Radio Afrika TV

Hochwasser und andere Nöte im Sudan. Ideale Voraussetzungen für Trumps Erpressung.

Günther Lanier, Ouagadougou, 28.10.2020

Es ist, als wolle das Schicksal den Sudan verhöhnen: Da beklagt der Staat sich an der Seite Ägyptens darüber, dass Äthiopien zu viel Wasser des Blauen Nils für sich und seinen Renaissance-Staudamm beansprucht, und jetzt “haben sie den Scherben auf“: Seit Menschengedenken hat der Nil nicht für derartige Überschwemmungen gesorgt. Das Zuviel an Wasser ist zudem bei Weitem nicht das einzige Problem des leidgeprüften Landes.

Im Gefolge der letztwöchigen Wiedergeburt Äthiopiens aus einem Staudamm[1] widmet sich der heutige Artikel zunächst dem Problem des Wassers, diesmal eben seinem Zuviel insbesondere rund um die sudanesische Hauptstadt Khartum. Dann weitet er den Blick auf die Gesamtlage des Landes eineinhalb Jahre nach dem Sturz Umar al-Baschirs und eineinviertel Jahre nach Einsetzung der aus Militärs und ZivilistInnen bestehenden Übergangsregierung.

Das dem Artikel vorangestellte Satellitenbild[2] zeigt den Zusammenfluss von Blauem und Weißem Nil in der Trockenzeit. Der längere Weiße Nil – im Bild links, sehr viel breiter – kommt aus dem Süden, aus Uganda. Der Blaue Nil kommt aus dem Südosten, er entstammt dem äthiopischen Hochland. In der Trockenzeit führt er weniger Wasser als sein weißer Bruder, in der Regenzeit deutlich mehr. Khartum liegt zwischen Weißem und Blauem Nil, also in der unteren Mitte der Karte. Khartums Schwesterstadt im Nordwesten (links oben) heißt Omdurman. Im Nordosten, also rechts oben, liegt Bahri (Nord-Khartum). Kurz vor dem Zusammenfluss spaltet sich der Blaue Nil und umschließt die Tuti-Insel. Ab dem Zusammenfluss sprechen wir vom “Nil“, der auf seiner Reise nordwärts bis zum Mittelmeer ein “Fremdlingsfluss“, ein “diarheischer Fluss“ ist: Während der Wüstendurchquerung hat er kaum mehr Zuflüsse.

In der Agglomeration Khartum leben über 5 Millionen Menschen, davon mehr in Omdurman als in Khartum i.e.S. Die Metropole hat sich schnell entwickelt, seit der Unabhängigkeit 1956 hat sich die Zahl der EinwohnerInnen mehr als verzwanzigfacht. Das rasante, großteils unkontrollierte Wachstum ist ein Hauptfaktor, warum die sudanesische Hauptstadt von den heurigen Überschwemmungen hauptbetroffen ist.

Seit Juli 2020 fiel der Regen im Sudan besonders ausgiebig. 17 der 18 Bundesstaaten sind von Überschwemmungen betroffen. Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, schätzt, dass knapp 600.000 Landwirtschaft und/oder Viehzucht betreibende Haushalte[3] betroffen sind – 2.988.445 Menschen. 2,2 Mio. ha Land seien überschwemmt worden. 20.521 Haushalte hätten den Verlust von 108.000 Stück Vieh zu beklagen. Nicht nur seien BäuerInnenhöfe vielfach unzugänglich, auch Fischereiausrüstung und Aquakultureinrichtungen sowie landwirtschaftliche Geräte, Pumpen und Inputs für den Ackerbau seien ebenso zerstört worden wie Einrichtungen für die Viehzucht. Betroffene haben teilweise mit dem Verkauf ihrer Produktivmitteln begonnen, um das unmittelbare Überleben sicherzustellen.

