Staatsscheitern.

14 November 2018 | By | Category: Allgemein, Interessantes

Wo sich Gewalt bezahlt macht: Somalia, Südsudan u.a.m.

Günther Lanier, Ouagadougou 14.11.2018.

Unsere Mutter Erde ist restlos auf Staaten verteilt. Das hat Sinn und Zweck, diese Gebilde haben ihre Aufgaben. Zuallererst: Ruhe und Ordnung herstellen und aufrechterhalten. Damit profitabel gewirtschaftet werden kann, damit Dollar, Rubel, Euro, Schilling[1] und Pfund[2] rollen können, wie sie wollen und sollen. Wo ein Staat seinen grundlegenden Aufgaben nicht nachkommt, da ist die Rede vom gescheiterten Staat[3], oft lieber auf Englisch: failed state. Staatsscheitern schafft Freiräume, die meist mit Gewalt gefüllt werden – in diesem Artikel geht es anhand zweier afrikanischer Beispiele um eine simple spieltheoretische Auseinandersetzung mit der Logik, die zur Waffe greifen lässt.

Ungeachtet der Dominanz (neo)liberaler Ideologien erfüllen Staaten im Kapitalismus und somit im Weltsystem eine wichtige, ja unabdingbare Funktion. Seit 2005 bemüht sich der Peace Fund, also “Friedensfonds“[4], um eine systematische und weltweite Beurteilung, wie sehr ein Staat seine Hausaufgaben gemacht hat – das alljährlich publizierte Ranking hieß bis 2014 Failed States Index, seither Fragile States Index, also “Index zerbrechlicher Staaten“. In der 2018er Ausgabe[5] rangiert Südsudan zuunterst und Somalia an zweitschlechtester Position[6], da hat sich gegenüber den Vorjahren nichts geändert.

 [7]

Die Republik Südsudan

Ein Gebiet grösser als Frankreich reich an Erdölvorkommen, 620.000 km2 mit 12-13 Millionen EinwohnerInnen, das dem Sudan abgerungen werden konnte, nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg (1955-72 und 1983-2005), den die USA, Deutschland[7a] & Co gegen den des Terrorismus beschuldigten Bösewicht al-Bashir zwar nicht selbst führten, aber finanzierten und durch Waffenlieferungen und militärische Ausbildung förderten.

John Garang, Chef der 1983 geschaffenen Südsudanesischen Volksbefreiungsarmee[8], unterzeichnete zwar am 9. Januar 2005 das Friedensabkommen und wurde dann wie für die Übergangszeit vorgesehen Vizepräsident des (noch nicht geteilten) Sudan, er erlebte aber die südsudanesische Unabhängigkeit nicht mehr, der charismatische Politiker starb am 30. Juli 2005 bei einem Hubschrauberunfall. Salva Kiir übernahm das “Ruder“ und Südsudan wurde am 9. Juli 2011 ein eigenständiger Staat[8a].

Das entspricht eigentlich gar nicht den “Regeln“: Nationalstaatliche Grenzen sind in Afrika unantastbar. Davon hatte es vor Südsudan – wer kann schon gegen Washington, Berlin & Co aufmucken? – erst eine einzige Ausnahme gegeben: Eritrea Anfang der 1990er Jahre[9]. Bis zum heutigen Tag wird dem von Somalia de facto unabhängigen Somaliland[10] aus diesem Grund die internationale Anerkennung verweigert.

 [11]

Die Unabhängigkeit hat für die überwiegende Mehrheit der SüdsudanesInnen keine Verbesserung gebracht. Ganz im Gegenteil: Der Bürgerkrieg ging wieder los, jetzt allerdings innerhalb der neuen Republik Südsudan, und die Verhältnisse waren bald schlimmer als je zuvor. Die neugeschaffenen staatlichen Institutionen, bar jeglicher historischer Basis und Legitimität, sollten den Amtsinhabern vor allem Zugang zu Ressourcen und Reichtum verschaffen. Dabei kam es freilich zu Konflikten[12], die meist falsch als “ethnisch“ begründet hingestellt wurden.

2,5 Millionen SüdsudanesInnen sind in Nachbarländer geflohen[13]. 1,85 Millionen sind Binnenflüchtlinge (auch intern Vertriebene/internally displaced people/IDPs). 7 Millionen – also mehr als die Hälfte der Bevölkerung – sind von Hungersnot oder extremer Nahrungsmittelunsicherheit bedroht[14].

