht durchzuführen’. Vernimmt man Begriffe wie ‘Rassenkampf’ oder ‘Konzentrationslager’ (von von Bülow im Januar 1905 gebraucht), spürt man geradezu das Warten darauf, das ‘die jetzt gültigen Anschauungen’ sich ändern werden. 1933 war es so weit.“

Üben fürs Dritte Reich?

1968 schrieb Aimé Césaire:

“Ja, es wäre der Mühe wert, das Verhalten Hitlers und des Hitlerismus einer detaillierten klinischen Studie zu unterziehen und dem auch so distinguierten, ach so humanen, ach so christlichen Bürger des zwanzigsten Jahrhunderts mitzuteilen, dass er in sich einen Hitler trägt, von dem er nichts weiß, dass Hitler in ihm haust (…), dass er, wenn er ihn rügt, einen Mangel an Logik verrät, und dass im Grunde das, was er Hitler nicht verzeiht, nicht das Verbrechen an sich, das Verbrechen am Menschen, dass es nicht die Erniedrigung des Menschen an sich, sondern dass es das Verbrechen gegen den weißen Menschen ist, dass es die Demütigung des Weißen ist und die Anwendung kolonisatorischer Praktiken auf Europa, denen bisher nur die Araber Algeriens, die Kulis in Indien und die Neger Afrikas ausgesetzt waren.“[27]

Überlebende Herero 1907 c [28]

Dass gegen Herero und Nama zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Genozid verübt wurde, ist allseits anerkannt. Bis zum heutigen Tag hat sich Deutschland aber um ein Schuldeingeständnis gedrückt, versucht abzulenken und “seit der Unabhängigkeit 1990 an den namibischen Staat gezahlte Entwicklungshilfegelder unter der Hand als Wiedergutmachung zu verkaufen“[29]. Zum hundertsten Jahrestag des Genozids bat Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul 2004 bei einer Gedenkveranstaltung “um Vergebung unserer Schuld”, allerdings nur “im Sinne des gemeinsamen ‘Vater unser’“ – zu wenig, als dass daraus Entschädigungsforderungen abgeleitet werden könnten[30].

Das arme Deutschland könnte es sich ja auch wahrlich nicht leisten.

Nichtsdestotrotz haben Herero und Nama am 5.1.2017 beim Southern District Court in Manhattan/New York gegen Deutschland einen Entschädigungsprozess angestrengt. Aber Deutschland ist um Kreativität im Umgang mit Geschichte nicht verlegen. Die zuständige Senatsverwaltung für Justiz in Berlin verweigerte die Annahme der Prozessunterlagen. Sie verschanzte sich hinter zwei Argumenten. Erstens: Bei den Vorwürfen Genozid, Landraub, Zwangsarbeit handle es sich um “Ausfluss hoheitlicher Handlungen (acta iure imperii) des Deutschen Reiches”, daher falle das Ersuchen um Zustellung seitens des New Yorker Gerichts vom 21. April 2017 nicht unter das Haager Übereinkommen und sei daher abzulehnen. Und zweitens könnte die Annahme der Dokumente die deutschen Hoheitsrechte oder Deutschlands Sicherheit gefährden, da “der Inhalt der Klage” und “die Verhandlungen vor einem US-Gericht die Staatenimmunität Deutschlands” verletzten[31].

Über hundert Jahre nach Kriegsende bedrohen Herero und Nama also abermals die deutsche Sicherheit.

Im März, Juli und Oktober 2017 waren die in New York angesetzten Prozesstermine geplatzt. Dieses Schicksal schien auch dem für den 25. Jänner 2018 festgesetzten Verhandlungstermin beschieden [32] – doch dann musste Deutschland US-amerikanischem Druck nachgeben. Die US-Botschaft machte Druck, Deutschlands Ignorieren eines US-Gerichts wurde nicht länger hingenommen. So nahm am 25. Jänner zwar kein politischer Vertreter der Berliner Regierung, aber immerhin einer ihrer US-Anwälte am Prozess teil. Doch die Einstellung des Prozesses wegen Staatenimmunität ist schon beantragt[33]. Die nächste Verhandlung ist für den 3. Mai 2018 angesetzt. Sollte das Manhattaner Gericht das Verfahren nicht einfach einstellen – Staatenimmunität oblige –, dann rechnet Berlin zumindest mit seiner Weiterleitung an deutsche Gerichte. Dort wäre das Bemühen der Herero und Nama um späte Gerechtigkeit wohl wenig aussichtsreich. In der Vergangenheit hat sich Deutschland mittels “Staatenimmunität” schon vor Entschädigungsforderungen von Nachfahren italienischer und griechischer Opfer von SS- und Wehrmachtsmassakern geschützt[34].

Endnoten:

[1] Museumsdorf der Herero in Namibia, 13.10.2012, FotografIn: Rosier, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herero_(village)2.JPG.