Gemäß FAO sind 9,6 Millionen SudanesInnen oder 21% der Bevölkerung von Ernährungsunsicherheit auf Krisen-Niveau oder ärger betroffen[4], das bedeutet 65% mehr als im Vorjahr und einen historischen Höchststand. Eine Million Tonnen Getreide sind verloren gegangen. Dazu kommt das erhöhte Risiko von Krankheiten aufgrund verseuchten Trinkwassers und stehender Gewässer. Die Zahl der Malaria-Fälle hat zum Beispiel drastisch zugenommen. Der viele Regen schafft zudem ideale Verhältnisse für die Vermehrung von Heuschrecken, die im letzten Jahr in der gesamten nordostafrikanischen Region große Schäden angerichtet haben.

Am 4. September hat die sudanesische Übergangsregierung einen dreimonatigen Notstand ausgerufen.

Nil-Überschwemmungen sind alles andere als ungewöhnlich, sie sind ein alljährlich wiederkehrendes Phänomen und sie sind der Landwirtschaft und somit der Ernährung eigentlich zuträglich, sorgen sie doch mit ihren Sedimenten für das Fruchtbarmachen der überschwemmten Felder. Wir haben ja alle im Geschichtsunterricht zum pharaonischen Ägypten gehört, eine wie wichtige Rolle sie dort spielten und das ist und war im Sudan nicht anders.

 [5]

Diese Fotos zeigen den Weißen Nil links während der Trockenzeit (am 31.12.2016) und rechts in der Regenzeit (am 11.9.2019). Der Pfeil im Foto B in der Mitte oben weist auf einen wichtigen Grund der Überschwemmung hin: Der regenzeitbedingte Hochstand des Blauen Nils hindert die Weißen Nilwasser am Abfließen und so überschwemmt dieser landwirtschaftlich genutztes Land westlich und südwestlich von Khartum.

Die hier abgebildete Überschwemmung hat nichts Außergewöhnliches an sich. Was macht die heurige Wiederkehr dieses Phänomens dann also so unheilvoll?

Zum einen hat es besonders viel geregnet. Das liegt zumindest teilweise am Klimawandel. Die Erwärmung des Indischen Ozeans entlang der afrikanischen Küste spielt dabei eine wichtige Rolle[6].

Wir verfügen heute über ausgezeichnete Methoden zur Beurteilung des Überschwemmungsrisikos. Das wurde im Vorjahr in einer Studie von WissenschaftlerInnen einer ägyptischen und einer chinesischen Universität vorexerziert. Dabei wurden zehn Faktoren kombiniert, um einen Überschwemmungsanfälligkeitsindex zu konstruieren, nämlich Landnutzung/Landbedeckung, Höhe, Gefälle, Oberflächenrauheit, topographische Krümmung, topographischer Nässe-Index (Sättigung), Strömungskraft-Index, Entwässerungsdichte, Fließ-Akkumulation und Entfernung vom Fluss. In der Studie findet sich für jeden Subindikator extra eine Karte – ich gebe hier nur das Endergebnis für ein Stück Blauer Nil am Stadtrand von Khartum wieder.

 [7]

“Die Studie zeigt, dass schlechte Infrastruktur und mangelnde Vorbereitung die wichtigsten Ursachen dafür sind, dass Überschwemmungen im Sudan zum Desaster werden.“[8] Hier ein paar Fotos zu den Auswirkungen:

 [9]

Doch auch ohne derart gefinkelte Prognosemethoden war schon in der Vergangenheit weitgehend bekannt, dass bestimmte Zonen Gefahr laufen, überschwemmt zu werden. So liegt der Hauptgrund für die heuer so drastischen Auswirkungen des Hochwassers in der unklugen Raumordnungspraxis insbesondere in und rund um Khartum. “Neben Bevölkerungswachstum ist zunehmende Verstädterung ein Problem. An vielen Stellen unseres Planeten wird die durch demographischen Druck und Landflucht verursachte Entwicklung von Mega-Städten nicht ordentlich reguliert (…). Unter solchen Bedingungen erhöht die unkontrollierte Expansion urbaner Ballungsräume auf jedes verfügbare Stück Land die Anfälligkeit von Mega-Städten für Geogefahren.“[10]