2015 wurde zwischen den Hauptkontrahenten um die Macht im Staat ein Friedensabkommen geschlossen. Das hielt nicht. Der Bürgerkrieg brach bald wieder aus. Und eskalierte. 2018 wurde abermals ein runderneuerter[15] Friedensvertrag unterschrieben, wieder zwischen Salva Kiir und Riek Machar, am 12. September war das, in Addis Adeba. Und am 31. Oktober kehrte Riek Machar, vereinbarungsgemäß erster Vizepräsident der Republik Südsudan, nach zwei Jahren im Exil tatsächlich nach Juba, der Hauptstadt des Landes, zurück. Hoffen wir, dass dieses Mal der Frieden hält.

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Somalia

Unter der vielen Brutalität, der SüdsudanesInnen ausgesetzt sind, fehlt eine frauen- oder mädchenspezifische: die Exzision oder andere Formen des Zurechtschneidens des weiblichen Geschlechts[17]. Dieses Glück haben Somalierinnen nicht: Nicht nur liegt die Rate nahe 100%[18] – höchstwahrscheinlich Weltrekord –, es handelt sich bei über drei Viertel der Betroffenen noch dazu um die ärgste Form, die Infibulation[19].

Somalia verfügt am Horn von Afrika – also an strategisch wichtiger Stelle[20] – über 3.025 km Küste. Mit dem Hinterland[21] macht das 637.657 km2, etwas größer als Südsudan. Und auch EinwohnerInnen hat es mehr, an die 15 Millionen sollen es sein.

 [22]

Somalia ist überreich an Geschichte. Bis zu 5.000 Jahre alte Felsenmalereien[23] zeigen unter anderem frühe berittene Jäger. Im zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung gab es hier eine Hochkultur, die mit dem antiken Ägypten in Kontakt war. Handel wurde außerdem mit PhönizierInnen, BabylonierInnen, mit Indien, China und Rom getrieben.

 [24]

Im 14. Jahrhundert war Mogadischu, wie zum Beispiel Ibn Chaldun berichtete, die Hauptstadt des blühenden Ajuran-Reiches. Dessen Botschafter am chinesischen Kaiserhof, Sa’id of Mogadishu, soll der erste Afrikaner gewesen sein, der chinesischen Boden betreten hat[25]. Vasco da Gama, der im 15. Jahrhundert in Mogadischu vorbeischaute, berichtet von vier- und fünfstöckigen Häusern und einer Vielzahl von Palästen und Moscheen.

 [26]

Erst nach dem Niedergang von Ajuran gerieten weite Teile der Küste Somalias unter portugiesische Kontrolle. Wobei sich Allianzen mit dem osmanischen Reich für Mogadischu & Co gegen die portugiesische Übermacht immer wieder als effektiv erwiesen. Im 19. Jahrhundert übernahmen die Sultanate Oman bzw. Sansibar die “Herrschaft“, die sich meist auf das Einkassieren eines jährlichen Tributs beschränkte.

 [27]

1892 pachtet und 1905 kauft Italien schließlich Mogadischu von Sansibar und macht es zur Hauptstadt seiner Kolonie Italienisch-Somaliland (das heutige Somaliland war hingegen britische Kolonie). Vor und während des Zweiten Weltkriegs gibt es viel Hin und Her, vor allem zwischen dem (zunächst faschistisch-expansiven) Italien und Großbritannien. In den 1950er Jahren ist Italienisch-Somaliland auf UNO-Beschluss hin italienisches Treuhandgebiet. 1960 schließlich werden sowohl das britische (26. Juni) als auch das italienische Somalia (1. Juli) unabhängig. Per 1. Juli 1960 bilden sie die Republik Somalia.

 [28]

Damit zieht jedoch kein Friede ein. Groß-somalische Ambitionen führen zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Kenia und Äthiopien. Während die 1960er intern demokratisch verlaufen, wird nach der Ermordung des Präsidenten 1969 Siad Barre Staatschef – und kann sich über zwanzig Jahre an der Macht halten, wobei er zunehmend diktatorisch agiert. Doch der Widerstand wird immer stärker, Siad Barre herrscht zuletzt nur mehr über Mogadischu und am 26. Jänner 1991 wird er abgesetzt und flieht.

