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Mehr als Kunst.

Sprichwörter als Wegweiser und Indikatoren.

Günther Lanier, Ouagadougou 10.4.2019.

Dass Überlieferung nicht starr, Tradition nicht unverrückbar ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Freilich aber wird mancherorts an Bräuchen festgehalten, als garantierten nur sie allein das Fortbestehen der Gesellschaft – an der Exzision[1] zum Beispiel –, während andere im Handumdrehen verschwinden, ohne dass es irgendwen zu kümmern scheint. Gesichtsnarben zum Beispiel, die früher Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft signalisierten, gibt es heute kaum mehr.

Sprichwörter sind ein fester Bestandteil des nur scheinbar unveränderlichen Brauchtums, das uns von den Alten, von den AhnInnen hinterlassen wurde, um sie aufzubewahren und an zukünftige Generationen weiterzugeben. “Unsere Sprichwörter, Leitsprüche, Geschichten, Bezeichnungen usw. sind (…) sehr effiziente Methoden, wie eine Gesellschaft ihre Werte, Ethik, Erfahrungen und Geschichte erinnern kann.“[2]

Was ich sagen werde, ist wunderbarer als jeder Traum.
Und es handelt sich mitnichten um Albernheiten,
(…)
Auch ist es nicht die List, die meine Zunge bewegt,
vielmehr klingt sie klarer als die königliche Glocke,
und besser als der besonnenste Führer zeigt sie den Weg.
Mein Wort wird die mit Intelligenz Begabten ansprechen,
alle diejenigen, die meditieren und nachdenken.[3]

Das Zitat ist dem Vorspann zu einer der Initiation dienenden Geschichte der Peulh[4] entnommen – knapp 200 Seiten lang, befindet diese sich quasi am anderen Ende des Spektrums tradierter Worte. Doch Sprichwörter dienen demselben Zweck, nur eben auf kürzestmögliche, prägnante Art. Einprägsam wollen sie genauso sein.

 [5]

Sprichwörter, scheint mir, bilden den Kern schwarzafrikanischer “Hochsprachen“. Anders als in Europa oder im arabischen Sprachbereich werden solche “Hochsprachen“ nicht von den Eliten gesprochen, sondern eher von den Alten und den Weisen. Sie sind selten in der Stadt, sehr viel eher am Dorf zu hören. Sprichwörter sind eine hohe Kunst. Die Rede mit ihnen zu spicken, verleiht Ansehen. Erst durch sie erlangen Wörter Wirkungsmacht.

Für “Uneingeweihte“[6] bleibt ihr Sinn manchmal dunkel[7].

Doch Prestige ist nur ein sekundäres Produkt der Sprichwörter. Ihre Prägnanz und Erinnerungswürdigkeit dient vor allem der sozialen Steuerung – Weisheiten aus unvordenklicher Zeit, die uns von den AhnInnen hinterlassen wurden, damit wir es leichter haben im Leben.

Wobei es verschiedene Arten von Sprichwörtern gibt, insbesondere gibt es deskriptive und präskriptive.

 [8]

Jetzt haben sich sechs PsychologInnen, allesamt in Academia tätig, zusammengetan und versucht, über den Umweg der Sprichwörter den Akan – sie stellen etwa die Hälfte der Bevölkerung Ghanas[9] – auf die emotionelle Spur zu kommen[10].

Kulturelle Regeln sind nur teils explizit. Wie viele andere afrikanische Kulturen ist auch die der Akan nicht besonders “emotional“: Hauptanliegen ist, dass Gefühle das gesellschaftliche Leben nicht aus seinen geordneten Bahnen werfen. Eine der Methoden, die verwendet wird, um das zu erreichen, ist die, Emotionen wenig Platz zu lassen, sie “runterzuspielen“. Mit dieser Methode allein werden die Gefühle kaum ausreichend reguliert[11] werden können, zudem besteht die Gefahr des Verdrängens und spätestens seit Freud wissen auch psychologische LaiInnen ja, dass das desaströse Folgen haben kann.