Angesichts eines nahezu vollständigen Mangels an Planung und Steuerung – “im Lauf der Geschichte wurden mehrere Stadtentwicklungspläne vorgeschlagen, aber (…) keiner von ihnen wurde beschlossen“[11] – wurde gebaut, wo Platz war. Die rezentesten Wohn- und Gewerbegebiete entstanden entlang der Nil-Flüsse, wo vorher Landbau betrieben wurde[12], und zwar insbesondere auf der Tuti-Insel und in Khartum-Nord, genau jene Gebiete, die heuer am meisten unter den Überschwemmungen gelitten haben.

Die rapide Expansion erfordert eine Vielzahl von Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser, von Uferdämmen bis hin zur Infrastruktur (Kanäle etc.), die das Abfließen von Regen- und Hochwasser ermöglichen[13].

“Riesenflüsse wie der Nil und Riesenstädte wie Khartum können miteinander auskommen, aber dazu ist gute Stadt- und Regionalplanung unerlässlich.“[14] Fürchten wir uns also weniger vor der Natur und den Naturgewalten, wir brauchen nur vernünftig mit unserer Umwelt umgehen. Doch das haben ProfitmaximiererInnen und Mächtigen dieser Welt schon immer schlecht gekonnt…

Etwa 200 km nordöstlich von Khartum liegt Meroe, vor der Zeitenwende Hauptstadt eines mächtigen Reiches. Dort haben die Überschwemmungen archäologische Anlagen erreicht, das war offenbar noch nie da. Auch die Pyramiden waren in Gefahr, ein Unesco-Weltkulturerbe[15].

 [16]

Der Sudan wünscht sich sicher, Äthiopien hätte den Blauen Nil seit Juli 2020 zur Gänze für das Auffüllen seines Renaissance-Staudamms genutzt, dann wären die Auswirkungen der heurigen Hochwässer weniger dramatisch ausgefallen. Die Hauptkontrahenten in diesem Konflikt sind Ägypten und Äthiopien, doch hat der Sudan sich beharrlich auf die Seite Ägyptens geschlagen, wenn er sich in der Regel auch viel kompromissbereiter gegeben hat. Grundsätzlich befindet er sich auch in derselben Position wie Ägypten: Die Nilwasser kommen hauptsächlich von anderswo, die Wasser des Blauen Nils eben ganz überwiegend aus Äthiopien.

Was den Streit um den Renaissance-Staudamm betrifft, hat Trump noch einmal nachgelegt, hat Ägypten in aller Öffentlichkeit ermuntert, den Staudamm zu bombardieren[17]. Das wird Äthiopien freilich nicht zum Einlenken bringen, ganz im Gegenteil[18]. Doch Trump zündelt gerne und solange er glaubt, dass etwas seine Chancen auf ein Wiedergewähltwerden erhöht, können andere gerne Krieg führen… Doch noch ist Ägypten nicht so weit, wie der US-Präsident es vielleicht gerne hätte. Nach 7-wöchiger Pause wurden die Verhandlungen mit Äthiopien und Sudan gestern wiederaufgenommen[19], wenn auch freilich nicht unter US- sondern unter AU-Schirmherrschaft. Die Afrikanische Union ist ja auch viel unmittelbarer betroffen, ist ihr Hauptquartier doch seit jeher in Addis Abeba.

Was die letzte Woche erwähnte Studie der vier HydrologInnen britischer und US-amerikanischer Universitäten vom 16. Oktober betrifft, hat sie wenig Wiederhall verursacht. Entgegen der Ergebnisse dieser Studie wird der Sudan nach wie vor als Opfer des Renaissance-Staudamm-Auffüllens dargestellt, statt als Profteur.

