Radio Afrika TV

Die afrikanische Diaspora

Günther Lanier, Ouagadougou, 26.5.2021

Alle sind wir Menschen afrikanischer Abstammung, denn auf dem afrikanischen Kontinent stand ja die “Wiege der Menschheit“[1].

Doch werden wir die “afrikanische Diaspora“ in diesem Artikel nicht so weit fassen.

Mich interessiert hier die Ausstrahlung Afrikas in den Rest der Welt und ich versuche eine Messung, eine ungefähre Quantifizierung seiner Präsenz anderswo – über “seine“ dort lebenden Menschen[2].

“Diaspora“ (altgriechisch διασπορά) bedeutet wörtlich “Zerstreuung, Verstreutheit“ und bezieht sich auf religiöse, nationale, kulturelle oder ethnische Gemeinschaften in der Fremde, nachdem sie ihre traditionelle Heimat verlassen haben und mitunter über weite Teile der Welt verstreut sind. Lange Zeit bezog sich der Begriff nur auf das Exil des jüdischen Volkes und seine Zerstreuung außerhalb des historischen Heimatlandes[3], war also negativ konnotiert.

Für die Afrikanische Union – lassen wir ihr die Definitionshoheit? – umfasst die Afrikanische Diaspora Menschen afrikanischen Ursprungs, die außerhalb des Kontinents leben, egal welcher Nationalität oder Staatsbürgerschaft sie sind[4]. 2005 hat die Afrikanische Union die Afrikanische Diaspora formell als die “sechste Region“ ihrer Zuständigkeit designiert[5]. Sie ging dabei von einer Zahl von ungefähr 170 Millionen aus[6].

Colin Palmer[7] unterschied Die erste davon habe ich gleich eingangs ausgeschlossen, es handelt sich um die Ausbreitung des homo sapiens außerhalb des afrikanischen Kontinents, die vor gut 100.000 Jahren begann. Und auch Palmers zweiter “Strom“ interessiert uns hier nicht, handelt es sich doch um eine innerafrikanische Diaspora, die Wanderbewegung der Bantu aus dem nigerianisch-kamerunischen Grenzgebiet, die ein paar tausend Jahre[8] vor unserer Zeitrechnung begann und die Bantu nach Ostafrika und bis ins südliche Afrika führte.

Weiterlesen unter https://www.africalibre.net/lang/deutsch/startseite.php

* * *

Endnoten:

[1] Siehe dazu auch Günther Lanier, Wo wir (her) sind. Sehnsucht nach Ursprung, Radio Afrika TV, Wien 6.11.2019, https://www.radioafrika.net/wo-wir-her-sind/.

[2] Das dem Artikel vorangestellte Foto zeigt schwarze kanadische Babies. Foto Atkinson Brothers 1898, British Library accession number HS85/10/9795, überarbeitet GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Black_Canadian_babies_(HS85-10-9795).jpg. Der Originaltitel lautet: “Picaninies. A study in colour“. Picaninies nannten zunächst Leute der westindischen Inseln ihre “Kleinen“, das portugiesische oder spanische Wort für “klein“ dürfte Pate gestanden haben. In Nordamerika erhielt das Wort einen abwertenden, rassistischen Beigeschmack und wurde nur auf schwarze Kinder angewandt.

[3] Nach https://de.wikipedia.org/wiki/Diaspora.

[4] Afrikanische Union, Report of the Meeting of Experts from Member States on the Definition of the African Diaspora, Addis Abeba, 11.-12. April 2005, zitiert in Sonia Plaza, Dilip Ratha (Hg.), Diaspora for Development in Africa, Washington D.C. (Weltbank) p.55, Übersetzung GL.

[5] Die 5 anderen sind Nord-, West-, Zentral-, Ost- und das südliche Afrika. Schon 2003 hatten die StaatschefInnen bei einem Gipfeltreffen die afrikanische Diaspora als eine “effektive Entität“ anerkannt, die zur Entwicklung Afrikas beitrage. Siehe ”From the Diaspora to the Sixth Region” auf https://stateofafricandiaspora.international/the-6th-region/. Die formelle Designation als 6. Region folgte 2005. Siehe Sonia Plaza, Dilip Ratha (Hg.), Diaspora for Development in Africa, Washington D.C. (Weltbank) p.36.

[6] Terri R Lituchy gibt dazu mit Verweis auf die Afrikanische Union eine grobe Aufschlüsselung: 112,6 Millionen in Südamerika (vor allem Brasilien, Kolumbien, Venezuela), 39,2 Millionen in Nordamerika (USA, Mexiko, Kanada) und 13,5 Millionen in der Karibik. Bleiben 4,7 Millionen für Europa, Asien und Australien. Terri R Lituchy, Editorial. Journal of African Business – Special Issue on the Diaspora, 26.4.2019, https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15228916.2019.1578938.

[7] 2019 verstorbener jamaikanischer Professor für Geschichte und Afroamerikanische Studien an der Princeton-Universität. Vor allem als Experte der Afrikanischen Diaspora bekannt.

[8] Palmer’s Artikel, den ich hier referiere, stammt aus 1998, da schreibt er von 3.000 vor unserer Zeitrechnung. Mittlerweile wird der Beginn der Bantu-Migration offenbar mit dem Jahr -2.000 angenommen. Siehe Colin Palmer, Defining and Studying the Modern African Diaspora, Perspectives on History, 1.9.1998, https://www.historians.org/publications-and-directories/perspectives-on-history/september-1998/defining-and-studying-the-modern-african-diaspora.

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