Festung braucht Lager.

3 July 2018 | By | Category: Allgemein, Interessantes

Menschenrechte waren einmal.

Günther Lanier, Wien 3.7.2018.

G’hupft wie g’sprungen. Ob Juncker oder Seehofer oder Strache[1]. Ob ‘Transitzentren’ oder ‘Anlande- bzw. Ausschaffungs-plattformen’. Dem ‘Giftmüll’ werden die Menschenrechte aberkannt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA [2]

Analysieren und Drübernachdenken scheint sich zu erübrigen. Rundum verrohen Sprache und Sitten. Zusehends.

Während die Globalisierung der Welt gut vorangekommen ist und ihr großer Umzug in den digitalen Raum[3] im Gange oder abgeschlossen ist, geht es mancherorts durchaus handfest zu. FriedensnobelpreisträgerInnen (die EU, Barack Obama) führen in fernen Ländern Krieg, töten (im Sahel Frankreichs Operation Barkhane u.v.a.m.) oder lassen töten (z.B. G5 Sahel) und der reichste Teil der Welt schützt sich immer brutaler gegen Zuzug und verweigert sich den Anderen.

Mia san mia[4]. Und Pech für alle, die nicht geistesgegenwärtig genug waren, um bei uns daheim geboren zu werden[5]. Dafür, dass sie auf der Strecke bleiben, wird gesorgt. Andockverweigerung miteingeschlossen.

Da werden dann nach langem Tauziehen auf allerhöchster EU-Staaten-Ebene Menschen abgeladen wie Giftmüll, den keineR will[6]. Erinnert uns das an die Probo Koala-Affäre um das in Europa ungewollte Giftmüllschiff, das schließlich im Bürgerkriegsabidjan ein Endlager fand? Zwölf Jahre ist es her, über 100.000 ivorische AnrainerInnen hat es betroffen[7]. Aber das ist eine andere Geschichte[8].

Schaffen die Fremden in ihrer geradezu unvorstellbaren Hinterlist die Einreise trotz alledem, dann werden sie ausgeschafft. Wie eine Seuche verbreitet sich menschenrechtsverachtendes Vorgehen gegen MigrantInnen und Flüchtlinge. Und es wird immer ärger.

Zeichnung_Lager_Rollwald [9]

Ich plädiere für die Suspendierung der Mitgliedschaft Österreichs und Deutschlands von UNO- und sonstigen Organisationen, die sich die Durchsetzung von Menschenrechten zum Ziel gemacht haben. VertreterInnen dieser Länder gehört, so sie in offizieller Funktion agieren, das Recht entzogen, von Menschenrechten zu sprechen, also zu lügen. Ebensolche Maßnahmen sind gegen alle EU-Mitglieds- oder -Nichtmitgliedsstaaten anzuwenden, die sich derselben oder vergleichbarer Methoden bedienen – bis sie von solchen Aktivitäten lassen.

 

Endnoten:

[1] Die drei in alphabetischer Reihenfolge angeführten Herren stehen stellvertretend. Ob Macron oder Söder oder Trump. Ob Le Pen oder Merkel oder Mogherini…

[2] Europäisches Parlament, Straßburg, Foto Philipp Hertzog, 28.1.2006, zugeschnitten und in schwarz-weiß verwandelt: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Festung_europa.jpg.

[3] Davon schreibt offenbar David Gugerli in “Wie die Welt in den Computer kam. Zur Entstehung digitaler Wirklichkeit“, siehe z.B. https://www.tg.ethz.ch/produkte/schaufenster/wie-die-welt-in-den-computer-kam/.

[4] Das FC Bayern-Motto ist laut Süddeutscher Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/bayern/ursprung-des-fc-bayern-mottos-wer-san-mia-1.1742394) österreichischen Ursprung, die k.u.k. Armee hätte sich zur Zeit Kaiser Franz Josefs seiner bedient. Ich habe dafür keine unmittelbare Bestätigung gefunden, allerdings hat Hermann Josef Schneider – er diente 1881 bis 1884 in einem Musikzug der k.u.k Armee – einen Blasmusik-Marsch “Mir san mir“ komponiert.

[5] Wie Georges Brassens in seiner genialer “Ballade des gens qui sont nés quelque part“ 1972 sang. Zum Nachhören: https://www.youtube.com/watch?v=WscVYSu-O2w.

[6] Das Zitat ist von Edi Rama, dem albanischen Ministerpräsidenten. Siehe Dirk Hoeren, Albanien will keine Asyl-Lager für die EU bauen, Bild 27.06.2018 (https://www.bild.de/politik/ausland/fluechtlinge/will-keine-asyl-lager-fuer-die-eu-56128578.bild.html). Siehe aber vor allem German Foreign Policy, “Wie Giftmüll, den niemand will”, 29.06.2018, https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7655/.

[7] Siehe https://www.amnesty.org/fr/latest/news/2018/01/cote-divoire-communities-at-centre-of-toxic-waste-dump-need-answers/.

[8] Die Geschädigten, so sie nicht am Gift gestorben sind, warten weiter auf eine angemessene Entschädigung.

[9] Das Strafgefangenenlager Rollwald (1938-45) in der Gemeinde Nieder-Roden (heute Teil der Stadt Rodgau) in Hessen, von einem/einer unbekannten Gefangenen circa 1940 gezeichnet, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zeichnung_Lager_Rollwald.jpg. Mehr Informationen unter https://www.frankfallaarchive.org/wp-content/uploads/2016/10/1888_64_1.pdf.



Comments are closed.