Der Chagos-Archipel.

24 October 2018 | By | Category: Allgemein, Interessantes

Postkoloniale Macheloikes in einer Welt von Gestern.

Günther Lanier, Ouagadougou 24.10.2018.

“Die Welt von Gestern“ ist ein autobiographisches Buch von Stefan Zweig, das er im Exil in England und Brasilien 1939 bis 1941 geschrieben hat[1] und das eine Welt beschreibt, deren Ende oder Untergang der Autor bedauerte. Wenig später[2] brachten sich Lotte und ihr Mann Stefan Zweig gemeinsam um.

Auch in diesem Artikel geht es um eine verlorene Welt. Eine Militärinteressen geopferte Welt. Die Opfer waren freilich weder Großbritannien noch die USA, die das alles inszenierten. Doch auch wenn die Ilois.es[3], wie sich die BewohnerInnen des Archipels auf Chagos-Kreolisch nennen, vertrieben wurden, so haben sie deswegen ihren Widerstand noch lange nicht aufgegeben.

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Nein, es handelt sich nicht um ein Werbefoto zum Wecken von Sehnsucht und Urlaubswünschen. Bestenfalls können diesen unberührten Strand US-SoldatInnen nutzen, wenn sie einmal Pause machen vom Einsatz “gegen den internationalen Terrorismus“ oder wie sich sonst das Durchsetzen der imperialen Washingtoner Interessen gerade nennen mag.

Der Grund, warum der Archipel Objekt militärischer Begierde ist, ist ein einfacher. Die Inseln liegen mitten im Indischen Ozean. Da können sich diejenigen, die über die entsprechende Air Force verfügen, gut auf die Lauer legen. Um im Bedarfsfall zuzuschlagen.

Und dabei sind ZeugInnen unerwünscht oder störend.

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Auf den der indischen Südspitze südwestlich vorgelagerten Malediven war der Archipel seit langem bekannt, die südlichste der Malediven liegt circa 500 km nördlich des die längste Zeit unbesiedelten Chagos-Archipels. Die portugiesischen Seefahrer, die den Archipel in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts für Europa entdeckten, wussten nichts anzufangen mit ihm, tauften ihn zwar, Bassas de Chagas[6], ließen ihn sonst aber “links liegen“. Auch die Namen der Diego Garcia- und Peros Banhos-Atolle gehen auf die Portugiesen zurück. Erst mehr als ein Jahrhundert später begann sich eine Kolonialmacht für den Archipel zu interessieren, und zwar Frankreich, nachdem es 1665 Réunion zu besiedeln begann und 1715 die Isle de France, das heutige Mauritius, in Besitz genommen hatte. In den 1770er Jahren fing Frankreich damit an, Genehmigungen für Kokosnussplantagen auf Chagos zu vergeben.

Bei den 55 Inseln des Archipels handelt es sich um die größte zusammenhängende Atoll-Struktur der Welt, über 12.642 km2 erstreckt sie sich[7] – 2 km2 mehr als Tirol oder 662 km2 mehr als Oberösterreich. Alles andere als ein Weltrekord ist hingegen die Landfläche[8], die beträgt winzige 56,13 km2, mehr als die Hälfte, 32,5 km2, entfallen auf Diego Garcia.

Die höchste Erhebung, ebenfalls auf Diego Garcia, bringt es auf 15 Meter Seehöhe. Ein Großteil des Archipels ist somit von der weltweiten Temperaturerhöhung und dem resultierenden Ansteigen des Meeresspiegels extrem bedroht.

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Vier Jahrzehnte lang – von den späten 1780ern bis 1828 – diente der Archipel zum Absondern und Behandeln von leprakranken SklavInnen. Offenbar erhofften die Kolonialherren sich von dem auf den Inseln reichlich vorhandenen Schildkrötenfleisch heilende Wirkung[10].

Es war die Einrichtung von Kokosnussplantagen, die zur dauerhaften Besiedlung des Chagos-Archipels führte. Unternehmer, vor allem aus Mauritius, brachten vor allem SklavInnen mit Wurzeln in Madagaskar, Mosambik und Mauritius nach Chagos. 1826 lebten da 375 SklavInnen, 9 Weiße, 22 “freie Farbige“ und 42 Leprakranke, sicher lauter Schwarze. Von den insgesamt 448 BewohnerInnen lebte die Hälfte auf Diego Garcia.