Laut Studie wird der Vorteil für den Sudan vor allem aus der Regulierung des Blauen Nils resultieren. “Der Sudan wird klar besser dastehen, da der Betrieb des Renaissance-Staudamms auf die Schwankungen der Wassermenge des Blauen Nils ausgleichend wirken wird, sodass Verluste durch Überschwemmungen wegfallen, die Wasserkraftproduktion gesteigert wird, die Sedimentbelastung in Stauseen und Kanälen reduziert wird und sodass vor allem mehr Wasser für die Bewässerung des Gezira-Projektes[20] und andere bewässerte Gebiete entlang des Blauen Nils verfügbar sein werden.“[21] Hier eine Nil-Karte aus der Studie mit den Staudämmen und ihren Kapazitäten:

 [22]

Wie anfangs erwähnt, ist das Wasser, sind die Überschwemmungen beileibe nicht das einzige Problem, mit dem der Sudan zu kämpfen hat. Wobei es gewagt scheint, derzeit überhaupt über sudanesische Politik zusammenfassend zu schreiben: Die Zustände sind derart “im Fluss“, was du auch sagst, die Wirklichkeit wird dich höchstwahrscheinlich bald widerlegt haben. Nichtsdestotrotz.

Was die politische Situation im Land betrifft, hat sich in den 15 Monaten seit Einrichtung der Übergangsregierung insofern wenig geändert, als noch immer nicht abschätzbar ist, ob sich die ZivilistInnen gegenüber den Militärs, mit denen sie die Staatsspitze teilen, werden halten oder gar durchsetzen können. Nach wie vor scheinen die Militärs über eine viel solidere Machtbasis zu verfügen. Dazu trägt insbesondere die handfeste Unterstützung bei, die ihnen Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emiraten angedeihen lassen. Hingegen beschränkt sich ausländischer Beistand für die sudanesischen DemokratInnen meist auf hohle Worte, auch wenn sie es waren, die die “Revolution“ gegen al-Baschir und sein Regime initiiert und trotz erheblicher Verluste lange Monate mit bewundernswerter Beharrlichkeit fortgesetzt haben. Frauen waren 2019 übrigens die treibende Kraft des Volksaufstandes[23], auch wenn sie seither wieder in den Hintergrund gedrängt worden sind.

Wie wir wissen, wurde al-Baschir durch einen Militärputsch gestürzt. Dass der drei Monate später eingesetzten Übergangsregierung auch ZivilistInnen angehören, wurde den Putschisten nach einer erheblichen Zahl von Toten in zähen Verhandlungen abgerungen. Premierminister ist nunmehr ein Zivilist, Abdalla Hamdok. Staatsoberhaupt, Vorsitzender des “Souveränen Rates“ aber ist ein Militär, Generalleutnant Abdel Fattah Burhan. Und der eigentliche starke Mann des Landes soll dessen Stellvertreter Generalleutnant Mohammed Hamdan Daglo sein, der sich als Kommandeur der Dschandschawid-Brigaden in Darfur und danach als Kommandeur der Rapid Support Forces im Sudan und auf internationaler Ebene einen sehr schlechten Namen gemacht hat.

Abdalla Hamdok, der Premierminister, ist zwar Wirtschaftswissenschaftler, die sudanesische Ökonomie befindet sich jedoch weiter in einem Zustand der Dauerkrise. Die Inflation hat im September den Rekordwert von 212% erreicht, die Landeswährung (das sudanesische Pfund) hat beträchtlich an Wert eingebüßt[24]. Brot und Benzin sind immer wieder knapp – vergessen wir nicht, dass es gestiegene Brotpreise waren, die die “Revolution“ gegen al-Baschir ausgelöst haben. Andererseits belasten die Subventionen für Brot[25], Benzin und Strom das Budget. Die Regierung hat vor, etliche staatliche Unternehmen zuzusperren – nur 12 der 650 werfen Profite ab[26]. Doch derlei Reformen bringen Kollateralkosten mit sich, insbesondere Kündigungen und somit verschärfte Arbeitslosigkeit.