Doch die ihn verjagt haben, können sich nicht einigen. Und zwischen den verschiedenen Fraktionen herrscht seither Bürgerkrieg. Und da mischen Islamisten (al-Shabaab) ebenso mit wie das Ausland (darunter die USA, die hier am 3. und 4. Oktober 1993 in der “Schlacht von Mogadischu“ die bis dahin größten Verluste seit dem Vietnamkrieg erleiden). Immer wieder besteht Hoffnung auf Frieden. Doch Wirklichkeit geworden ist sie bisher noch nicht…

[29]

Dilemma

Gescheiterte Staaten sorgen für eine Ausbreitung von Gewaltanwendung im Alltag. Südsudan und Somalia dienen mir hier als Beispiele, doch das gilt genauso für die Côte d’Ivoire der 2000er Jahre und für Libyen, seit dort Sarkozy, NATO & Co den Staat zerbombt haben. Wo der Souverän nicht funktioniert, das heisst zuvorderst, wo er seiner Aufgabe, nach Recht und Ordnung zu schauen nicht nachkommt – und zu diesem Zweck hat er ja theoretisch ein Gewaltmonopol –, überall dort wird es wichtig, sich zu bewaffnen.

Dazu ein paar einfache spieltheoretische Erläuterungen – die Grundzüge dieser Überlegungen verdanke ich meiner früheren Unicef-Kollegin Valentina Rios[30].

Die Spieltheorie beschäftigt sich mit strategischen Situationen, wo die “Ergebnisse“ für die Beteiligten davon abhängen, was andere Beteiligte für Entscheidungen treffen. Die einfachste Form der Darstellung ist in Matrix-Form und das simpelste Spiel ist eines, wo zwei SpielerInnen jeweils nur zwei Alternativen zur Auswahl haben. Das ist zwar sehr vereinfachend, passt jedoch ausgezeichnet, um die Entscheidung für oder gegen Anwendung von Gewalt zum Durchsetzen der eigenen Interessen in ihren Grundsätzen zu analysieren.

Die folgende Matrix zeigt die zwei “SpielerInnen“, links “Ich“, oben die oder der “Andere“. Beide haben wir die Wahl zwischen gewaltlosem oder gewaltsamem Vorgehen. In den vier Ergebnisfeldern sind die Kombinationen von Resultaten für mich (links) und Resultaten für die/den AndereN (rechts) angegeben, und zwar gereiht: bestes, zweitbestes, drittbestes und schlechtestes Ergebnis – unterschieden freilich jeweils für mich und die/den AndereN. Verwende ich eine Waffe, meinE Gegenüber hingegen nicht, so werde ich mich durchsetzen, bekomme, was ich will, meinE Gegenüber wird hingegen sein schlechtestes Ergebnis einfahren und wird verletzt werden. Und vice versa. Wählen wir beide dieselbe Strategie, so wird das Ergebnis unentschieden sein, keineR wird einen entscheidenden Vorteil haben, keineR wird sich durchsetzen. Dabei wird es bei beidseitiger Gewaltlosigkeit zu keinen Verletzungen kommen – bei beidseitiger Gewaltanwendung hingegen sehr wohl. Deswegen die zweitbesten Ergebnisse bei gewaltlos und nur die drittbesten, also zweitschlechtesten bei gewaltsam.

Wie werde ich mich entscheiden? Bin ich keinE absoluteR PazifistIn, geht es mir ums Ergebnis, so werde ich den Pfeilen der folgenden Abbildung entsprechend überlegen: Wählt die oder der AndereR gewaltloses Vorgehen, so schneide ich besser ab, wenn ich Gewalt anwende (bestes statt zweitbestes Ergebnis für mich). Und wählt die oder der AndereR gewaltsames Vorgehen, so schneide ich besser ab, wenn ich Gewalt anwende (drittbestes statt schlechtestes Ergebnis für mich).

Mit anderen Worten: Egal, was die/der Andere tut, meine beste Antwort ist gewaltsames Vorgehen. In der Spieltheorie heisst solch Klarheit “eine dominante Strategie“.