Das “Runterspielen“ von Gefühlen erschwert freilich ForscherInnen – und seien sie erfahrene PsychologInnen – deren Aufspüren (sic!) und Behandeln. Während es in den USA[12] möglich ist, die Leute einfach zu fragen, würde das unter den Akan keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Kommunikation ist “high-context[13], das heißt, dass die geäußerten Wörter allein für ein umfassendes Verständnis des Gesagten nicht ausreichen, dass der Kontext eine große Rolle spielt: Mimik, Gestik, Vorauswissen, das Anspielungen genügen lässt… In “low-context“-Kulturen, wie eben zum Beispiel der US-amerikanischen, spielt das Rundum, der Kontext, hingegen eine geringe Rolle, die geäußerten Wörter enthalten in der Regel alle für erfolgreiche Kommunikation nötigen Informationen. Bei den Akan hingegen wird solcher Explizitheit das Symbolische und Indirekte vorgezogen.

Wo Gefühle nicht oder schlecht direkt angesprochen werden können, scheint es empfehlenswert, sich ihnen über ebendieses Symbolische und Indirekte zu nähern. Und genau das haben die sechs PsychologInnen getan. Sie haben aus einer umfangreichen Akan-Sprichwörtersammlung in einem ersten Schritt die herausgeklaubt, die sich mit Emotionen beschäftigen[14] und haben diese dann im zweiten Schritt analysiert und daraus ihre Schlüsse gezogen.

 [15]

Gefühle können positiv oder negativ sein, also angenehm oder unangenehm. Einige Beispiele von den Akan:

Negative Emotionen

“Ärger erzeugt lange Geschichten“ (wer sich ärgert, redet (zu) lange darüber)[16]

“Die Leute mögen den Frosch nicht, trinken aber das Wasser, in dem er lebt“ (es mag nötig sein, Zeit mit Leuten zu verbringen, die du nicht magst)

“Schreckst du davor zurück, dein Missfallen zu artikulieren, so werden sie dein Messer verwenden, um das Streifenhörnchen zu häuten“ (bist du nicht hart genug, so werden dich die Leute in kleinen Dingen ausnutzen)

“Niemanden zum Spielen zu haben, ist schlimmer als Armut“ (Einsamkeit gehört zum Schlimmsten)

“Beliebte Leute werden immer kritisiert“ (Neid hört nie auf)

“Schaust du weiter als deine Augenbrauen, so verirrst du dich“ (Stolz führt ins Verderben – ich nehme an, das meint etwas Ähnliches wie “Schuster, bleib’ bei deinem Leisten“)

“«Hätt’ ich das gewusst» ist immer zu spät“ (it’s no use crying over spilt milk/ist die Milch verschüttet, bringt Weinen sie nicht mehr zurück)

“Schande oder Tod – der Tod ist vorzuziehen“

“Wir werden sterben, aber sollen wir deswegen zu schlafen aufhören?“ (mach’ dir besser keine Sorgen über Unvermeidbares)

Positive Emotionen

“So mutig du bist, in ein Feuer kannst du nicht eindringen” (sogar den Mutigen sind Grenzen gesetzt)

“Wenn eine Eidechse dir Yams-Püree gibt, sag’ nicht, dass es nicht genug ist, weil mehr kann ihre Hand nicht fassen“ (sei dankbar, wenn Leute so viel für dich tun, wie sie können, erwarte nicht mehr, als sie geben können)

“Niemand lacht über Bedürftigkeit”

“Liebe ist rein”[17]

 [18]

Sprichwörter können Gefühlsregulierungsstrategien vorschlagen, Regeln zum Ausdruck bringen, Anweisungen für spezifische Emotionen enthalten, sie können kulturelle Vorschriften transportieren, die Kultur oder den sozialen Kontext (Normen, soziale Hierarchien, soziale Interaktionen) beschreiben oder positive und negative Folgen bestimmter Gefühle aufzeigen.

