Die Welt der Herrschaft des Mangels unterwerfen.

29 August 2018 | By | Category: Allgemein, Interessantes

Armut als Projekt von Kolonialismus und globalisiertem Kapitalismus.

Günther Lanier, Ouagadougou 29.8.2018.

Nigeria ist bei der rezenten Fußballweltmeisterschaft zwar nicht weit gekommen, dafür hat das Land mit der größten Ökonomie Afrikas[1] aber einen anderen Weltrekord aufgestellt. Es hat die meisten extrem Armen der Welt, 87 Millionen[2]. Mehr als jeder andere Staat – konkret heisst das, dass Nigeria Indien überholt hat, im Mai soll das gewesen sein[3].

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Armes reiches Nigeria!

44,3% der knapp 200 Millionen NigerianerInnen leben in extremer Armut[5]. Lassen wir die Prognosen einmal beiseite, sie sind nicht rosig. Aber Abuja, Lagos, und das ganze Land (auch schon vor und jenseits von Boko Haram) sind für Unsicherheit berühmt, nicht für Armut. Auch Kidnappings zielen ja auf Reiche und Lösegeld. Und das Land, heißt es, sei REICH an Erdöl[6]. Viel davon hat es jedenfalls.

Und folgerichtig ist mit Aliko Dangote ein Nigerianer reichsteR AfrikanerIn. Sieben Mal hintereinander führt er die Forbes-Reichenliste für den afrikanischen Kontinent schon an. 12,2 Mrd. USD soll er “wert“ sein, “netto“[7]. Und der business-Magnat Dangote schaffte es auch auf Bloombergs elitäre Liste der 50 einflussreichsten Menschen auf der Welt[8].

Das sollte stutzig machen. Außergewöhnlicher Reichtum und extreme Armut sind ganz offensichtlich KEIN Widerspruch.

 [9]

Freilich ist Nigerias “Weltrekord“ nur ein willkommener Aufhänger – zur Veranschaulichung der harmonischen Koexistenz von Reichtum und Armut hätte ein Blick in die USA oder nach Österreich und in jede afrikanische Hauptstadt gereicht, und dass Ressourcenreichtum das Volk nicht nährt, dafür sind auch Kongo-Kinshasa und Südafrika gute Illustrationen.

Doch es geht hier nicht um das Aufzeigen von Ungleichverteilung – die steht sowieso außer Frage. Dem kapitalistischen Konkurrenzregime geht es ja zuvorderst darum, besser, das heißt reicher zu sein als alle anderen. Andere zu ruinieren, gehört dazu. Es geht darum, dass Armut einerseits zu eng definiert wird – und andererseits vom kapitalistischen System geschaffen wird, ja dass das Weltsystem ohne Armut nicht funktionieren würde.

Jenseits der “monetären Armut“

Mit der Armutsquote “hat die Ökonomie einen Indikator erfunden, der uns sagt, wieviel Prozent unter der Armutsgrenze leben. Und da die Ökonomie eine kapitalistische Wissenschaft ist, die sich ums Geld dreht, ist ihre Armut eine monetäre. (…) Doch dabei belässt es die Ökonomie nicht – sie tut ganz überrascht, dass sie nicht das Leben in seiner Gänze erfasst – beim BIP ist es dasselbe, da wird dann gefragt, ob BIP/Kopf wirklich der beste Wohlstands- sprich Glücksindikator ist. Und Heerscharen von ÖkonomInnen bemühen sich, auf das, was in Geld gemessen wurde (BIP, Armutsgrenze…) nachträglich etwas dem Geld Fremdes aufzupfropfen und es werden Indikatoren konstruiert, die alles Mögliche andere noch mitberücksichtigen[10][11].

Zwar ist unleugbar Geld das, worum sich in der Marktwirtschaft alles dreht. Aber: “Wirkliche“ Armut hat noch ganz andere Dimensionen. Ich habe vor zwei Wochen an dieser Stelle in meinem Artikel zu Samir Amin[12] von der von ihm gegründeten NGO Enda Graf Sahel geschrieben. In deren Publikation aus 2001 heißt das Kapitel 12 “Arme und Armut, von der Kategorie zum Konzept“[13]. Da wird der übliche Blick auf die “Miserablen“ dekonstruiert.