Als im 19. Jahrhundert weltweit SklavInnen durch LohnarbeiterInnen ersetzt wurden, wurden auch die “Ilois.es“ zu Freien[11]. Zuzug kam auch aus dem Norden und Osten, sodass manche unter den Mitte des 20. Jahrhunderts etwa 2.000 ChagossianerInnen indische oder malaiische Wurzeln hatten[12]. Auf 3.000 bis 4.000 BewohnerInnen kommt der Archipel erst in jüngster Zeit – eine Bevölkerungsdichte von 92 bis 123, denn nur mehr Diego Garcia ist bewohnt (s.u.).

 [13]

Frankreich konnte sich seiner kolonialen Herrschaft über den Archipel nicht lange erfreuen. 1814[14] – Napoleon war gerade “den Alliierten“ unterlegen[15] – wurde Chagos Teil des britischen Empires. Es wurde in der Folge von den Seychellen bzw. von Mauritius[16] aus verwaltet.

150 Jahre lang war dann Frieden.

Kokosnussanbau auf den Plantagen der mauritischen Unternehmer dominierte die Wirtschaft. Kopra, das Fruchtfleisch der Kokosnüsse, wurde zuerst nach Mauritius gebracht und dort zu Öl weiterverarbeitet. Doch schon ab dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde auch in Diego Garcia Kokosöl hergestellt. Andere Produkte waren Fische, Guano[17], Holz und das bereits erwähnte Schildkrötenfleisch.

Die 1880er Jahre sorgten für ungewohnte Unruhe – da wurden auf Diego Garcia zwei Bekohlungsanlagen eingerichtet. Wo es Tankstellen und Verkehrswege gibt, entsteht Verkehr – so machten auf der zuvor weltabgeschiedenen Insel regelmäßig Dampfschiffe Zwischenstation. Und brachten u.a. somalische, englische, griechische und italienische ZuwandererInnen. Doch finanzielle Schwierigkeiten führten schon Ende der 1880er zum Schließen der Bekohlungsanlagen. Zurück in seiner “splendid isolation[18], baute der Chagos-Archipel weiter an seiner eigenen Kultur, die sich insbesondere in der Herausbildung einer eigenen Sprache, des Chagos-Kreolisch, niederschlug. Zwei Drittel des 20. Jahrhunderts ging das so weiter.

 [19]

Untergang einer Welt

Während weltweit Kolonialreiche ab dem 2. Weltkrieg aufgelöst wurden und auch Mauritius 1968 unabhängig wurde, kam es für den Chagos-Archipel ganz anders – brutal anders.

Die 55 Inseln blieben Teil Großbritanniens – 1965 von Mauritius abgetrennt, wurden sie in ein für den Zweck extra geschaffenes Britisches Indischer Ozean-Territorium (BIOT[20]) eingegliedert[21]. Die BewohnerInnen wurden 1965 bis 1973 vertrieben. Denn am 30.12.1966 verpachtete London den Archipel für 50 Jahre an die USA, der Pachtvertrag wurde inzwischen um weitere 20 Jahre, also bis Ende 2036 verlängert. Und die hatten sich die “exklusive Kontrolle“ ausbedungen, will heißen Menschenleerheit.

 [22]

Die Vereinbarung sieht vor, dass die USA alle Inseln für “Verteidigungszwecke“ nutzen dürfen. Bescheiden, wie Washington nun einmal ist, nutzen sie bis heute nur Diego Garcia für ihre Marine und Air Force – im März 1971 begannen die Meeresbienen (Seabees[23]) mit dem Bau einer Kommunikationsstelle sowie eines Flugplatzes im Nordwesten der Insel.