Da meine und der/des Anderen Alternativen und Ergebnisse ident sind (es handelt sich um ein “symmetrisches Spiel“), gilt dasselbe für sie oder ihn. Abermals zeigen die Pfeile auf die bevorzugte Strategie und sie ist auch diesmal, egal, wie “Ich“ entscheide, ein gewaltsames Vorgehen.

Kombinieren wir nun die beiden dominanten Strategien, so wird das Feld rechts unten Wirklichkeit werden – wir werden beide Gewalt anwenden. Hier die bildliche Darstellung – eingeringelt, was tatsächlich geschieht:

Das Ergebnis ist unentschieden, keineR von uns hat einen entscheidenden Vorteil, beide werden wir wahrscheinlich verletzt werden.

Das Ergebnis ist suboptimal[31]: Würden wir beide gewaltlos vorgehen, so würden wir beide ein besseres Resultat erzielen (nämlich das zweit- statt das drittbeste). Auch da hätte keineR einen entscheidenden Vorteil, aber wir würden beide unverletzt aus der Begegnung hervorgehen. Was ja im wirklichen Leben einiges zählt…

Es handelt sich um ein Dilemma[32]: Das beidseitig gewaltlose Pareto-Optimum – eine Situation, wo niemand besser gestellt werden kann, ohne eineN andereN schlechter zu stellen – scheint unerreichbar. Denn sogar wenn die KontrahentInnen eine Vereinbarung treffen sollten, ihre Waffen nicht zu gebrauchen, so ist für beide die Versuchung groß, ihr Wort zu brechen, winkt dann doch das allerbeste Resultat.

Und KontrahentInnen in Bürgerkriegssituation, oder in Situationen, wo kein Staat da ist, um nach dem Rechten zu sehen, sind ja selten gute FreundInnen, die sich gegenseitig vertrauen können.

Bleiben Leute, also zum Beispiel Beamte und Sicherheitskräfte, die nach dem Rechten schauen[33], abwesend, so braucht es, um aus diesem Dilemma auszubrechen, haltbare Vereinbarungen. Potentielle GewaltausüberInnen[34] sind einzubinden und sie müssen ein Interesse daran entwickeln, Gewalt ein für alle Mal bleiben zu lassen.

 

Endnoten:

[1] Hier ist nicht der ehemalige österreichische Schilling gemeint, sondern die somalische Währung, der Somalia Shilling.

[2] Freilich auch das britische, hier zuvorderst aber das südsudanesische Pfund.

[3] Von gescheiterten Staaten/failed states wird erst seit den frühen 1990ern gesprochen. Der vielleicht näher liegende Begriff “Staatsversagen“ war da schon vergeben, er bezeichnet in der Ökonomie das Pendant zum Marktversagen

[4] Eine 1957 gegründete “US non-profit, non-governmental research and educational institution”, die Konflikte mindern soll.

[5] Siehe http://fundforpeace.org/fsi/2018/04/19/fragile-states-index-2018-issues-of-fragility-touch-the-worlds-richest-and-most-developed-countries-in-2018/.

[6] An dritter und vierter Stelle folgen Jemen und Syrien. Dahinter kommen die Zentralafrikanische Republik und Kongo Kinshasa. Österreich liegt unter den 178 bewerteten Staaten auf dem komfortablen 165. Platz, Finnland ist top.

[7] Die Zande oder Azande leben im Südsudan, in Kongo-Kinshasa und in der Zentralafrikanischen Republik. Bekannt sind sie u.a. durch Evans Pritchard, der seinen ethnologischen Klassiker über “afrikanische Hexerei“ über die Zande schrieb (E. E. Evans-Pritchard, Witchcraft, Oracles, and Magic among the Azande, Abridged with an introduction by Eva Gillies, Oxford (Clarendon Press) 1976; erstmals publiziert: 1937). Um Hexerei geht es hier freilich gar nicht. Yanda-Figur der Zande aus dem späten 19./frühen 20. Jhdt, Brooklyn-Museum (Sammlung Afrikanische Kunst Nr. 73.154.2), leicht überarbeitet: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brooklyn_Museum_73.154.2_Yanda_Figure_Nazeze_Type.jpg.

[7a] Zur Rolle Deutschlands siehe German Foreign Policy, Aus den Einsatzgebieten der Bundeswehr (II), 9.10.2018, https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7746/.