[2] Kaiser-Wilhelms-Land + Bismarck-Archipel + nördliche Salomonen + Karolinen + Palau + Nauru + Marshallinseln + Marianen = das kaiserliche Gouvernement und die deutsche Kolonie Deutsch-Neuguinea; Flächenangaben gemäß https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kolonien#/media/File:Karten_-_Togo,_Deutsch-Ostafrika,_Kiautschou,_Deutsch-S%C3%BCdwestafrika,_Kamerun,_Die_deutschen_Besitzungen_im_Stillen_Ozean.jpg.

[3] Bei Kub fand am 22. November 1904 eine Schlacht zwischen deutschen Truppen und Nama statt, Foto: Rabenau, 2010, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gefechtsfeld_bei_Kub.JPG.

[4] Dass das hier besprochene Buch die großen Leistungen der deutschen Post würdigt, passt gut zum Titel meines Artikels. Zitat aus der autorInnenlosen namibiana-Buchdepot-Besprechung von: Sebastian Mantei, Von der Sandbüchse zum Post- und Telegraphenland. Der Aufbau des Kommunikationsnetzwerks in Deutsch-Südwestafrika 1884-1915, Windhoek (Verlag: Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft) 2007, http://www.namibiana.de/de/von-der-sandbuechse-zum-post-und-telegraphenland.html.

[5] Einsegnung der deutschen 2. Marine-Feldkompanie im Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika für den Kampf gegen die Herero, 1904, keine weiteren Angaben, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DeutscheMarinefeldkompanie1904Herero.jpg.

[6] Der Gefechte und Schlachten (die Abgrenzung zwischen “Gefechten” und “Schlachten” ist mir im Kriegskontext nicht klar) gab es im “Namibia“ der Kolonialzeit erschreckend viele: siehe https://www.klausdierks.com/Geschichte/index_battles.htm.

[7] Unteroffizier H. Ständer, geboren am 21.9.1879 in Eisenach. Die deutschen Kriegsgräber sind fein säuberlich aufgelistet auf http://www.denkmalprojekt.org/misc_laender/versch_kriegsgraeber_namibia.htm.

[8] http://www.namibia-accommodation.com/listing/monument-at-kub-kalkrand.

[9] 1914-29 in Berlin-Karlshorst. Siehe https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gefechtsfeld_bei_Kub.JPG.

[10] Afrikaans heißt das Niederländisch der südafrikanischen SiedlerInnen.

[11] http://www.namibia-accommodation.com/listing/monument-at-kub-kalkrand.

[12] Der “Meilenschwindel“ brachte Lüderitz zwar den Spitznamen “Lügenfritz“, aber auch eine Vervielfachung der an ihn abgetretenen Gebiete ein. Deutsche Meilen sind etwa 7,5 km lang – die Nama hatten die Verträge auf Basis der 1,6 km langen englischen Meilen unterzeichnet. Der “Irrtum“ war ein von Lüderitz beabsichtigter.

[13] Herero-Kleinfamilie in Deutsch-Südwestafrika Ende 19.Jhdt, keine weiteren Angaben, FotografIn unbekannt, leicht überarbeitet von GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hereros_ende_19_jahrhundert.jpg.

[14] Herero-Gruppe. Aus dem Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft, Stadt- und Universitätsbibliothek Frankf.a.M., FotografIn: Schutz; Heuberg, M, keine weiteren Angaben, leicht überarbeitet von GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herero.jpg.

[15] In Okahandja bog die ab 1897 gebaute, 1902 eröffnete Bahnlinie von Windhoek nach Swakopmund, dem wichtigsten Hafen der Kolonie, nach Westen ab.

[16] Von den Kolonialherren als Schlacht am Waterberg bezeichnet. Dieser Tafelberg liegt etwa 275 Straßenkilometer nördlich von Windhoek.

[17] Auf Afrikaans Sandveld. Die bevölkerungsärmste Region Namibias – auf der Fläche Österreichs, 84.731 km2, wurden hier 2016 nur 75.000 EinwohnerInnen gezählt.

[18] Kamelreiterkompanie der deutschen “Schutztruppe“ 1904, FotografIn unbekannt, Bundesarchiv Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Zentralbild 183-R24738, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R24738,_Deutsch-S%C3%BCdwestafrika,_Herero-Aufstand.jpg.

[19] Die Regierung beantragte für diesen Krieg am 2.8.1906 im Reichstag einen Nachtragshaushalt von 29 Mio. Mark. Insbesondere die SPD verweigerte ihre Zustimmung, nicht zuletzt wegen der brutalen Kriegsführung. Konservative und Nationalliberale setzten sich hingegen für die Weiterführung des Krieges ein. Am 13.12.1906 stimmten 177 gegen und nur 168 für den Nachtragshaushalt.

[20] Herero in Ketten ca. 1904, FotografIn: keine Angaben, Quelle: Ullstein Bilderdienst, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herero_chained.jpg.