Wie das mit der “Verteidigung“ der aus dem 2. Weltkrieg eindeutig als Weltmacht Nummer 1 hervorgegangenen USA so ist, besteht die “Verteidigung“ in Angriffen. So wurde der zur Zeit des Vietnamkriegs errichtete Chagos-Militärstützpunkt auch nach Ende des Kalten Krieges für Angriffe genutzt – im Golfkrieg 1991, gegen die afghanischen Taliban 2001, gegen den Irak 2003 bis 2011 und auch gegen den Islamischen Staat[24]. Anfang des neuen Jahrtausends wurde Diego Garcia höchstwahrscheinlich auch als Geheimgefängnis (“black site“) des CIA für Terrorverdächtige verwendet, eventuell unter Zustimmung Londons – das beharrlich leugnet – und unter Missachtung von Menschen- und Gefangenenrechten[25].

 [26]

“Exklusive Kontrolle” hatte London also zugesagt. Zunächst wurden ChagossianerInnen nach Auslandsreisen nicht mehr nach Hause zurück gelassen. Dann wurde die Lebensmittel- und Medikamentenzufuhr beschränkt, dann wurden alle Hunde vergiftet oder vergast. Jedes Mittel schien recht.

Im Oktober 1971 wurde die Kokosnussplantage auf Diego Garcia endgültig geschlossen. PlantagenarbeiterInnen und ihre Familien wurden zunächst auf Peros Banhos und die Salomon-Inseln, beide im Norden des Archipels, gebracht, nur diejenigen, die es verlangten, wurden auf Mauritius oder die Seychellen ausgeschafft. 1972 beschloss London dann, die restlichen Plantagen zu schließen und die InsulanerInnen nach Mauritius oder auf die Seychellen zu deportieren – was bis 1973 umgesetzt war.

 [27]

Seither sind die einzigen EinwohnerInnen SoldatInnen (vor allem aus den USA, ein paar aus Großbritannien, offiziell handelt es sich nämlich um eine britisch-US-amerikanische Co-Produktion). Eineinhalb oder zwei Mal so viele wie früher sollen es sein, zwischen 3.000 und 4.000 (ursprünglich hatte Washington 5.000 vorgesehen) – wer weiß, wieviel es wirklich sind. Egal – sie gehen ja nur ihrer Arbeit nach und werden bald von KollegInnen abgelöst.

Dass die Rechte der ChagossianerInnen, insbesondere das auf Selbstbestimmung, rüde missachtet wurden, ist klar[28]. Seit den 1980er Jahren führen die Ilois.es einen Kampf um Rückkehr und Entschädigung. Unterstützt von der Afrikanischen Union und der Bewegung der Blockfreien Staaten (vor allem von Indien und Sri Lanka) focht Mauritius das Lancaster House-Abkommen an, in dem am 25. September 1965 den mauritischen SignatarInnen finanzielle Entschädigung versprochen wurde sowie die Überlassung von Fischerei- und Nutzungsrechten und das Versprechen auf Rückgabe, “sobald die Verteidigungsanlagen auf Chagos nicht mehr gebraucht würden“[29]. In den 1990ern gründeten die ChagossianerInnen einen Vertriebenenverband (Chagos Refugees Group) und brachten ihren Fall vor britische und US-amerikanische Gerichte. Dass um die tausend Vertriebene die in der Folge von London angebotene finanzielle Entschädigung und die britische Staatsbürgerschaft annahmen – Bedingung war der Verzicht auf alle Rechtsmittel – mindert allerdings die Chancen auf einen weitergehenden Erfolg vor Gericht[30].

Doch damit ist die Sache noch nicht gegessen. Mauritius gibt sich nicht geschlagen. Als Großbritannien Chagos 2010 ohne jegliche Konsultationen zum “Meeresschutzgebiet“ erklärte – Zweck war, den Ilois.es mittels Fischfangverbot die Rückkehr definitiv zu verunmöglichen – konnte Mauritius 2015 vor dem Internationalen Seegerichtshof die Nichtigerklärung dieser Maßnahme erwirken. Da aber die Souveränität Großbritanniens in dem Urteil nicht grundsätzlich in Frage gestellt oder behandelt wurde, beschloss Mauritius 2017, sich an die Vereinten Nationen zu wenden, die schon 1965 die Ausgliederung des Chagos-Archipels als Verletzung der mauritischen territorialen Integrität verurteilt hatten[31], auch wenn diese Erklärung wenig Wirkung hatte.