[8] Sudan People’s Liberation Army, SPLA.

[8a] Dabei leistete Deutschland auch Entwicklungshilfe – Verzeihung: Entwicklungszusammenarbeit. 2007 startete die GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, deutsche EZA-Organisation, Vorläuferorganisation der heutigen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit/GIZ) in Juba ein zehn-jähriges “Programm zur Unterstützung des Staatsaufbaus“. Siehe German Foreign Policy, Zerschlagen und neu aufbauen, 29.10.2007, https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/3932/.

[9] Siehe Günther Lanier, Eritrea einmal anders, Radio Afrika TV, Wien 4.10.2017, http://www.radioafrika.net/2017/10/04/eritrea-einmal-anders/.

[10] Siehe Günther Lanier, Ein Phantomland hat gewählt. Somaliland hält sich gut, Radio Afrika TV, Wien 22.11.2017, http://www.radioafrika.net/2017/11/22/ein-phantomland-hat-gewahlt-somaliland-halt-sich-gut/.

[11] Schwert der Zande aus dem späten 19./frühen 20. Jhdt, Brooklyn-Museum (Sammlung Afrikanische Kunst Nr. 22.1575), leicht überarbeitet: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brooklyn_Museum_22.1575_Sword.jpg.

[12] Schon innerhalb der SPLA/Südsudanesischen Volksbefreiungsarmee war es zu Konflikten und Spaltungen gekommen.

[13] Siehe Günther Lanier, Ein Primus mundi unter einem Despoten, Radio Afrika TV, Wien 4.7.2017, http://www.radioafrika.net/2017/07/04/ein-primus-mundi-unter-einem-despoten/. Wenn kürzlich bekannt geworden ist, dass Uganda die Flüchtlingszahlen übertrieben hat – statt 1,4 Millionen seien es “nur“ 1,1 Millionen, siehe z.B. Patience Atuhaire, Uganda over-counted refugees by 20%, BBC Africa, 30.10.2018 um 10h44 –, so ändert das nichts an der Argumentation dieses Artikels. Übrigens befindet sich die Feministin Stella Nyanzi, um die es im zweiten Teil des Artikels geht, abermals im Konflikt mit Museveni – und dabei im Gefängnis. Siehe Patience Atuhaire, Uganda activist held for ‘abusing Museveni’, BBC 6.11.2018 um 10h42 und abermals BBC, Ugandan activist rejects bail to ‘teach Facebook’, BBC 8.11.2018 um 17h06.

[14] Siehe Luka Kuol, Why South Sudan faces collapse if peace pact fails – again, TheConversation 8.11.2018, https://theconversation.com/why-south-sudan-faces-collapse-if-peace-pact-fails-again-106188.

[15] Ebd. schreibt “revitalisiert“. Siehe ebd. für die Aussichten auf eine Verbesserung und Frieden.

[16] Zande-Männer mit Speeren, Schilden, Harfe, Foto: Richard Buchta zwischen 1877 und 1880, aus dem Bestand des Pitt Rivers Museum in Oxford, leicht überarbeitet: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Richard_Buchta_-_Zande_men_with_shields,_harp.jpg

[17] Ganz anders als im Sudan, wo sie sehr hoch ist, liegt die Rate im Südsudan gemäß UNICEF South Sudan, Situation Assessment of Children and Women in South Sudan 2015, p.129 unter 1%. Siehe https://www.unicef.org/appeals/files/UNICEF_South_Sudan_Situation_Assessment_of_Children_and_Women_2015.pdf. Siehe auch Thomson Reuters Foundation, 28TooMany, South Sudan: The Law and FGM, Mai 2018 https://www.28toomany.org/static/media/uploads/Law%20Reports/south_sudan_law_report_v1_(may_2018).pdf.

[18] 97,9% laut 28TooMany, siehe https://www.28toomany.org/country/somalia/

[19] Bei der Infibulation wird nicht nur weggeschnitten, sondern nachher auch zugenäht – nur für Urin und Regelblut wird ein kleines Loch gelassen. Die durch ihr Buch und den Film “Wüstenblume“ bekannt gewordene Waris Dirie ist Somalierin.

[20] Hier fahren die Schiffe auf dem Weg zum oder vom Suezkanal vorbei. Deswegen auch der EU-Einsatz gegen die somalische Piraterie.