Emotionen regulieren

“Bist du bedürftig, so stirb nicht“ (verzweifle auch in der Not nicht)

“Aus Scham trägt Vater Spinne[19] einen Antilopenlederhut, um fürs Jäten seiner Felder um Hilfe zu bitten“ (er will etwas von dir, so verbirgt er, wie er wirklich ist)

“Ein großer Mann weint durch seine Pfeife” (ein großer Mann leidet still)

“Wenn du überall wund bist, geh’ nicht unter Leute” (wenn du weißt, dass du verletzlich bist, dann vermeide diejenigen, die dir wehtun könnten)

“Wenn eineR allein den Honig isst, weckt das seinen Magen“ (bekommt er oder sie Durchfall; Gier bringt Leid)

“Beim Begräbnis von jemandes anderen Mutter weinst du um deine eigene Mutter“ (der Kummer anderer erinnert dich an den deinen)

Beim Regulieren von Emotionen geht es um ihr Managen und oft ihr Umgestalten. Dazu stehen verschiedene Strategien oder Taktiken zur Wahl. Das Wahrnehmen der Situation kann verändert werden, das Reagieren auf die Situation kann angepasst werden, es kann auf ein bewusstes Selektieren von Situationen abgezielt werden, ein “Szenenwechsel“ kann vorgeschlagen werden (“Bist du unglücklich, sagst du: «Ich gehe nach Dawu[20] trinken»” (bist du unglücklich, suche Glück außerhalb deiner Gemeinschaft)) oder ein Gefühl kann als einer Situation adäquat, also “normal“ deklariert werden:

“Haben wir Sorgen, so träumen wir schlecht“ (was uns nahegeht, beunruhigt uns am meisten)

“Die kleinen Steine der verlassenen Stadt sagen: «der Tod ist schuld daran, dass wir zerstreut wurden»“ (Leute leiden an Umständen, die sie nicht beeinflussen können)

“Hast du Mitleid mit dem jungen Ducker[21], so isst du deine Suppe ohne Fleisch” (bist du zu mitfühlend, leidest du dafür)

 [22]

Regeln fürs Zeigen von Gefühlen

“Scham ist kein Kittel aus dem Norden, den wir nähen und tragen“ (wir machen nicht viel Aufhebens von unserer Schande)

“Ein Alter weint in seinem Kopf” (ein alter Mann zeigt seinen Kummer nicht öffentlich)

“Aus Ärger hält die Königinmutter den Fächer” (die Königinmutter wachelt mit dem Fächer, um ihren Ärger zum Ausdruck zu bringen)

Regeln für das Zeigen von Gefühlen können auf deren Abschwächen (Wir werden sterben, aber sollen wir deswegen aufhören zu schlafen?) oder Verstärken dringen (Schreckst du davor zurück, dein Missfallen zu artikulieren, so werden sie dein Messer verwenden, um das Streifenhörnchen zu häuten) oder auf ihr Maskieren (wie der Fächer, mit dem die Königinmutter ihren Ärger auf akzeptable Art ausdrückt), oder sie können neutral bleiben (eine Emotion kann als “normal“ deklariert werden/siehe oben). Dazu kommen noch die Kommentare, die sprichwörtlich für zwei unerwünschte Gefühle gemacht werden: Stolz und Scham.

“Es ist einzig Stolz, der die Eidechse dazu bringt, still liegen zu bleiben, wenn du einen Pfeil auf sie schießt“ (Stolz kann zu Angeberei werden)

“AlleswisserInnen wissen nichts” (brüstest du dich mit deinem Wissen, so ist das ein Zeichen von Ignoranz)

“Stolz bringt dir nichts als Schwierigkeiten“ (Hochmut kommt vor dem Fall)

Zwar wird ein gewisses Maß an Anerkennung von Erfolg befürwortet –

“Zur erfolgreichen Entbindung kann nie genug gratuliert werden” (Leute freuen sich immer über Erfolg)

– doch das Feiern von Erfolg darf nicht in Stolz ausarten.