 [27]

Wegen al-Baschirs Unterstützung für Osama bin Laden steht der Sudan seit 1993 und bis zum heutigen Tag auf der US-amerikanischen Schwarzen Liste “terrorunterstützender Länder“. Die daraus folgenden Sanktionen bedeuten eine erhebliche Beeinträchtigung für die Wirtschaft des Landes. Abdalla Hamdoks Regierung hat große Anstrengungen unternommen, die Aufhebung der Sanktionen zu bewirken. So wurde insbesondere die geforderte Entschädigung der Opfer einstiger, dem Sudan zugeschriebener Terroranschläge zugesagt. Doch die USA “zierten sich“ weiter: Im Wahlkampf wollte Trump aus der Notlage des Sudan offensichtlich politisches Kapital schlagen und so verlangten die USA vom Sudan als Gegenleistung für das Streichen von der Schwarzen Liste (und für Entwicklungshilfe) die Normalisierung seiner Beziehungen mit Israel nach VAE-Vorbild[28]. Hamdok wehrte sich gegen diese Junktimierung, das Thema ist äußerst heikel, die Normalisierung ist alles andere als mehrheitsfähig – die Militärs an der Staatsspitze jedoch waren dafür.

Doch gegen die USA und die Militärs im eigenen Land stand Hamdok auf verlorenem Posten. Und so hat Khartum dem Washingtoner Druck zuletzt nachgegeben: Israel wird zum “Freund“. Das ist von hohem Symbolwert, fand doch hier vor über 50 Jahren, im September 1967 im Gefolge des Sechstagekriegs, das Treffen der Arabischen Liga statt, auf dem laut verkündet wurde, es werde “keinen Frieden mit Israel geben, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit Israel“[29] – die Resolution der “3 Neins“. Zwar ist die Junktimierung nicht mehr erwähnt worden und auf sudanesischer Seite wird die Normalisierung der Beziehungen mit Israel teils – insbesondere auch vom Premierminister Hamdok – als eine Sache des Legislativrates bezeichnet, des noch nicht eingerichteten Parlaments, es könnte also noch einiges Wasser nilabwärts fließen, bevor die neue Freundschaft in die Tat umgesetzt wird. Aber am Prinzip selbst wird wohl kaum mehr gerüttelt werden.

Der Sudan wird dafür von der Schwarzen Liste gestrichen. Und erhofft sich davon den Zufluss von Geld, von viel Geld[30]. Zunächst einmal wird das Land von Israel Weizen im Gegenwert von 5 Mio. USD erhalten – das Almosen wird sicher behilflich sein, den Brotpreis im Zaum zu halten…

Hamdoks Regierung hat sich seit ihrer Konstituierung auch an einer anderen “Front“ stark engagiert: Sie hat mit den verschiedenen Rebellenorganisationen des Landes Verhandlungen geführt. Am 31. August 2020 konnte in Juba (Hauptstadt des 2011 abgespaltenen Südsudan) mit fünf von ihnen ein Friedensabkommen unterzeichnet werden. Zwar besteht nach offiziellen Angaben nach über 17 Jahren Konflikt nun Hoffnung auf Frieden insbesondere in Darfur, in Süd-Kordofan und in der Blauen Nil-Region[31]. Jedoch handelt es sich nur um einen Teilerfolg, denn der Vertrag wurde nicht von allen Rebellenorganisationen unterschrieben.