Im Juni 2017 stimmte die UNO-Generalversammlung mit einer sehr deutlichen Mehrheit von 94 zu 15 (bei 65 Enthaltungen) dafür, vom Internationalen Gerichtshof ein Rechtsgutachten zu verlangen, in dem dieser zudem beurteilen solle, “ob der Dekolonisierungsprozess rechtsgültig abgeschlossen worden war, als Mauritius 1968 die Unabhängigkeit erlangte“. Großbritannien ist entsetzt. Und die USA halten ihre Militärbasis auf Diego Garcia angesichts von Terrorismus, Piraterie und transnationaler Kriminalität für absolut unverzichtbar.

Wir dürfen es ihnen nicht verdenken, sie müssen sich schützen.

Rabiater als ihr (wenn auch schlecht) gewählter Staatschef kann es ja kaum mehr ausgedrückt werden: Wer immer droht, ihre Profite auch nur um einen USD zu schmälern, gegen den müssen sie sich verteidigen.

 [32]

Übrigens ist der Chagos-Archipel Teil eines marinen Gebietes, das ökologisch überaus interessant ist, mit ausgeprägter Biodiversität (Wikipedia nennt es einen “hotspot of biodiversity“) und vielen endemischen Arten, darunter die hier abgebildete Hirn-Koralle.

 [33]

Nachbemerkung

Der Chagos-Archipel ist nicht die einzige Inselgruppe, die bei der Unabhängigwerdung ihres “Mutterlandes“ unter der Oberhoheit des früheren Kolonialherren blieb. Frankreich hat sich zum Beispiel, als es Madagaskar in die Unabhängigkeit entließ, vier madagassische Inseln für sich behalten, die zu den Îles Éparses (“Verstreute Inseln“) des Indischen Ozeans gehören – Europa, Bassas da India, Juan de Nova und Iles Glorieuses. Die ersten drei liegen zwischen Madagaskar und Mosambik, die “Ruhmreichen Inseln“ nördlich von Madagaskar. Anders als der Chagos-Archipel waren sie aber unbesiedelt. Auf Europa, Juan de Nova und den Iles Glorieuses unterhält Paris kleine Militärstützpunkte.

Im derzeit geführten madagassischen Wahlkampf spielen die ersten drei dieser Inseln eine Rolle, seit der Präsidentschaftskandidat André Christian Dieudonné Mailhol (“der Pastor“) ihre Rückgabe verlangt[34].

 

Endnoten:

[1] Es erschien postum, 1942.

[2] Am 23.2.1942 in Petrópolis in den Bergen nordöstlich von Rio.

[3] Chagos-Kreolisch hat Französisch als Referenzsprache – “Ilois.es“ ist von “île“=“Insel“ abgeleitet und bedeutet “InsulanerInnen“. Ein anderer Name der Archipel-BewohnerInnen ist ChagossianerInnen.

[4] Diego Garcia-Strand, Foto Jennifer aus Kansas City, 7.2.2006, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:On_the_beach_in_Diego_Garcia_(98491095).jpg.

[5] Diego Garcia als Mittelpunkt des Globus, 72.4111 E, -7.3111 S, hochgeladen von Geo Swan am 25.10.2005, Farben verändert und leicht zugeschnitten GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Orthographic_projection_centred_over_Diego_Garcia.png.

[6] Bassas gibt es im modernen Portugiesisch offenbar nicht mehr, dürfte aber von “niedrig“ oder “seicht“ kommen und auf die unter der Wasseroberfläche versteckten Riffe hindeuten – zu “chagas“ = Wundmale werden regelmäßig Jesu Wunden am Kreuz als Erklärung angegeben.

[7] Das ist die Great Chagos Bank, ein paar Inseln liegen offenbar außerhalb, sodass die Gesamt“fläche“ 15.000 km2 übersteigt.

[8] Im soeben letztmals erschienenen Fischer Weltalmanach habe ich den Archipel nicht gefunden. Je nach Quelle differieren die Flächenangaben zu Chagos leicht, auch Wikipedia-intern – ich habe die Angaben aus dem englischen = ausführlichsten Wikipedia-Artikel genommen (https://en.wikipedia.org/wiki/Chagos_Archipelago).