Dass der Schande der Tod vorzuziehen ist, wurde oben schon sprichwörtlich ganz explizit festgestellt. Hier wird dasselbe anders formuliert:

“Kommt Schande über einen unabsetzbaren (“nicht entthronbaren“) paramount chief[23], so stirbt er durch den Mund“ (d.h. er nimmt Gift; ein großer Mann zieht den Tod der Schande vor)

Kulturspezifisches, Werte und anderes Grundlegendes

“Wenn Gott dich zufriedenstellt, ist es egal, ob du eine große Portion Fufu[24] isst“ (sei zufrieden mit dem, was du hast)

”«Erinnere dich an früher», sagen wir zu den Undankbaren” (sei stets dankbar für vergangene Hilfe”

”Salz sollte sich nicht selbst loben und sagen: «Ich bin süß»” (Eigenlob stinkt und Arroganz ist schlecht)

”Der Held Adu Takyi Bɔtonkuruwa sagt «Isst die Krabbe, so ist der Frosch eifersüchtig»“ (viele neiden anderen ihren Erfolg)

“Zorn verwandelt einen Mann in einen Muskelprotz“ (Zorn macht einen Schwachen gewalttätig)

”«Einst kannte er mich, jetzt kennt er mich nicht mehr», ist bitter” (der Verlust einer alten Freundschaft tut weh)

”Ein Alter achtet sein Kind, aber fürchtet es nicht” (ein alter Mann sagt allen Jüngeren geradeheraus, was er für die Wahrheit hält)

”Bist du in Gesellschaft eines Leoparden, fürchtest du dich im Busch vor niemandem mehr” (hast du einen mächtigen Freund, so brauchst du niemanden zu fürchten)

”Stirbt deine Mutter, so stirbst du nicht, kommt aber Schande über sie, so kommt auch über dich Schande”

”Teilt eine männliche Grille einen tödlichen Hieb aus, so geht ihr selbst ein Teil davon ins Aug” (hier wird vor Kampf und Streitigkeit gewarnt: auch im Fall des Sieges wirst du leiden)

”Ärger ist wie ein Fremder – er verweilt nicht nur in einem Daheim”

“Liebe vergibt Mängel“ oder auch “Wer dich liebt, liebt dich mitsamt all deinem Nonsens“

 [25]

Schlussfolgerungen

Während in individualistischeren Kulturen als Reaktion auf Ärgerliches und Zornerregendes Regulative Gefühle fördern, die Vergeltung und Wahrung der Selbstachtung fokussieren, so geht es in kollektivistischeren Kulturen zuallererst um den Erhalt der sozialen Harmonie. Selbstbeherrschung steht im Vordergrund. Für das Individuum, das seine Identität zu einem guten Teil aus seinem familiären und sozialen Netz konstruiert, ist das Management seiner Emotionen absolut wesentlich. Die Akan-Sprichwörter befürworten ganz überwiegend eine “anger-in“-Strategie, also ein Hemmen und Vermindern der negativen, ein friedliches Zusammenleben gefährdenden Gefühle des Ärgers/der Wut/des Zorns – im Gegensatz eben zu den sehr viel mehr auf die Einzelperson und den Wettkampf setzenden Kulturen der Satten Welt, die (freilich auch nur in gewissem Rahmen) eine “anger-out“-Strategie empfiehlt.

Positive Emotionen werden bei den Akan gefördert, von der individuellen über die familiäre bis hin zur gesamt-gemeinschaftlichen Ebene. Das Eindämmen der negativen Gefühle – bei denen immer wieder auf die Gefahr der “Ansteckung“ hingewiesen wird (insbesondere bei Ärger und Schande) –, ein generelles Herunterspielen von Emotionen und die Betonung der Wichtigkeit von Familie/Verwandtschaft und sozialen Beziehungen wie Freundschaft sollen zur Konstruktion einer auf Dauer überlebensfähigen Gemeinschaft beitragen.

 [26]

Um noch einmal auf das anfangs angesprochene Thema zurückzukommen, die gar nicht starren Traditionen: Haben wir keine Angst vor AhnInnen – sie sind Veränderungen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Tradition ist lebendig und entwickelt sich beständig weiter, lernt hier was dazu, gibt dort etwas auf, was sich als nicht mehr tauglich erwiesen hat, feilt an Bestehendem, erfindet Sprichwörter oder Geschichten… Der eingangs zitierte malische Weise hat einmal gesagt: “Es gibt Praktiken, die unsere AhnInnen selbst, kämen sie ins Leben zurück, hinfällig und überholt fänden.“[27]

 

Endnoten:

[1] Die verbreitetste Form weiblicher Genitalverstümmelung. Bei der Exzision werden Klitoris und (ein Teil der) kleine(n) Schamlippen entfernt. Siehe dazu das Kapitel 12 in Günther Lanier, Land der Integren. Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen, Linz (guernica Verlag) 2017, pp.477-551.

