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AudioSlut Garden – ‘Black to the Future’

Titelbild

Die Couch, eingehüllt in eine flauschige grüne Decke, lädt zum Platznehmen ein. Ich setzte die Kopfhörer der Audioinstallation ‚Death = Beauty‘ auf und satte Klänge wabern vorbei, dann nur noch ein Ton. Ein Summen, eine Konstante. Ich sitze auf einem Sofa in der Masc Foundation, einer Plattform für niederschwelligen Austausch zwischen Künstler*innen und Publikum im Brunnenviertel. Es ist der Eröffnungstag der Ausstellung My Servant’s Master oder AudioSlut Garden. Immer wieder kommt jemand vorbei, setzt die Kopfhörer auf und nimmt sie nach wenigen Sekunden wieder ab. Schließlich gibt es aus den Kopfhörern momentan nicht mehr als den einen Ton zu hören. Doch ich lasse mich davon nicht beirren. Letztlich richtet sich die Ausstellung dezidiert an „neugierige Seelen“. Daher beginne ich mir den Raum, der von Rebekah Alero und Day Eve Komet gestaltet wurde, genauer anzusehen. Die unzähligen Farben, Tupfer und Muster. Da verändert sich der Ton plötzlich. Wird lauter, voller. Wird Musik. „I don’t like to speak.“ sind die ersten Worte, die durch die Kopfhörer zu mir durchdringen und diese fünf Worte haben etwas sonderbar Intimes, Persönliches. „Im August 2021 werden wir die Öffentlichkeit einladen, sich zu besinnen“ schreiben die Künstler*innen über das Erlebnis AudioSlut Garden. Das ist ihnen definitiv gelungen.

Bunte Farbtupfen in Orange, Gelb, Grün und Violett. 'The Space is yours' in schwarzer Farbe in der Mitte.
Beasts Explore Love in Energetic Forces’ von Day Eve Komet und Vince Yng ©Mara Köhler

Ein Portal für intime Trauerprozesse

Selbstverständlich triftt das nicht nur auf die Soundscapes, die im vorletzten Raum des „Gartens“ angesiedelt sind, zu. Dass die sieben Künstler*innen, die My Servant’s Master erschaffen haben, die Ausstellung als Portal bezeichnen, ist mehr als passend. Ein Portal, dass diese intimen Prozesse der Trauer mit denen die Macher*innen von AudioSlut Garden als trans- und queere BIPoCs konfrontiert sind, auch für ein breiteres Publikum öffnet. Trauer, Schmerz, Veränderung – entlang dieser Themen hangeln sich die Besucher*innen von Raum zu Raum, von Fotografie, zu Film. Immer tiefer hinein in den Garten. Stetiger Begleiter dabei ist das Handbuch, das gleich beim Eingang aufliegt. Selbst ein Stück Kunst durch die Fotos von Michelle Gutiérrez und die Grafiken von Vince Yng, trägt es wesentlich zum interaktiven Charakter der Ausstellung bei.

Ein Gesicht in Wasser. Weiße Arme, die an Schwarzen Beinen ziehen, Hände, die aus dem Wasser ragen. Drei Fragen
Illustrationen von Vince Yng, Manual von AudioSlut Garden ©Mara Köhler

Afrofutorismus – neue Welten, neue Möglichkeiten

‚We are Beautiful‘, der erste Raum der Ausstellung, gestaltet von Adrian Blount und Day Eve Komet, zelebriert in den Fotografien von Michelle Gutiérrez die Schönheit der Künstler*innen in afrofutoristischer Ästhetik. Wobei Ästhetik hier zu kurz gegriffen ist – ist doch die Programmatik von AudioSlut eng mit dem Streben nach einer neuen, anderen Zukunft verbunden. Eine Zukunft, die umso wichtiger wird, wenn Vergangenheit und Gegenwart oft von Trauer und Schmerz geprägt waren und immer noch sind. Eine Realität für die trans- und queeren BIPoC, deren Geschichten uns durch die Künstler*innen rund um die Londoner*in AudioSlut erzählt werden. Dennoch sind diese Themen unweigerlich mit Fragen nach Heilung verknüpft, die auch an das Publikum gestellt werden. „How do you honour yourself?”. Oder auch „What have you learnt to accept over time?“ ermöglichen einen tieferen Dialog mit den Werken und nichtwestlichen Heilpraktiken.

Links halten zwei rotbraun/Schwarze Hände einen Ballen von in einander verhedderten Körpern in allen Farben. Die Fingernägel der Hand sind rot lackiert. Rechts sieht man die ineinander verschränkten Körper vergrößert. Darunter drei Fragen
Illustrationen von Vince Yng, Manual von AudioSlut Garden ©Mara Köhler

‘Gardens Rarely Involve Easy Fruit’

Diese Auseinandersetzung findet in vielen Fällen durch das Motiv des Gartens statt. Kontrastiert mit rassistisch motivierten Hasstaten in filmischer Kollage, ein Gesicht rahmend in einer Fotografie oder plakativ als Blumenvase in einer der zahlreichen Nischen des Ausstellungsraums. Der Untertitel des Filmes im dritten Raum ‚This Is a Moving Vision of our Life‘, illustriert die Polaritäten von Gegenwart und Zukunft, die auch ‚We are Beautiful‘ kennzeichnen: Ausschnitte von Hitlerreden und eine Schwarze[1] Hand, die durch ein Feld von duftigen Blumen streift. Eine Schwarze Person, die das Gesicht in den Händen vergräbt und kurz danach in selbstbewusster Pose. Trauer und Schmerz aber auch Heilung und Hoffnung liegen stets nah beieinander.

Eine Schwarze Person mit halbgeschlossenen Augen und schwarzem Tuch um den Kopf blickt der Kamera entgegen.
‘I live in Colour, from Here We Saw the World’ von Adrian Blount, Day Eve Komet, Darius Iromlou, Katrina Singleton und Xana ©Mara Köhler

Letztlich können die vielfältigen Medien, Identitäten und Phasen der Trauer nur durch einen Besuch in der Grundsteingasse 40 im 16. Bezirk erlebt werden. My Servant’s Master ist noch bis 02.09. täglich von 14:30-20:30 Uhr in der Masc Foundation zu sehen, zu hören und mitzugestalten.
Besonders Kulturbegeisterte können anschließend Re:Present Unlearning Racism im Weltmuseum einen Besuch abstatten.

Die Inhalte dieses Artikels wurden dem Begleitheft zur Ausstellung, der Website und dem Instagram-Account von AudioSlut Garden entnommen.

Titelbild: ‘DEATH = BEAUTY. A Dream Audio Presentation on Paradise Also Includes Nothing’ von Rebekah Alero und Day Eve Komet ©Mara Köhler


[1] Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt, nicht biologische Eigenschaften.

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