„African Press Day 2011” – Internationales Symposium

DIE ÖSTERREICHISCHE BERICHTERSTATTUNG ÜBER KRISEN UND KONFLIKTE AUF DEM AFRIKANISCHEN KONTINENT

Am Beispiel der Berichterstattung über den Konflikt in Lybien

Worum geht es:
Der African Press Day 2011 widmet sich der Berichterstattung über Krisen und Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent. Es wurde bereits in vielen Veranstaltungen das Vermitteln eines positiven Bildes über Afrika – auch in der Berichterstattung – eingefordert. Es geht nicht darum, zeigen zu wollen, dass es in Afrika keine Krisen bzw. Konflikte gibt, sondern es soll gezeigt werden, dass durch eine einseitige Sichtweise in den Berichten ein Bild reproduziert wird, dass keine Objektivierung der Sachverhalte zulässt. Im Unterschied zu vielen bereits stattgefundenen Veranstaltungen und Diskussionen will RATV beim heurigen African Press Day nicht Krisen negieren oder problematische Situationen ignorieren, sondern aus einer neuen Perspektive an das Thema herantreten. Es sollen die mediale Berichterstattung in Österreich und ihre Hintergründe analysiert werden. Auf die Analyse folgt die ausschlaggebende Frage: Wie sollen Journalist_innen mit Krisen bzw. konfliktreichen Situationen in ihrer Arbeit umgehen? Welche Möglichkeiten der politisch korrekten und realitätsnahen Berichterstattung gibt es? Der Konflikt in Lybien ist ein gutes Beispiel für eine je nach Land divergierende Berichterstattung, denn es treffen viele unterschiedliche Interessen aufeinander.

Bericht über den African Press Day 2011:
Wie wird über Krisen auf dem afrikanischen Kontinent berichtet?

Berichterstattung wird durch eine Vielzahl an Faktoren geprägt, die eine Verzerrung der Lage zur Folge haben können. Meist entsteht in einem gewissen geographischen und politischen Raum eine einseitige Perspektive, die u.a. durch Medien an die Öffentlichkeit transportiert wird. Es geht teilweise so weit, dass gewisse Informationen keine Erwähnung in den Medien finden.

Wie sieht die österreichische Berichterstattung in Hinblick auf Krisen und Konflikte am afrikanischen Kontinent aus? Dieses Thema machte sich der diesjährige African Press Day, der am 18. November 2011 im ORF- Zentrum am Küniglberg stattfand, zum Fokus. Aus aktuellem Anlass wurde der Konflikt in Libyen als Beispiel herangezogen.

Nachdem der Ist-Zustand der Berichterstattung präsentiert wurde, wurde ein Soll-Zustand diskutiert. Durch eine Analyse von Expert_innen, Journalist_innen und Interessierten wurde versucht die aktuelle Lage zu konstatieren. Durch Beiträge der Referent_innen sowie durch eine abschließende Diskussion wurden Schwachstellen der Berichterstattung gesucht und Verbesserungsmöglichkeiten präsentiert.

Nach einer Begrüßung durch den Gastgeber Dr. Klaus Unterberger (ORF) sowie dem Vereinsobmann Mag. Alexis Nshimyimana Neuberg (Radio Afrika TV) wurden in zwei Panels verschiedene Aspekte der Berichterstattung behandelt. Im ersten Teil gab es Präsentationen zum Soll- und Ist-Zustand sowie zu den Machtverhältnissen. Dabei konnten die Referent_innen unterschiedliche Positionen und Erfahrungen teilen. Dazu eingeladen waren Margit Maximilian (ORF), Joe Taylor (Verein PANAFA), Wieland Schneider (Die Presse) und Friedrich Hausjell (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft). Nach einer Pause wurde im zweiten Teil die Thematik auf den Ethikaspekt und die Rolle von NGOs gelegt. Hier wurde die Position von NGOs kritisch hinterfragt. Die Referent_innen waren hier Konrad Mitschka (ORF), Michaela Krimmer (Südwind-Magazin), Anja Appel (katholische Frauenbewegung) und Heinz Patzelt (Amnesty International). Durch die Diskussionen führten uns die Moderator_innen Petra Narava (Globale Verantwortung) und Alexis Nshimyimana Neuberg.

Die abschließende Gesprächsrunde gab Raum für Verbesserungsvorschläge. Unter anderem wurde angeführt, dass ein Bewusstsein für eine reflektierte Auseinandersetzung gefördert werden müsse, aber auch dass mehr Ressourcen nötig seien, um ein diversifiziertes Bild über afrikanische Länder und gegebenenfalls über Konflikte in den Medien zu zeichnen. Stereotype Bilder sollten als solche entlarvt werden und es sollte den Mut geben, andere Formen der Darstellung zu veröffentlichen.

Erklärtes Ziel dieses Symposiums war es, die Selbstreflexion der Berichterstatter_innen zum Thema „Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent“ anzuregen. Die Ergebnisse dienen schlussendlich der Erstellung eines Handbuchs zur politisch korrekten Berichterstattung über Themen, die Afrika betreffen, das im Jahr 2012 erscheinen wird und als Orientierung dienen soll.