[9] Karte des Chagos-Archipels, gezeichnet von Mohonu, April 2007, Farben verändert um Unterschiede zwischen trockenem Land (orangebraun) – Riffen (hellgrün) – Land unter dem Meeresspiegel (hellblau) noch deutlicher zu machen: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chagos_map.PNG. Hier eine weitere Karte, weniger hübsch, aber vielleicht in ihrer Einfachheit erhellend:

Karte des Chagos-Archipels – Atolle mit trockenem Land in Grün, U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, adaptiert von Ratzer, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chagos_large.png.

[10] Siehe David Vine, Satyendra Peerthum Origins & History of the Chagossians, lexpress.mu, 11.11.2003, https://www.lexpress.mu/article/origins-history-chagossians.

[11] Auf Mauritius, zu dem Chagos gehörte, wurde die Sklaverei offiziell im Februar 1835 abgeschafft. Ein Bericht des mauritischen Arbeitsamtes aus 1949 stellt ein Fortbestehen der Strukturen aus Sklavereizeiten fest, wenn auch unter milderen, wohlwollend-patriarchalen Bedingungen. Siehe abermals die exzellente Darstellung auf dem mauritischen lexpress.mu: https://www.lexpress.mu/article/origins-history-chagossians.

[12] Zumindest die indischen ZuwandererInnen waren auch nicht gänzlich freiwillig, handelte es sich doch oft um “indentured labourers“,“Arbeitsverpflichtete“ oder “Vertragsknechte/mägde“ – ein im britischen Kolonialreich in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weitverbreitetes Arbeitsverhältnis, das einige Aspekte von Sklaverei und Schuldknechtschaft beibehielt. Die Großeltern des kürzlich verstorbenen Literatur-Nobelpreisträgers V. S. Naipaul waren Ende des 19. Jahrhunderts als Vertragsknechte/mägde von Indien in die Karibik ausgewandert.

[13] Ein Bewohner von Diego Garcia nach der Kokosnussernte, FotografIn unbekannt, 1971, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Diego_garcian.jpg.

[14] Schon seit 1786 erhob Großbritannien Anspruch auf den Chagos-Archipel.

[15] Das war seine erste Niederlage, der sein kurzes Exil auf Elba folgte. 1815 kehrte er für hundert Tage an die Macht zurück, wurde in Waterloo entscheidend geschlagen und verbrachte den Rest seines Lebens (bis 1821) in Afrika – im Exil auf St. Helena.

[16] Großbritannien hatte 1809/10 mit seinem “Mauritiusfeldzug“ Erfolg gehabt und dabei 1810 Mauritius besetzt. 1814 wurde Mauritius britische Kronkolonie. Die zuvor ebenfalls französischen Seychellen waren etwas früher, 1794, von den Briten besetzt und 1814 Großbritannien zugesprochen worden. 1903 wurden die Seychellen eine eigene Kronkolonie.

[17] Guano ist ein Phosphatgemenge, ein organischer Dünger, der durch die Einwirkung von Seevogelexkrementen auf Kalkstein entsteht.

[18] Der Ausdruck passt gut in die Zeit, aber nicht zum Ort, charakterisiert er doch die Außenpolitik der damaligen Weltmacht Nummer 1, Großbritanniens, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, aber nicht die Lage eines winzigen Teils ebendieses britischen Empires inmitten des Indischen Ozeans.

[19] Frühe Berichte von der üppigen Ausstattung der Chagos-Inseln durch Mutter Natur klingen wie Beschreibungen des Paradieses. Bild: Salomons-Atoll, Chagos-Archipel, Foto Anne Sheppard, o.D., https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salomons_Atoll_in_the_Chagos.jpg. Tut mir leid, dass dieses Foto – ebenso wie die beiden letzten – sich nicht zentrieren lässt. GL.

[20] British Indian Ocean Territory. Das Akronym passt hier auch für die deutsche Übersetzung.

[21] Dieses umfasste außer dem Chagos-Archipel nur drei Inseln, die vorher zu den Seychellen gehört hatten: Aldabra, Farquhar und Desroches. Diese drei Inseln wurden 1976 an die Seychellen zurückgegeben.

[22] Das Diego Garcia-Atoll aus dem All, Foto NASA 19.11.1990, leicht zugeschnitten: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nasa_diego_garcia.jpg.