 [14]

Jenseits des Materiellen hat Armut auch soziale, symbolische und semantische Facetten.

Die Bedeutung des sozialen Netzes

Arm ist, wer niemanden hat. Enda Graf Sahel berichtet vom eigenen Lernprozess. Als sie sich einst in Grand Yoff[15] um die Fischhändlerinnen bemühten, stellten sie fest, dass diese sich tagein tagaus Geld ausborgten, um damit ihre Handelsware, die Fische, zu kaufen. Dafür zahlten sie hohe Zinsen. Enda stellte daraufhin den Frauen Finanzmittel zu einem sehr viel niedrigeren Zinssatz zur Verfügung. Ziel war, ihre finanzielle Lage zu verbessern, indem sie der Wucherer nicht mehr bedurften. Doch die Frauen hörten nicht auf, sich Geld bei den Wucherern auszuborgen.

Denn für die Fischhändlerinnen waren die Wucherer nicht bloß Geschäfts-, sondern auch soziale Partner. Durch die materielle Transaktion werden sie zu Verbündeten, werden Teil des sozialen Netzes der Frauen, sind in einem eventuellen Notfall zum Beispiel zur Unterstützung verpflichtet. Das konnte Enda mit seinen billigeren Krediten nicht leisten.

Reine Marktbeziehungen, also Transaktionen, die sich aufs Materielle beschränken, bringen das Risiko mit sich, “soziale Waisen“ aus uns zu machen, Individuen ohne oder mit einem unzureichenden sozialen Netz.

Entzaubert und der Sprache beraubt

Das moderne Individuum verarmt nicht nur sozial, sondern auch symbolisch: Seine Umwelt verliert an Sinn, an Bedeutung, ist nicht mehr beseelt (wie im Animismus), wird entzaubert[16], das Individuum wird “verpflanzbar“, kann den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes Folge leisten. Der Bezug zu seiner konkreten Umgebung geht verloren, seine Umwelt wird beliebig.

Marktwirtschaftliche Effizienz und Rationalität bringen laut Enda zudem eine semantische und epistemische, also Bedeutung und Erkenntnis betreffende Verarmung mit sich. Denn das heute gültige “universelle Wissen“, die Wissenschaft, bedeutet den Verlust alternativer Wirklichkeitskonstruktionen – an Glauben ist nur mehr der an die Rationalität erlaubt, alle anderen Systeme zur Erklärung der Welt sind unnütz und daher verpönt. An die Stelle der ausdrucksvollen, bedeutungsschwangeren Mundart tritt eine dürre Hochsprache[17].

Arme Kunst

In Rom und Norditalien gab es 1957-75 eine Bewegung, die sich von der Hochkunst abwandte und Banales, Armes ins Zentrum rückte und ausstellte. Die Abbildung oben und die hier gleich folgende sind Beispiele dieser “Arte Povera“[18], die weit über die Grenzen Italiens hinaus grossen Einfluss auf die moderne Kunst hatte und wohl noch immer hat.

 [19]

Doch es reicht nicht, den Begriff der Armut auszuweiten. Wir müssen noch weiter denken. Armut war von allem Anfang an ein inhärenter Bestandteil des Kapitalismus – ohne Armut würde dieser nicht funktionieren

Privateigentum = Raub an der Gemeinschaft

Privat kommt vom lateinischen Verb “prīvāre“, das bedeutet “rauben, wegnehmen“ (wie auf Französisch noch heute “priver“; im Englischen ist es in “deprive“ enthalten). “Eigentum ist Diebstahl“ hat Pierre-Joseph Proudhon ja bereits 1840 erkannt.

