Ein Straßenkunstfestival im roten Staub Burkina Fasos

12 March 2018 | By | Category: Allgemein, Interessantes

Burkina Faso, ein kleines, armes Land in Westafrika. Irgendwo eingekeilt zwischen Togo, Benin, Mali, Ghana, Niger und der Elfenbeinküste. In Europa ist das Land höchstens als eines der ärmsten Länder der Welt und als Ort kürzlicher Terroranschläge bekannt. Kaum jemand weiß um die lebendige Kunstszene Burkina Fasos, die im ganzen Land Orte der Musik, des Theaters und des Tanzes erschafft. In Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, vergeht kein Wochenende ohne ein kulturelles Highlight, wo sich alle bei Bier und Fleischspieß treffen. Jeder kennt jeden, Kollaborationen schießen aus dem Boden und spontane Kreationen entstehen bei einem Glas Bissap (Hibiskussirup). Schnelllebig, bunt, chaotisch – wie das Festival „Rendez vous chez nous“, das seit neun Jahren im Februar die Straßen Burkina Fasos in einen Ort der Kunst, des Tanzens und Feierns verwandelt.

Das Festival wird von dem gemeinnützigen, burkinischen Verein ACMUR (Association Arts, Clowns, Marionnettes et Musique dans nos Rues) realisiert. Dieses Künstlerkollektiv existiert seit 2002 und organisiert Projekte, die der Strukturierung, Entwicklung und dem Erhalt der „arts de la rue“ – den Künsten der Straße – Westafrikas dienen sollen. Das Festival „Rendez vous chez nous“ ist das bekannteste Projekt des Kollektivs. Seit 2010 organisiert ACMUR das Festival in Ouagadougou, weiteren Städten in Burkina Faso und seit 2017 in der Hauptstadt Malis, Bamako. Dieses Jahr sind 36 Kompanien aus 14 verschiedenen Ländern aus Afrika, Europa und Amerika vertreten.

Ein Magier und eine Trapezkünstlerin aus Frankreich, Akrobaten aus Ghana, ein Künstlerkollektiv aus Kanada, Schauspieler aus Tunesien, Sänger aus Burkina Faso und viele mehr verwandeln für ein paar Wochen den öffentlichen Raum in einen Ort der hautnahen Kunst. Die Vorführungen des Festivals finden direkt auf den Straßen statt, da wo sich das alltägliche Leben abspielt – kostenlos und für alle zugänglich. Mit 180 000 Zuschauern in diesem Jahr findet das Festival großen Anklang bei den Bewohnern und zählt zu einem der bekanntesten Festivals Burkina Fasos.

Durch Kunst im öffentlichen Raum, im Lebensraum der Bewohner, will ACMUR die kollektive Vorstellungswelt bereichern und den sozialen Zusammenhalt stärken. Außerdem soll eine Plattform geschaffen werden, die es afrikanischen Künstlern erlaubt, sich auszutauschen und zu vernetzen. Bisher sind diese noch vornehmlich auf Europa angewiesen, um sich zu verwirklichen und auszubilden. Die Vision, die sich das Kollektiv auf die Fahnen schreibt ist „die Kräfte der Künste im öffentlichen Raum in Burkina Faso zu sammeln und Kunst und Kultur zu dezentralisieren und demokratisieren“.

Das sind ehrgeizige Ziele, doch wenn man sich am Abend am “Place de la femme”, ein staubiger Platz im Künstlerviertel Gounghin, einfindet und das ausgelassene Treiben beobachtet – leuchtende Gießkannen in den Bäumen, waghalsige Akrobaten, kreischende Kinder Horden, riesige, wippende Marionetten und zufriedene Männer beim Bier – sieht man genau diese Ziele verwirklicht. Durch das Festival erschaffen die Künstler Burkina Fasos Räume der Lebens und der Kunst und kreieren dadurch neue Narrative, Begegnungen und Visionen.

 

Pia Stengl

 



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