[2] Ich habe “record” mit “erinnern” übersetzt, was der Etymologie des Wortes entspricht, während der heutige Gebrauch eher zum schriftlichen Aufzeichnen tendiert. Kwesi Yankah, Traditional Lore in Population Communication: The Case of the Akan in Ghana, Africa Media Review Vol. 6 No. 1 1992, p.18, herunterladbar auf http://digital.lib.msu.edu/projects/africanjournals/html/itemdetail.cfm?recordID=989.

[3] Amadou Hampâté Bâ, Njeddo Dewal. Mère de la Calamité, Abidjan/Vannes (Nouvelles Editions Ivoiriennes/EDICEF) 1994, p.19. Übersetzung GL. Im Original: “Conte, conte, je veux conter un conte ! / (…) / Ce que je m’en vais dire est plus merveilleux qu’un songe ! / Pourtant ce ne sont pas des balivernes, / (…) / Ce n’est pas la ruse qui actionne ma langue, / elle tinte plus clairement que la cloche royale, / elle montre la route mieux qu’un guide avisé. / Ma parole intéressera tous les doués d’intelligence, / tous ceux qui méditent et réfléchissent. “

[4] Zu den Peulh oder Fulbe oder Halpulaar oder Fulani siehe auch Günther Lanier, Unter Generalverdacht. Die Fremden in unserem Inneren, Radio Afrika TV, Wien 27.3.2019, http://www.radioafrika.net/2019/03/27/unter-generalverdacht/. Dort erwähne ich auch kurz den hier zitierten Amadou Hampâté Bâ.

[5] Pieter Bruegel der Ältere 1559, Öl auf Eichenholz, 117x163cm, Der blaue Mantel (auch: “Die niederländischen Sprichwörter“ oder “Die flämischen Sprichwörter“); auf https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pieter_Brueghel_the_Elder_-_The_Dutch_Proverbs_-_Google_Art_Project.jpg können über hundert im Bild dargestellte Sprichwörter (auf Englisch) per Mauszeiger aktiviert werden.

[6] Ist hier im weitesten Sinn gemeint.

[7] Ich bin sicher, dass manch Mitglied des Ältestenrats eines Dorfchefs sein Renommee aufgebessert hat, indem er Sprichwörter erfunden hat, deren Bedeutung ihm selbst verschlossen blieb. Aber wenn sie gut klingen und gut ankommen…

[8] Stab des okyeame/Sprechers eines Akan-Chefs (“Akan Linguist staff“). Wobei “Sprecher“ oder das im Englischen übliche “linguist“ zu kurz greift, ein okyeame ist nicht nur Sprecher, er übt auch rituelle Funktionen aus und wird als Bote zu anderen Chefs gesandt. Ein Chef spricht nur mit anderen Chefs und den Ältesten direkt – Kommunikation mit allen anderen läuft über den okyeame. Der Stab ist wesentlicher Bestandteil seines Wirkens, ohne ihn kann er z.B. nicht als Sprecher des Chefs agieren. Foto Blackstorianwarrior 29.3.2018 ohne weiteren Infos, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Akan_linguist_scepter.jpg.

[9] Auch in der mittleren und östlichen Côte d’Ivoire gibt es Akan-SprecherInnen.

[10] Was folgt, stützt sich auf diesen Artikel: Vivian A. Dzokoto, Annabella Osei-Tutu, Jane J. Kyei, Maxwell Twum-Asante, Dzifa A. Attah, Daniel K. Ahorsu, Emotion Norms, Display Rules, and Regulation in the Akan Society of Ghana: An Exploration Using Proverbs, Frontiers in Psychology 2018; 9: 1916. Online veröffentlicht am 31.10.2018. doi: 10.3389/fpsyg.2018.01916, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6220724/.