Anfangs ging das sehr materiell vonstatten. Um Arbeitskräfte freizusetzen, musste der gerade erst entstehende Kapitalismus sie doppelt befreien: von ihren Feudalherren oder -frauen einerseits, insbesondere jedoch auch von ihren Produktionsmitteln (BäuerInnen zuallererst von ihrem Land, HandwerkerInnen von ihren Werkzeugen). Wollten sie weiter- oder überleben, so blieb ihnen nichts mehr übrig, als sich bei den UnternehmerInnen zu verdingen und für diese Mehrwert zu schaffen. Undsoweiter undsofort.

Beraubt, also arm, miserabel, oft elend.

Doch nicht genug damit, dass die ihrer Produktionsmittel Beraubten sich auf dem freien Arbeitsmarkt ohne viel Verhandlungsmacht selbst verkaufen müssen[20]. Es wird ihnen noch dazu beigebracht, dass sie Mangel leiden. Seit Kolonialismus und Imperialismus gilt das weltweit.

“Der globalisierte Terror des Mangels

Einst gab’s Dürren. Und schlechte Ernten, manchmal mehrere Jahre in Folge. Und es wurde gehungert. Manchmal wohl sogar verhungert. Es gab Kriege. Es gab Krankheiten. Wie überall wurde auch da, wo heute Burkina ist, gelitten.

Aber die Armut ist eine neue Einführung. Die haben die Kolonialherren mitgebracht. Früher hatten die Leute oft wenig: wenig zu essen, wenig materiellen Besitz. Aber sich deswegen als von “Mangel“ behaftet zu definieren, das wurde den Leuten erst beigebracht, als sie in ein globales Wirtschaftssystem eingegliedert werden sollten. Das zum “Entbehren“ verkommene Alltagsleben liefert die Motivation zu arbeiten, oder mehr zu arbeiten“[21].

Mangel erzeugt Nachfrage. Und diese Nachfrage, oft als Konsumgesellschaft verschrien, hält das kapitalistische Werkl am Laufen. Zudem fällt Armut noch unter “selber schuld“, fast als unmoralisch[22], jedenfalls als abnormal – wie eine zu behandelnde Krankheit[23]. Pech, wenn das Leben dadurch seiner Fülle beraubt wird und zum ewigen Entbehren verkommt – denn ohne das “Nie Genug“ der an der kapitalistischen Wirtschaft an wie untergeordneter Stelle auch immer Beteiligten könnten die Profite nicht ewig weiter wachsen.

Hier in Burkina sind wir noch nicht ganz so weit. Nicht, dass wir besonders ausgeprägte Widerstandskräfte hätten. Aber hier an der Peripherie sind die Netze der Solidarität noch nicht ganz zerrissen. Noch sind die ProduzentInnen nicht völlig von ihren Produktionsmitteln getrennt. Noch ist der Anteil der Subsistenzwirtschaft (diese produziert für den eigenen Konsum) erheblich, noch kann eineR sich im Notfall auf die Unterstützung der Großfamilie verlassen, noch können die, die aus der formellen Wirtschaft herausfallen, in ihr Dorf zurückgehen und dort für sich Essbares anbauen[24].

 [25]

Postkolonialer Widerstand in der Peripherie und in der Metropole

Vielleicht sind Kapitalismus und Weltsystem nicht alleinseligmachend. Vielleicht sollten wir, Henri Lopes paraphrasierend, des Öfteren mal sagen: “Behalt’ Deinen Grossen Apfel für Dich, Trump! Das ist kein afrikanisches Obst“[26].

Wobei ich freilich kaum was gegen den Herrn Trump habe. Er verkörpert[27] nur besser als alle anderen die schlimmsten Seiten der Satten Welt inklusive ihrer brutalen Methoden, wenn es darum geht, noch reicher zu werden. Auch wenn sich Macron, Merkel, Kurz & Co redlich bemühen, es ihm gleichzutun.

Das Überwinden des Systems erfordert ein Schaffen abseits von ihm – ich habe an diesem Ort vor drei Wochen bereits Keny Arkana zitiert: “On nique pas le système en voulant le détruire, on nique le système en construisant sans lui[28]

Den Mangel überwinden

In diese Richtung argumentiert z.B. auch der Ivorer Franck Edmond Yao, mit dem ich den heutigen Artikel beschließen will. Was Potlach und Verschwendung angeht, hätte freilich auch Georges Bataille herhalten können, aber dessen “Die Aufhebung der Ökonomie (Der Begriff der Verausgabung – Der verfemte Teil)“[29] wurde vor mehr als einem halben Jahrhundert geschrieben.