Zwei Mal schon, 2006 und 2011, wurden ähnliche Verträge ausgehandelt und unterschrieben, ohne dass dabei Frieden herauskam. Es ist zu hoffen, dass die Hamdok-Regierung ebenso wie ihre VertragspartnerInnen diesmal Versprochenes auch tatsächlich umsetzen werden – die Kosten des Friedensvertrags werden offiziellerseits über die nächsten zehn Jahre auf 7 Mrd USD geschätzt[32] – und dass es auch mit den restlichen Rebellengruppen zu einem Abschluss der Verhandlungen kommen wird. Denn die SPLM-N-Franktion unter Abdelaziz al-Hilu (SPLM-N al-Hilu) in Süd-Kordofan und Teilen der Blauen Nil-Region sowie die Sudanesische Befreiungsbewegung unter Abdel Wahid al-Nur (Sudan Liberation Movement in Darfur/SLM-AW) aus dem Darfur haben nicht unterschrieben[33].

Doch schließen wir mit zwei positiven Meldungen: Reporter ohne Grenzen hat am 21. April sein globales Ranking der Pressefreiheit 2020 veröffentlicht. Unter den dort erfassten 180 Staaten hat sich die Lage der Pressefreiheit im Sudan am drittmeisten verbessert, um 16 Plätze in nur einem Jahr[34].

Und zweitens wurde am 1. Mai 2020 die Exzision, die in Sudan übliche Form des Female Genital Cutting/FGC endlich verboten und unter Strafe gestellt[35].

 [36]

Endnoten:

[1] Günther Lanier, Die Wiedergeburt Äthiopiens aus einem Staudamm, Radio Afrika TV 21.10.2020, https://www.radioafrika.net/2020/10/21/die-wiedergeburt-athiopiens-aus-einem-staudamm/.

[2] Foto NASA 7.4.2005, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Khartoum_ISS010E23451_lrg.jpg.

[3] 42% hätten eine Frau als Familienoberhaupt. Auch für die folgenden FAO-Daten siehe Food and Agriculture Organization of the United Nations, The Sudan. 2020 Flood Response Overview, FAO Oktober 2020, kurze Zusammenfassung und herunterladbar auf http://www.fao.org/emergencies/resources/documents/resources-detail/en/c/1312669/.

[4] Die 5 Kategorien der Integrated Food Security Phase Classification (IPC) der FAO für Ernährungsunsicherheit sind: (1) Minimal/keine, (2) Angespannt, (3) Krise, (4) Notlage, (5) Katastrophe/Hungersnot. Siehe http://www.ipcinfo.org/ipcinfo-website/ipc-overview-and-classification-system/en/. Den Sudan, seine Bundesstaten und Distrikte betreffend sind die rezentesten online verfügbaren Daten von Juni 2020, somit vor den Überschwemmungen. Siehe http://www.ipcinfo.org/ipc-country-analysis/population-tracking-tool/en/.

[5] Andrea Zerboni, Filippo Brandolini, Guido S. Mariani, Alessandro Perego, Sandro Salvatori, Donatella Usai, Manuela Pelfini, Martin A.J. Williams, The Khartoum-Omdurman conurbation: a growing megacity at the confluence of the Blue and White Nile Rivers, Journal of Maps 2020 (veröffentlicht am 13.5.2020), https://www.tandfonline.com/doi/figure/10.1080/17445647.2020.1758810?scroll=top&needAccess=true.

[6] Genauer gesagt handelt es sich um Temperaturunterschiede im westlichen und östlichen Teil des Indischen Ozeans in den Tropen, in der Fachsprache Indian Ocean Dipole genannt. Solche Ungleichgewichte häufen sich infolge des Klimawandels. Siehe dazu Jennifer Fitchett, Kenya is experiencing strange weather. What’s behind it, The Conversation 13.2.2020, https://theconversation.com/kenya-is-experiencing-strange-weather-whats-behind-it-131480.