[21] Inklusive des de facto unabhängigen Somaliland.

[22] Mogadischu auf Bruder Mauro’s Ostafrikakarte aus dem 15. Jhdt, aus: Enrico Cerulli, Somalia: Scritti vari editi ed inediti, in Schwarz-weiß transformiert: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fra_Mauro_Somalia.jpg.

[23] Vor allem in Somaliland. Einige Beispiele sind zu sehen auf Sean McLachlan, Somalia’s Forgotten Past: The Prehistoric Painted Caves of Somaliland, 5.11.2014, https://www.blackgate.com/2014/11/05/somalias-forgotten-past-the-prehistoric-painted-caves-of-somaliland/.

[24] Giraffe, von Shen Tu gelobpreist, Gemälde eines anonymen Malers auf Seide aus der Ming-Dynastie, National Palace Museum/Taipeh, in Schwarz-weiß transformiert: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ShenDuGiraffePainting.jpg.

[25] Möglich, aber m.E. unwahrscheinlich, wenn es schon so lange Handelskontakte gegeben hat. Auf seinen Reisen soll Sa’id of Mogadishu an der Westküste Indiens Ibn Battuta getroffen und ihm Informationen über China geliefert haben.

[26] Mogadischus Fakhr Ad-Din Moschee aus dem 13. Jhdt aus einer Zeichnung aus 1882, abgebildet in K.S. Loughran et al. (Hg.), Somalia in Word and Image”, Bloomington (Indiana University Press) 1986, leicht überarbeitet: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fakr_Ud_Din_Mosque.jpg.

[27] Verzierung über einem Eingangstor eines Korallenhauses in Mogadischu, Foto Siphon, 1980er Jahre, leicht überarbeitet: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Coral_house_mogadishu.JPG

[28] Der Almnara-Turm, ein befestigter Leuchtturm aus dem 15. Jhdt, Foto Vascoscream 2001, in Schwarz-weiß transformiert: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ancient-Almnara.jpg.

[29] Wurfmesser der Zande von vor 1955, Collectie Stichting Nationaal Museum van Wereldculturen Nr. 2429-103, in Schwarz-weiß transformiert: GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:COLLECTIE_TROPENMUSEUM_IJzeren_werpmes_TMnr_2429-103.jpg.

[30] Valentina Rios, Unicef Sudan Peace Building Initiative. Case Study, präsentiert beim Summer Program on Advances in Social Norms and social changes, an der University of Pennsylvania, 5.-16. Juli 2010.

[31] Es ist pareto-inferior, das heißt, ein anderes Ergebnis ist für alle besser.

[32] Ähnlich dem Gefangenendilemma, auch wenn das “Spiel“ ein ganz anderes ist.

[33] BürgerInnenwehren tendieren zum Ausfüllen vom Staat vernachlässigter Gebiete. Auch wenn es sich dabei nicht sowieso von Anfang an um Rechtsradikale handelt (wie zum Beispiel jüngst in Linz die Vikings Security Austria, siehe Orf vom 31.10.2018, https://ooe.orf.at/news/stories/2944410/), so besteht immer große Missbrauchsgefahr der hierbei angemaßten obrigkeitlichen Gewalt. Siehe auch das Problem der in Burkina Faso in den letzten paar Jahren aufgetauchten koglwéogos. Auch wenn die sich vernachlässigt fühlende Bevölkerung solche Initiativen überwiegend positiv bewertet – siehe z.B. Nicole Ouédraogo, 90% des populations de quatre régions favorables aux groupes d’autodéfense, selon une enquête, Lefaso.net, 15.10.2018. Auch islamistische Gruppen können dazu herhalten, die mangelhafte Versorgung durch den Staat zu kompensieren – siehe dazu, für die Peulh in Mali, Tor A Benjaminsen, What’s behind Mali livestock herders joining jihadist groups, TheConversation 12.11.2018 um 16h40.

[34] Es ist ja keineswegs so, dass einE jedeR im behandelten “Spiel“ die gleiche Ausgangsposition hat. Die Millionen südsudanesischen Flüchtlinge haben das Geld nicht, um sich Waffen zu besorgen, die sie den Regierungs- oder Rebellentruppen gleichstellen würden; ihnen bleibt nur das Erdulden – oder eben die Flucht.



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