Franck Edmond Yao und Monika Gintersdorfer haben mit anderen “Die Blume“ gegründet – “La Fleur“. Deren Mitglieder sind DJs, TänzerInnen und SchauspielerInnen, die in die Metropolen der Satten Welt, “wo Luxus und Reichtum der Welt versammelt sind, gekommen sind, um ihr Schicksal herauszufordern. Statt ihre Ambitionen zu zügeln, arbeiten sie an ihrem Aussehen und simulieren den Überfluss nach dem Prinzip «Bestimme selbst, wer du sein willst». Mit Leidenschaft verkörpern sie auf der Bühne und im Leben ein aristokratisches Ideal, wo das Verschwenden das Sparen verdrängt“[30].

In einem Interview zu dem von Honoré de Balzac inspirierten Stück sagt Franck Edmond Yao: “Im ivorischen Milieu gibst du nicht deswegen viel aus, weil du viel auszugeben hast, sondern weil das Ziel ist, schick zu sein. Es geht dir um Respekt. Um respektiert zu werden, musst du die Facette auslöschen, die Mitleid erregt. Du willst leben. Manchmal heißt’s «du lebst über deine Verhältnisse». Aber was sind deine Verhältnisse? Die Persönlichkeit und das Leben von Balzac selbst sind eine Inspirationsquelle. Er gilt als der Klassiker unter den RomanschreiberInnen, dabei wird die unmäßige[31] Person vergessen, die er war, ständig in die Enge getrieben von Geldproblemen und zurückzuzahlenden Schulden“[32].

Da argumentieren und agieren Leute außerhalb der gültigen Logik, lassen sich vom ihnen zugeschriebenen Mangel nicht unterkriegen und beharren auf ihrer Unvernunft – wunderbar…

[33]

Endnoten:

[1] Südafrika und Nigeria wechseln sich in dieser Position ab, je nachdem, wie hoch der Ölpreis gerade ist. Als Maßstab gilt das nominelle Bruttoinlandsprodukt (BIP). An dritter Stell folgt, recht deutlich abgeschlagen, Ägypten, an vierter Stelle Algerien.

[2] Mia Perry, Deepa Pullanikkatil, Beating poverty needs partnerships and collaboration – not just money, TheConversation 16.8.2018.

[3] 87.495.776 am heutigen 29.8.2018 um 8h37 UT “and counting“ laut dem Wiener (Sitz: 7. Bezirk, Lindengasse 56/18-19) World Data Lab, World Poverty Clock (https://worldpoverty.io/). Das World Poverty Clock-Projekt wird vom deutschen BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) finanziert.

[4] Nigerias Wappen (Einheit und Glaube, Friede und Fortschritt), Lumia1234, 29.6.2014, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Coat_of_arms_of_Nigeria.svg

[5] https://worldpoverty.io/. Auf der Weltkarte Nigeria anklicken.

[6] Nigeria hat weltweit die zehntgrößten nachgewiesenen Erdölreserven, ungefähr gleich viel wie die USA.

[7] https://www.forbes.com/sites/kerryadolan/2018/01/10/african-billionaire-fortunes-rise-on-forbes-2018-list-of-continents-richest/#6dcee4822777. Insgesamt 23 USD-Milliardäre hat Forbes in Afrika gefunden.

[8] Die letzte Ausgabe ist vom November 2017: https://www.bloomberg.com/features/2017-bloomberg-50/.

[9] Sitz der nigerianischen Zentralbank in Abjuja, Foto: GodwinPaya 21.9.2017, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Central_Bank_of_Nigeria.jpg.