[7] H.T. Abdel Hamid, W. Wenlong, L. Qiaomin, Environmental sensitivity of flash flood hazard using geospatial techniques. Global Journal of Environmental Science and Management (GJESM) Jg.6 (2020) Nr.1, p.40, https://www.gjesm.net/article_36433.html. Die Subindikatoren werden auf pp.35-37 diskutiert und die entsprechenden Karten finden sich auf pp.39f. Die Karte reicht von Umm Dawm an Khartums südöstlichem Rand (15,54°N, 32,63°O) bis Almaseed Station (15,26°N, 32,92°O) (wobei die Angaben im Artikel nicht mit denen von Google Maps übereinstimmen), ungefähr in der Mitte liegt Al Bageir.

[8] Ebd., einleitendes abstract, Übersetzung GL.

[9] Ebd. p.42, https://www.gjesm.net/article_36433.html. N.B.: Es handelt sich hier nicht um Bilder des gegenwärtigen Jahrhundert-Hochwasser.

[10] Aus der Einleitung (p.1) von A. Zerboni, et al., The Khartoum-Omdurman conurbation: a growing megacity at the confluence of the Blue and White Nile Rivers, Journal of Maps 2020, Übersetzung GL, https://www.tandfonline.com/doi/figure/10.1080/17445647.2020.1758810?scroll=top&needAccess=true.

[11] Andrea Zerboni, The Nile river led to Khartoum’s growth, but now threatens the city, The Conversation 27.9.2020, Übersetzung GL, https://theconversation.com/the-nile-river-led-to-khartoums-growth-but-now-threatens-the-city-146492.

[12] Was ein Zusatz-Problem verursacht: Den vielen KhartumerInnen, die noch immer von Landwirtschaft leben, steht immer weniger Land zur Verfügung. S. Conclusio (p.11) von A. Zerboni et al., The Khartoum-Omdurman conurbation: a growing megacity at the confluence of the Blue and White Nile Rivers, Journal of Maps 2020, https://www.tandfonline.com/doi/figure/10.1080/17445647.2020.1758810?scroll=top&needAccess=true.

[13] Siehe auch Abdelrahim Salih, Steps Sudan must take to prevent future flood destruction, The Conversation 17.9.2020, https://theconversation.com/steps-sudan-must-take-to-prevent-future-flood-destruction-146117.

[14] Frei übersetzt nach A. Zerboni, The Nile river led to Khartoum’s growth, but now threatens the city, The Conversation 27.9.2020, https://theconversation.com/the-nile-river-led-to-khartoums-growth-but-now-threatens-the-city-146492.

[15] Siehe z.B. Kizzi Asala, Archaeological Site of Ancient Sudanese Empire in Danger from Floods, Africanews.com 11.9.2020, https://www.africanews.com/2020/09/11/archaeological-site-of-ancient-sudanese-empire-in-danger-from-floods/. Da seit Mitte September keine diesbezüglichen Meldungen mehr zu finden waren, nehme ich an, dass die Gefahr für die alten Kulturgüter abgewendet werden konnte.

[16] Pyramiden in Meroe, Foto Valerian Guillot 1.2.2016, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Meroe_at_sun_rise,_Sudan.jpg.

[17] Siehe z.B. Noé Hochet-Bodin, Pour Donald Trump, l’Égypte devrait faire sauter le barrage de la Renaissance, RFI 24.10.2020 um 19h32. Und auch die BBC-Analyse von Farouk Chothia, Trump and Africa: How Ethiopia was ‘betrayed’ over Nile dam, BBC 27.10.2020, circa 1h30.

[18] BBC gibt die Reaktion des äthiopischen Premierministers größtenteils wörtlich wieder: “Ethiopia will not cave in to aggression of any kind,” he said. “Ethiopians have never kneeled to obey their enemies, but to respect their friends. We won’t do it today and in the future.” Threats of any kind over the issue were “misguided, unproductive and clear violations of international law”. Aus BBC, Trump comment on ‘blowing up’ Nile Dam angers Ethiopia, BBC 24.10.2020, ca. 12h40, https://www.bbc.com/news/world-africa-54674313.