[23] Die Seabees sind die Bau-Battaillone der US Navy (United States naval construction battalions).

[24] Siehe Abdelwahab Biad, Elsa Edynak, Streit um Chagos, Le Monde diplomatique, 11.10.2018.

[25] London hätte sich eventuell mitschuldig gemacht, sei “potentially systematically complicit in the most serious crimes against humanity of disappearance, torture and prolonged incommunicado detention”. Ian Cobain, Richard Norton-Taylor, Claims of secret CIA jail for terror suspects on British island to be investigated, The Guardian 19.10.2007, https://www.theguardian.com/world/2007/oct/19/alqaida.usa. Ähnliche Vorwürfe wurden sieben Jahre später gemacht – siehe Jamie Doward, UK urged to admit that CIA used island as secret ‘black site’ prison, The Guardian 13.4.2014, https://www.theguardian.com/world/2014/apr/13/cia-black-site-diego-garcia-uk-role. 2015 hat Colin Powell’s früherer Stabchef Lawrence Wilkerson den Missbrauch Diego Garcias als black site bestätigt. Das hätte eigentlich sowohl Washington als auch London beträchtlich unter Druck setzen müssen – ich habe davon allerdings nichts mitbekommen.

[26] Diego Garcia-Karte aus ca. 2002, Abb.2 in “Local Area Forecaster’s Handbook for Diego Garcia”, US Navy 5.4.2002, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Diego_Garcia_Island_Map.jpg.

[27] Verlassene Boddam-Kirche auf dem Salomons-Atoll, Foto Dunog, August 2008, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%C3%89glise_Boddam.JPG.

[28] Dazu auch Miriam Bak McKenna, Chagos: Mauritius challenges British colonialism in a case with major implications, TheConversation 19.9.2018: “The crux of the Mauritian claim is the right of self-determination. In its submission to the court, the Mauritian government claimed that the separation of the islands from Mauritius was in clear breach of UN resolution 1514, also known as the Colonial Declaration. Passed in 1960, it enshrined the right of self-determination for colonial peoples and specifically banned the breakup of colonies prior to independence. This was intended to keep borders stable, and to prevent colonial powers from simply absorbing colonial territory into their overseas territory so as to retain their sovereignty.

Yet in spite of this resolution, a number of states (including France and the UK) kept possession of parts of their former colonies following the decolonisation process.”

[29] Abdelwahab Biad, Elsa Edynak, Streit um Chagos, Le Monde diplomatique, 11.10.2018.

[30] Ebd.: “(…) wie die Ablehnung ihrer letzten Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2012 und vor dem obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs im Juni 2016 gezeigt haben. Klagen vor dem Bezirksgericht von Columbia in Washington, D. C., das für Klagen gegen die US-Regierung zuständig ist, sowie die Berufung vor dem Supreme Court gegen die US-Basis auf ihrem Land wurden ebenfalls abgewiesen: mit der Begründung, es handele sich um einen nicht justiziablen Regierungsakt“.

[31] Ich folge hier Abdelwahab Biad, Elsa Edynak, Streit um Chagos, Le Monde diplomatique, 11.10.2018.

[32] Korallen in einem Chagos-Riff, Foto Charles and Anne Sheppard, nicht datiert, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chagos_022.jpg.

[33] Hirn-Koralle (Ctenella chagius), Foto Charles and Anne Sheppard, nicht datiert, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ctenella.jpg.

[34] Dass er die Rückgabe der Iles Glorieuses nicht verlangt, liegt vielleicht daran, dass sie außer von Madagaskar auch von den Komoren beansprucht werden. Siehe Olivier Caslin, Trois îles, une ingérence? In Jeune Afrique vom 21.10.2018, p.108. Die Iles Glorieuses werden in diesem Artikel nicht erwähnt. Zu den Verstreuten Inseln gehört zudem noch Tromelin, zwischen Madagaskar und Réunion (näher zu Réunion), die von Mauritius beansprucht wird. Zu dieser fünften verstreuten Insel hat Irène Frain ein schönes Buch geschrieben, Les naufragés de l’île Tromelin, Paris (Michel Lafon) 2009.



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