[10] Es gibt eine Unmenge “verbesserter“ Armutsindikatoren, und es gibt viele gute Argumente für die Nachbesserungen, keine Frage. Hier zwei Beispiele. Das Schema, das Dietrich Engels’ Arbeitspapier Europäisches Forschungsprojekt “Nicht-monetäre Indikatoren sozialer Inklusion“ (http://www.isg-institut.de/download/NonMisiB.pdf) resümiert, führt als die Lebensqualität entscheidend mitbestimmende Faktoren Gesundheit, Bildung, soziale Einbettung, Lebenssinn, bürgerliche Rechte, Wohnung und Umwelt, Kultur und Freizeit an, die um die zentralen Größen Beschäftigung und Lebensstandard gruppiert sind. Sehr stimmig. Oder, zweites Beispiel, David Gordon, Professor für soziale Gerechtigkeit an der Bristol University, der bei einem UNO-ExpertInnen-Treffen im Dezember 2005 Nicht-Existenz extremer Armut mittels folgender acht Indikatoren definierte: Körpermasseindex über 16, sicheres Trinkwasser, Zugang zu Toiletten, medizinische Betreuung, weniger als vier BewohnerInnen pro Wohnraum, allgemeiner Schulbesuch/Alphabetisierung, Zugang zu Information (Zeitungen, Radio, TV, Computern, Telefon), Zugang zu Dienstleistungen (soziale Dienste, Kredite usw.) http://www.un.org/esa/socdev/unyin/documents/ydiDavidGordon_poverty.pdf. Auch hieran ist eigentlich nicht viel auszusetzen.

[11] Günther Lanier, Land der Integren. Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen, Linz (guernica Verlag) 2017p.369.

[12] Günther Lanier, Samir Amin und der Herbst des Neoliberalismus. Politische Macht kommt zuallererst aus Wörtern, Radio Afrika TV 15.8.2018, http://www.radioafrika.net/2018/08/15/samir-amin-und-der-herbst-des-neoliberalismus/.

[13] Kap.12: “Pauvres et pauvreté, de la catégorie au concept, in: “Enda Graf Sahel, Une Afrique s’invente. Recherches populaires et apprentissages de la démocratie, Paris-Dakar Grand Yoff (Karthala/Enda Graf Sahel) 2001, pp.199-210.

[14] Vanni Ratti, “news paper”, Mischtechnik auf Holz, 1990, im Eigentum der Familie der Künstlerin/des Künstlers, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MASS_MEDIA_3.JPG?uselang=de.

[15] Ein Stadtteil von Dakar, nördlich des Flughafens. Zu den Fischhändlerinnen siehe Enda Graf Sahel, Une Afrique s’invente, Paris-Dakar Grand Yoff (Karthala/Enda Graf Sahel) 2001, pp.203-205.

[16] Der Begriff wurde vor ziemlich genau hundert Jahren von Max Weber geprägt, in seinem Vortrag “Wissenschaft als Beruf“ 1917.

[17] Zur symbolischen Armut siehe Enda Graf Sahel, Une Afrique s’invente, Paris-Dakar Grand Yoff (Karthala/Enda Graf Sahel) 2001, pp.205f, zur semantischen ebd., pp.206-208.

[18] Der Name der Bewegung, Arte Povera/arme Kunst, wurde vom Kunstkritiker Germano Celant 1967 geprägt; http://www.kunstwissen.de/arte_povera.htm schreibt dazu: “Das Bestreben der Arte Povera-Künstler, das Kunstwerk von seinem Sockel herunterzuholen, hat zu einer Erweiterung der Form und des Umgangs mit Material geführt: Das banalste und unbedeutendste Ding kann sich zu einem bedeutungsvollen Element im Kunstkontext transformieren. Was zur Folge hatte, dass sich das Spektrum der Materialverwendung und der stilistische Einsatz von Mitteln radikal erweitert haben. Der Wunsch, die Grenzen von Kunst und Leben zu erweitern, hatte zudem zu einer prozessualen Vorgehensweise geführt. Vergängliche Installationen und für den Augenblick gedachte Aktionen bestimmten Ende der sechziger Jahre das Bild der Arte Povera, die von Germano Celant dann auch als „Azione Povera“ betitelt wurde. In den Arbeiten der späteren Jahre ist diese radikale Befreiung der Form selbstverständlich geworden, traditionelle Formen finden gleichberechtigt wieder Eingang in das künstlerische Schaffen“.