[11]Emotion regulation“ ist ein zentraler Begriff und Hauptfokus in dem hier wiedergegebenen Artikel.

[12] Die USA und manchmal Japan dienen den AutorInnen in der Einleitung des Artikels als Referenzgrößen.

[13] Die Begriffe high– bzw. low-context culture/communication wurden 1976 vom US-amerikanischen Anthropologen Edward T. Hall in seinem Buch Beyond Culture erfunden.

[14] Von 7.015 Sprichwörtern behandeln 285 Gefühle. Die 7.015 sind Appiah P., Appiah A., Agyeman-Duah I., Bu Me Be: Proverbs of the Akans, 2. Ausgabe, Oxfordshire (Ayebia Clarke Publishing) 2007 entnommen.

[15] Terrakotta-Kopf der Akan, zwischen 1690 und 1710, Foto Sailko 1.11.2016 im Metropolitan Museum of Art (wie es das “mma“ im Namen der Datei angibt oder Cleveland Museum of Art, wie es auf der Webseite heißt), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ghana,_akan,_testa_mma,_terracotta,_1690-1710_ca.jpg.

[16] Hier und in der Folge übersetze ich die Englisch-Übersetzungen der in Tabellen untergebrachten Sprichwörter sowie, etwas freier und in Klammern nachgereiht, die in der letzten Spalte angeführten Erklärungen der AutorInnen. Die Tabellen enthalten auch die Akan-Originale.

[17] David Bowie muss an dieses Sprichwort gedacht haben, als er “Fill Your Heart“ sang (Just remember, lovers never lose / ‘Cause they are free of thoughts unpure / And of thoughts unkind / Gentleness clears the soul / Love cleans the mind and makes it free) – siehe seine wunderbare Platte Hunky Dory aus 1971.

[18] Ring mit Frosch, Goldlegierung, ca.1950, Foto Sailko 1.11.2016 im Indianapolis Museum of Art, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ghana,_akan,_anello_con_rana,_lega_d%27oro,_1950_ca.jpg

[19] Eine wichtige Figur in afrikanischen Fabeln.

[20] Ich nehme an, es handelt sich um die Stadt in Ghanas Ost-Region.

[21] Kleine Waldantilopen (Cephalophini).

[22] Fledermausförmiges Gewicht zum Goldstaubwiegen, Messing, 3×6,5×5,3cm, 84,7g, Museum von Toulouse, Foto Roger Culos am 23.10.2014, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Akan_MHNT.ETH.2010.25.042-fond_blanc.jpg.

[23] Quasi ein Oberchef. “KönigIn“ konnte im britischen Empire nur die/der in London sein, “chief“ waren die “kleinen“ Chefs, so wurde der Terminus “paramount chief“ geprägt; “paramount“ heißt obersteR, höchsteR, vorrangigeR, Haupt-…

[24] Grundnahrungsmittel, nicht nur in Ghana. Aus gekochtem und gestampftem Yams, Maniok und/oder Kochbananen.

[25] Aus Holz geschnitzte Schlange mit Frosch im Mund, spätes 19./frühes 20. Jhdt, Brooklyn Museum, Foto Brooklyn Museum, nicht datiert, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brooklyn_Museum_82.158.2_Figure_of_a_Serpent_Frog_in_Mouth_(2).jpg.

[26] Aus Holz geschnitzte Schlange mit Frosch im Mund, spätes 19. oder frühes 20. Jhdt, Brooklyn Museum, Foto Brooklyn Museum, nicht datiert, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brooklyn_Museum_82.158.2_Figure_of_a_Serpent_Frog_in_Mouth.jpg.

[27] Amadou Hampâté Bâ, Übersetzung GL. Im Original : “Il y a des pratiques que nos ancêtres eux-mêmes, s’ils revenaient à la vie, trouveraient caduques et dépassées“. Ich weiß nicht, ob Hampâté Bâ das geschrieben oder gesagt hat – das Zitat ist zwar oft und überraschend wortgetreu zu finden, eine Quelle habe ich dabei jedoch noch nie gesehen.

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