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Nachtfalter sterben im Licht der Lampe. Der Tod als Bestimmung oder Teil des Weges

Günther Lanier, Ouagadougou, 14.4.2021

Um mich herum[1] wird gerade viel gestorben. Nicht nur haben im Norden und Osten des Landes die terroristischen Attacken wieder zugenommen. Der April ist zudem der Monat mit der größten Hitze. Die hiesigen Temperaturen in den unteren Vierzigern Celsius sind zwar völlig trocken und insofern weniger belastend als solche in den stets leicht feuchten Dreißigern in Europa, aber für geschwächte Metabolismen sind sie offenbar doch zu viel, so häufen sich Todesfälle unter Alten und Kranken oder anderswie Geschwächten. Agueratou, eine Freundin von mir, hatte allein am Dienstag vergangener Woche fünf Todesfälle in ihrer unmittelbaren Umgebung zu beklagen.

Weiten wir den Blick, so wird schnell klar, dass sich das Wirken des “Sensenmannes“ in letzter Zeit keineswegs auf Burkina Faso beschränkt. Sogar Prominente trifft es. Mit Pierre Nkurunziza in Burundi[2] und John Magufuli in Tansania, beide Covid-Leugner, hat er sogar zwei regierende Staatschefs hinweggerafft. Auch sind in der Côte d’Ivoire in kurzer Folge zwei Premierminister verschieden, beide waren Kronprinzen Alassane Ouattaras, für die Thronfolge ausersehen[3]. Und gestern erst ist der ivorische Ober-Imam, Traoré Mamadou, nach nicht einmal einem Jahr im Amt seinem Vorgänger Boikary Fofana ins Grab gefolgt[4]. Für die Welt der afrikanischen Literatur war der Tod Edouard Maunicks letzten Samstag, 10. April 2021, ein wesentlich größerer Verlust – wenn er mit seinen 89 Jahren seine Lebenszeit auch vollständiger ausgenutzt haben dürfte als die vorher zitierten Politiker.

Wir sind die morgige Welt
im Namen unserer Kinder mit ihren fruchtbaren Spielen
sie lernen schon das planetarische Alphabet:
was in uns kraftvoll lebte, dauert in ihnen fort:
das Verweigern des Schattens, der Platz an der Sonne![5]

Und freilich ist auch Europa, was den Tod betrifft, nicht außen vor. Dort hat das Hinscheiden von Prinzgemahl Philip am 9. April 2021 in Großbritannien mit 99 Jahren mehr Aufsehen erregt als das vorgestern verkündete Überschreiten der “Schwelle“ von einer Million Coronavirus-Toten[6].

Mein Artikel vom vorigen Mittwoch handelte von Magie, berichtete von Wahrsagerei aus den 1920er und 1930er Jahren. In Afrika wie in Europa gibt es “schwarze“ und “weiße“ Magie, letztere dient vor allem dem Heilen, erstere egoistischeren Motiven. Das Wirken afrikanischer Hexer und Hexen hat oft den Tod als Ziel und wenn ein Tod vordergründig unerklärbar ist, fällt der Verdacht schnell auf die Intervention einer Hexe oder eines Hexers.

Weiterlesen unter: https://www.africalibre.net/lang/deutsch/startseite.php?page=4

* * *

Endnoten:

[1] Beim Titel handelt sich aber um ein mauritisches Sprichwort: «Lai mon dan la lamp » = «la phalène meurt toujours dans la lumière de la lampe», das ich im RFI-Nachruf auf Edouard Maunick gefunden habe: Tirthankar Chanda, Edouard Maunick, chantre mauricien de la négritude métisse, est mort, RFI 11.04.2021 um 1h38, https://www.rfi.fr/fr/afrique/20210410-edouard-maunick-chantre-mauricien-de-la-n%C3%A9gritude-m%C3%A9tisse-est-mort. Auf Maunick komme ich im Artikel später noch einmal zurück.
Das dem Artikel vorangestellte Foto “illustriert“ das Sprichwort: Insekten rund ums Licht, Foto Vaishak Kallore 23.10.2012, leicht überarbeitet GL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Insects_flying_around_light_in_the_night.jpg.

[2] Das ist allerdings schon ein gutes Dreivierteljahr her – er starb am 8. Juni 2020 (Magufuli am 17.3.2021).

[3] Amadou Gon Coulibaly starb am 8.7.2020, Hamed Bakayoko starb am 10.3.2021.

[4] Beide hatten sich als Mediatoren ausgezeichnet. Beide sind am Coronavirus gestorben, Bokary Fofana Mitte Mai 2020, Taoré Mamadou am 13.4.2021. Siehe https://www.jeuneafrique.com/966320/societe/avec-la-disparition-de-cheick-boikary-fofana-la-cote-divoire-pleure-un-mediateur-incontournable/ bzw. https://netafrique.net/cote-divoire-debut-du-ramadan-le-chef-des-imams-est-decede/.

[5] Ich habe von Edouard Maunick in Kap.4 von Günther Lanier, Afrika. Exkursionen an den Rändern des Weltsystems, Linz (guernica Verlag) 2019, p.44 bzw. p.51 Teile seiner Gedichte “Géographie d’un exil“ und Nous guetteurs aus 2004 übersetzt. Hier handelt es sich um einen Teil von “Nous guetteurs“. Im Original: “nous sommes le demain du monde / au nom de nos enfants aux jeux fertiles / ils apprennent déjà l’alphabet planétaire : / ce qu’en nous vivait vif, en eux perdure : / le refus de l’ombre/la place au soleil!“, Edouard J. Maunick, Nous guetteurs, 2004, http://ile-en-ile.org/edouard-j-maunick-nousguetteurs/#exil, Übersetzung GL.

[6] Siehe https://www.orf.at//stories/3208929/.

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