[21] “Der Begriff ‘Konzentrationslager’ wurde erstmals offiziell im deutschen Sprachraum (…) 1904/05 verwandt, um Internierungs- und Sammellager für gefangene Herero und Nama zu bezeichnen. ‘Erfunden’ oder geprägt hat diese Bezeichnung der britische Feldmarschall und Politiker Herbert Kitchener (…): Während des Zweiten Burenkriegs gegen die holländischstämmigen Buren in Südafrika um 1900 wurden dort die Frauen und Kinder der burischstämmigen Bevölkerung, die als potentielle Feinde galten, in Lagern, die man amtlich als concentration camp bezeichnet hat, zusammengefasst und interniert“. https://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_in_Deutsch-S%C3%BCdwestafrika.

[22] “Womöglich über 100.000“: die Klageschrift des weiter unten erwähnten Entschädigungsprozesses 2017/18 in New York. “80.000“: Dominik J. Schaller, “Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss“. Kolonialkrieg und Völkermord in “Deutsch-Südwestafrika“ 1904-1907, in: Journal of genocide research, Bd.6, 2004, Nr.3, p.395. Leider ist nur die erste Seite dieses Artikels (pp.395-430) umsonst zugänglich auf http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1462352042000265864?scroll=top&needAccess=true.

[23] Lothar von Trotha mit Stab in Keetmanshoop 1904, Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst, Bundesarchiv, Bild 183-R27576, FotografIn unbekannt, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-R27576,_Deutsch-S%C3%BCdwestafrika,_Herero-Aufstand.jpg. Stehend von links: Oberleutnant von Trotha (Kommandant Hauptquartier) – Stabsveterinär Rakette – Oberleutnant Gundel (2.Tel.-Abt.). Sitzend von links: Hauptmann v. Lettow-Vorbeck (1.Adjutant) – Hauptmann Bayer (Generalstab) – Colonel Trench (britischer Militärattaché) – Generalleutnant von Trotha – Leutnant von Goßler (Ordonnanz-Offizier) – Intendant Nachtigall – Major von Redern (Chef des Stabes) – Hauptmann von Bosse (2.Adjutant).

[24] 25.5.1895-17.8.1897 – siehe https://www.deutsche-schutzgebiete.de/ostafrika.htm.

[25] Zu diesem sehr viel weniger bekannten Genozid siehe z.B. den German Foreign Policy-Artikel (wie üblich ohne Autor) “Auf dem Weg zum Vernichtungskrieg (I)” vom 17.3.2017, http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59563.

[26] Das ist der Titel des Textes der Nord-Süd-Agentur für Kommunikation (NORSA) aus 2004 zur Kölner Namibia-Ausstellung, aus dem auch das folgende Zitat stammt. Siehe http://www.markus-anton-dufner.de/6792.html?*session*id*key*=*session*id*val*.

[27] Aimé Césaire, Über den Kolonialismus, Berlin (Wagenbach) 1968, p.12. Im französischen Original hat Césaire diesen Text 1950 als Rede verfasst und 1955 erweitert (Discours sur le colonialisme). Hier zitiert nach Tsenay Serequeberhan, Die Philosophie und das postkoloniale Afrika: Historizität und Denken, in: Franziska Dübgen, Stefan Skupien (Hg.), Afrikanische politische Philosophie. Postkoloniale Positionen, Berlin (Suhrkamp) 2015, p.67, Fn.30.

[28] Überlebende Herero ca. 1907, FotografIn: keine Angaben, Quelle: Ullstein Bilderdienst, leicht überarbeitet von GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Surviving_Herero.jpg.

[29] AutorInnen- & datumsloser (jedenfalls 2017 geschriebener) NeoPresse-Artikel “Herero und Nama verklagen Deutschland wegen Völkermord“, http://www.neopresse.com/politik/afrika/herero-und-nama-verklagen-deutschland-wegen-voelkermord/.

[30] German Foreign Policy, Déja vu, 21.8.2004, https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/1049/.

[31] German Foreign Policy, Annahme verweigert, 17.1.2018, https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7503/.

[32] Am 20.7.2017 schrieb German Foreign Policy dazu den Artikel “Nicht zustellbar“ – siehe http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59642.

[33] Ein Formfehler führte zum Zurückweisen des Antrags vom 12.1.2018 – ein korrigierter Antrag wird bis 9.2.2018 eingebracht werden. Siehe German Foreign Policy, Deutschlands koloniale Arroganz, 29.1.2018, https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7515/. Zum Prozess vom 25.1.2018 berichtete auch AFP: “Namibie: Berlin juge “irrecevable” une plainte pour génocide à New York“, Berlin (AFP) 26.1.2018.

[34] Dort sind auch die “Entschädigungsklagen der Angehörigen von Opfern mutmaßlicher bundesdeutscher Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien und in Afghanistan (…) bislang für die Täter ohne Folgen geblieben; Forderungen nach finanziellen Konsequenzen sind durchweg abgewehrt worden“. German Foreign Policy, Deutschlands koloniale Arroganz, 29.1.2018.

 

 



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