[19] Jannis Kounellis, Römische Waage, Carrer d’Andrea Dòria 32 (Barcelona)

[20] Anders als die SklavInnen vergangener Zeiten gehen die Arbeitskräfte nicht mit Haut und Haaren in den Besitz der KapitaleignerInnen über – es hatte sich als profitabler erwiesen, wenn sie für ihre Reproduktion (sowohl das alltägliche Essen als auch die Aufzucht zukünftiger Arbeitskräfte) selbst verantwortlich sind.

[21] Günther Lanier, Land der Integren. Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen, Linz (guernica Verlag) 2017p.369.

[22] Siehe Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 1904/05 erstmals publiziert: dass der protestantische Gott asketischen Fleiß belohnt, hat dem Kapitalismus auf die Sprünge geholfen, wurden dadurch doch Mittel vom Konsum für die Akkumulation/die Investitionen abgezweigt.

[23] Abnormalität und die zu behandelnde (Zivilisations)Krankheit habe ich aus Enda Graf Sahel, Une Afrique s’invente, Paris-Dakar Grand Yoff (Karthala/Enda Graf Sahel) 2001, p.201.

[24] Auch in Burkina wird mancherorts Grund und Boden knapp – Landraub findet zwar nicht international statt, aber Agro-Business(wo)men kaufen auch hier in fruchtbaren Gegenden da Land auf.

[25] Blick vom Adlerplatz (Eagle Square) zum Aso-Felsen (Aso Rock), vor dem der nigerianische Präsident residiert. Foto GL Anfang 2015.

[26] Wörtlich schrieb der kongolesische (Congo Brazzaville) Schriftsteller: “Behalt‘ Deinen Apfel, Schlange! Das ist kein kongolesisches Obst“. Im Original: “Garde ta pomme, serpent! Ce n’est pas un fruit congolais“ Henri Lopes, Sans tam-tam, Yaoundé (Editions Clé) 1989, p.9.

[27] Außerdem ist er aus New York (= the Big Apple – ein Ausdruck, der mit höchster Wahrscheinlichkeit übrigens den Pferden bzw. den Pferderennen zu verdanken ist) und hat dort seinen Unternehmens- und Wohnsitz, im Trump Tower in der 5th Avenue von Manhattan.

[28] Siehe Günther Lanier, Diskursaneignung. Es ist an der Zeit, uns selbst zu erzählen, Radio Afrika TV 8.8.2018, http://www.radioafrika.net/2018/08/08/diskursaneignung/.

[29] Im Original Georges Bataille, La Part maudite, précédé de La notion de dépense (1933), avec une introduction de Jean Piel, Paris (Éditions de Minuit/collection L’Usage des richesses) 1949.

[30] Ich zitiere aus der Präsentation der Produktion Les nouveaux aristocrates durch die Gruppe La Fleur auf der Webseite von mc93 maison de la culture de Seine-Saint-Denis Bobigny, https://www.mc93.com/saison/les-nouveaux-aristocrates. Die Aufführungen dort fanden Ende 2017 statt.

[31] exzessiv, ausschweifend, masslos, unersättlich, hemmungsolos… wären andere Adjektiva, die das “excessive“ des Originals widergeben könnten.

[32] Wie weiter oben geht es auch hier um die Produktion “Die neuen AristokratInnen“/Les Nouveaux Aristocrates, die von Honoré de Balzacs “Das Mädchen mit den Goldaugen“/La Fille aux yeux d’or inspiriert sind. Siehe Marion Siefert, Les Nouveaux Aristocrates. Entretien avec Monika Gintersdorfer et Franck Edmond Yao, März 2017, mc93 maison de la culture de Seine-Saint-Denis Bobigny, https://www.mc93.com/magazine/les-nouveaux-aristocrates-entretien-avec-monika-gintersdorfer-et-franck-edmond-yao.

[33] Moschee (rechts) bzw. Anglikanische Kirche (links) im Zentrum von Abuja. Foto GL Anfang 2015.



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