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Ministerin für Integration und Geschlechtergleichstellung – Die Vorzeige-Schwedin

Okt 7th, 2009 | By Lady-Soul | Category: Interessantes

Nyamko Sabuni entspricht nicht dem Bild, das man von Skandinavierinnen hat.  Es fällt ihr schwer, sich anzupassen: Sie ist klein und schwarz, hellwach im Kopf und von einer steten Unruhe getrieben. Schlimmer noch: Als Ministerin für Integration und Gleichstellung redet sie Tacheles – eine Todsünde im Land des Gleichgewichts! In Schweden gehört es zum guten Ton, über Ausländer nicht laut zu lästern.               

Nyamko Sabuni aber bereitet das Provozieren sichtlich Freude: Sie will das Kopftuch für Mädchen unter fünfzehn verbieten und in den Schulen gynäkologische Kontrollen einführen, um junge Frauen vor der Beschneidung zu bewahren. Muslimische Freischulen müssen um die staatlichen Mittel fürchten, seit sie von der Ministerin für Integration und Gleichstellung pauschal als „Rekrutierungsbasen künftiger Selbstmordattentäter“ verdächtigt werden. „Religionsschulen haben in der säkularen Gesellschaft nichts zu suchen“, legt Sabuni nach und forscht im Gesicht des Gegenübers nach der Wirkung ihrer Worte: „Den Eltern geht es nicht um Bildung, sie wollen die Töchter unter Kontrolle bringen. Wer seine Kinder religiös erziehen will, der soll das in seiner Freizeit tun.“ In Schweden sieht sie 100000 Frauen als Gefangene ihrer zugewanderten Sippen zu archaischen Lebensmustern gezwungen, von Zwangsehen bedroht und Gewalt ausgesetzt. Für diese Ausgelieferten zwischen den Welten will sie eine Stimme sein: „Die Mädchen mögen meinetwegen treue Ehegattinnen werden, doch zuvor sollen sie freie Frauen sein dürfen.“        

Neulich wurde sie mit dem Tode bedroht. Seitdem mühen sich bullige Leibwächter der Polizeitruppe Säpo, mit dem zierlichen Energiebündel Schritt zu halten. Sabuni teilt kräftig aus, zieht im Kulturkampf aber selbst die Schmähungen gleich kübelweise auf sich. „Sie kümmert sich nur noch um ihre Karriere, hat keine Verbindung mehr zu ihren Wurzeln“, ätzt Helena Benaouda, Vorsitzende des Muslimrates, der größten muslimischen Organisation in Schweden. Kurdo Baksi fordert die umgehende Entfernung der „Islamophoben“ aus dem Ministersessel. Der Publizist mit kurdischer Abstammung wirft Sabuni und ihrer nach rechts driftenden liberalen Volkspartei eiskalten Populismus vor. Als „Onkel Tom“ könne die eloquente Quotenfrau den „Missbrauch der Gastfreundschaft“ beklagen, die „Grenzen der kulturellen Vielfalt“ aufzeigen und die Abschiebung von „kriminellen Ausländern“ fordern. Parolen, die sich die politisch korrekten Vordenker um den biederen Parteichef Lars Leijonborg niemals erlauben dürften.       

Sabuni, vor 37 Jahren in Burundi geboren, kam 1981 als Zwölfjährige mit ihrer muslimischen Mutter und fünf Geschwistern ins winterkalte Schweden. Ihr christlicher Vater hatte als Dissident im Kongo, damals Zaire, etliche Monate im Gefängnis gesessen, konnte die Familie ins nordische Exil nachholen. Tochter Sabuni studierte Jura und Kommunikation an Schwedens Eliteschmiede, der Universität von Uppsala. Kränkungen will sie nie erlebt haben, auch wenn ihre Bewerbungen in die PR-Branche zunächst ins Leere liefen – oft genug mit dezentem Hinweis auf ihre Hautfarbe.             

Mitte der Neunziger lag Schweden wirtschaftlich am Boden. Mit dumpfen Parolen gegen Fremde ging die Protestpartei „Ny Demokrati“ auf Stimmenfang. In Trollhättan setzte der jugendliche Mob eine Moschee in Brand, die braven Bürger spendeten Beifall. Am Ende habe sie die Ermordung eines jungen Studenten von der Elfenbeinküste wachgerüttelt, erinnert sich Sabuni: „Es war ein Schweden, das ich so nicht kannte. Die Empörung darüber hat mich in die Politik getrieben.“ Rasant verläuft fortan ihre Karriere: Mit 27 Jahren sitzt sie im Vorstand der Liberalen Jugend, mit 33 zieht sie in den Reichstag ein. Im Oktober 2006 holt sie der Konservative Fredrik Reinfeldt als erste Ministerin aus Schwarzafrika in seine Mitte-rechts-Regierung.          

Von den neun Millionen Schweden sind zwölf Prozent im Ausland geboren oder Kinder von Zugewanderten. Einwanderer klagen über „strukturelle Diskriminierung“ bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Kaum ein Akademiker findet eine Anstellung, die seiner Qualifikation entspricht. Viele lassen ihren Namen ändern, damit er schwedischer klingt. In stigmatisierten Vierteln wie Malmö-Rosengård oder Stockholm-Rinkeby kann man ohne Berührung mit der schwedischen Gesellschaft leben, vom Sozialamt einmal abgesehen. Sabuni kennt die Klagen, doch sie lehnt es ab, Einwanderer immer nur als Sozialklienten zu behandeln: „Die Sozialdemokraten haben die Leute in die Abhängigkeit und in die Isolation getrieben.“ Kaum im Amt ließ sie die staatliche Integrationsbehörde abwickeln. Auch dem Zentrum gegen Rassismus, das pikanterweise von ihrem Onkel Mkyabela Sabuni geleitet wird, drehte sie den Geldhahn zu.               

„Sprache und Arbeit sind die Schlüssel zur Integration“, lautet das Credo der Ministerin. Mit Lohnsubventionen und Beihilfen für die Selbstständigkeit will sie ihre Klientel aus der „erstickenden Fürsorge“ des Sozialstaats befreien. Selbst hat sie das schwedische Modell als eine Kette von Gelegenheiten schätzen gelernt, nicht zuletzt die Familienpolitik: Carl Bergquist, der Vater ihrer beiden fünfjährigen Zwillinge, hält ihr daheim den Rücken frei, kümmert sich um den Haushalt und um die Kinder. Ohne ihren aufgeklärten Mann hätte es die Politikerin Nyamko Sabuni wohl nie gegeben.

Quelle: von Alexander Budde
www.weltreporter.net



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