Trump comment on ‘blowing up’ Nile Dam angers Ethiopia

[19] Zumindest war das der Plan: Siehe Kalkidan Yibeltal, Talks on Nile Dam dispute to resume, BBC Africa Live 26.10.2020 um 12h00.

[20] Auch Dschazira-Projekt. Die Gezira-Ebene liegt zwischen Blauem und Weißem Nil südlich von Khartum.

[21] K.G. Wheeler et al., a.a.O., p.5.

[22] Ebd., p.2.

[23] Siehe Charlotte Wiedemann, Das Haus von Fathiya, Monde Diplomatique vom 9.4.2020, https://monde-diplomatique.de/artikel/!5675066.

[24] Reuters, Sudan annual inflation jumps to 212% in September, Reuters 13.10.2020 um 5h40, https://www.reuters.com/article/sudan-economy/sudan-annual-inflation-jumps-to-212-in-september-idUSL8N2H45S2.

[25] Und trotzdem steigen die Brotpreise: RFI, Soudan: le prix du pain double dans un pays déjà en proie à une forte inflation, RFI 9.4.2020 um 16h00.

[26] Sébastien Németh, Le Soudan réduit ses entreprises publiques pour sortir du naufrage économique, RFI 20.6.2020 um 3h11.

[27] Erpressung in Zeiten von Hochwasser und Covid-19. Der sudanesische Premierminister Hamdok rechts, der US-Secretary of State Michael R. Pompeo links. Foto U.S. Department of State 25.8.2020, leicht überarbeitet GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Secretary_Pompeo_Meets_with_Sudanese_Prime_Minister_Hamdok_(50268180966).jpg.

[28] Neben den Vereinigten Arabischen Emiraten hat auch Bahrain seine Beziehungen zu Israel kürzlich normalisiert.

[29] Zitiert in Farouk Chothia, Trump and Africa: How Ethiopia was ‘betrayed’ over Nile dam, BBC 27.10.2020, circa 1h30: “no peace with Israel, no recognition of Israel, no negotiations with it”.

[30] Siehe auch die Erklärung des Präsidenten des Landes, Abdel Fattah al-Burhan, im Fernsehen am 27.10.2020: Sébastien Németh, Soudan: le président du Conseil souverain vante le rapprochement avec Israël, RFI 27.10.2020 um 13h19.

[31] In aller Kürze: Anne Soy, Sudan ‘on road to peace’ after signing, BBC Africa live 31.8.2020 um 11h43.

[32] BBC, Peace process will cost $7bn – Sudan, BBC Africa Live 9.10.2020 um 16h03.

[33] Peter Fabricius, All eyes on Sudan’s peace deal with armed groups. Is Khartoum’s change of government enough to overcome the fact that two important armed groups didn’t sign? ISS Today 4.9.2020, https://issafrica.org/iss-today/all-eyes-on-sudans-peace-deal-with-armed-groups.

[34] Das Land befindet sich dort allerdings noch immer nur auf dem dringend verbesserungsfähigen 159. Platz. Siehe RSF/Reporter ohne Grenzen, Rangliste der Pressefreiheit. Weltweite Entwicklungen im Überblick, https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/rangliste-2020/ueberblick.

[35] Siehe z.B. RFI, Au Soudan, l’excision est désormais considérée comme un crime, RFI 1.5.2020 um 23h20, https://www.rfi.fr/fr/afrique/20200501-soudan-excision-est-d%C3%A9sormais-consid%C3%A9r%C3%A9e-comme-crime. Und auch Tamsin Bradley, Sudan’s political change gives hope for young women and girls. Here’s why, The Conversation 12.8.2020, https://theconversation.com/sudans-political-change-gives-hope-for-young-women-and-girls-heres-why-144293.

[36] “Revolutionäre“ auf dem Weg von Atbra nach Khartum. Foto Osama Elfaki 17.8.2019, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sudanese_revolution._Jpg.jpg.

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